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27.11.2002 Autor: WELCH 0

Bright Eyes: Berlin, Maria am Ufer - (26.11.2002)

da ist eine große gemeinschaft auf tour: bright eyes mit azure ray und the good life. doch die beiden zuletzt genannten waren nicht nur die vorgruppen von conor obersts band, sie waren vielmehr ein teil davon. azure ray spielten rotwein-musik. ruhig, sehr ruhig, kein schlagzeug. die sängerin ist später lustigerweise unter anderem die bright eyes schlagzeugerin. the good life erinnern dann ein wenig mehr an bright eyes, mit einem sympathischen sänger, der androht, daß "dies sein letzter song ist, wenn ich nicht einen neuen becher wasser bekomme!". kurz nach 23 uhr kommt dann conor oberst während der aufbauarbeiten auf die bühne. was zuerst auffällt: holla, ist der klein! geschätzte 1,65 m vielleicht. zusammen mit 10(!) anderen musikern (alle vorbandmitglieder) startete er dann. und der orchestrale sound des aktuellen albums "lifted..." wurde sehr gut umgesetzt. trompete, kontrabass, saxophon, banjo, slight-gitarre, synthesizer und diverse kleine andere dinge konnte man hier hören und sehen. ein freundeskreis aus musikanten der herzerweichende musik spielt. doch über allem natürlich: conor oberst. als "spokesman of a generation" wurde er betitelt, mit kurt cobain verglichen und als leitfigut gefeiert. ob ihm das alles so gefällt weiß man nicht. es fällt auf, daß conor sein gesicht anfänglich hinter seinen haaren verstecken will. er hat die augen meist geschlossen, öffnet sie dann ein wenig und schielt hindurch, was einen seltsamen psychopaten-blick hervorbringt. in seinen texten hat er soviel zu erzählen, doch er redet zwischen den songs fast gar nicht. wer sein verhalten als arrogant einstufen möchte, wird während des auftritts merken, daß es nicht selbiges ist. conor ist ganz offensichtlich ein verstörter mensch. total verplant, er hätte beinahe sogar der gitarristin sein instrument ins gesicht geschlagen. selbst seine mitstreiter erreichen ihn kaum, wenn sie ihn anreden wollen. er scheint abwesend. in gedanken nur die themen die seine musik bestimmen? das erschreckende: in conors texten/musik dürfte viel mehr wahrheit und schmerz stecken als der zuhörer wohl vermutet. "fuck my face, fuck my name...." singt er im ersten song des abends "false advertising". desto zunehmender ich die gefühlswelt dieses jungen mannes auch nur annähernd während des konzertes erfasse, desto tiefer zieht er mich in seinen bann, desto mehr begreife ich, daß die musik auch ein versteckter hilfeschrei ist. wahrer und echter als alle anderen konzerte vorher. warum lächelt er nicht wenigstens einmal? "we love you, conor!" ruft eine junge frau stellvertretend für fast alle anwesenden. er murmelt: "i love you too...". als gegen ende dann mal jemand "nebraska!" schreit, grinst er ein wenig. zur setlist ein paar sätze: das erste drittel besteht ausschließlich aus "lifted..." songs. dann folgen auch lieder von "fevers and mirrors" und zwei lieder, die mir bis dahin unbekannt waren. das dramatische "the center of the world" wird als vorletztes stück eingeplant, ehe mit dem 9minüter "let`s not shit ourselves (to love and to be loved)" abgeschlossen werden soll. als die band dann die bühne verläßt hört der applaus natürlich nicht auf. ein wenig lassen sie zwar auf sich warten, doch conor und seine begleiter kommen zurück und bringen zwei zugaben: "arienette" und "the movement of a hand". das schien dann das offizielle programm gewesen zu sein. doch das publikum gibt nicht nach. minutenlanger applaus, selbst als das normale licht in der "maria" wieder hergestellt wird und musik eingespielt wird klatschen die leute weiter. und tatsächlich: conor kommt ein weiteres mal und bringt noch zwei mir unbekannte zugaben mit ergreifenden texten. einen augenblick bevor er dann verschwindet reckt er die faust für einen kleinen moment in die luft. und erscheint doch irgendwie ein wenig glücklich...--------------------------www.headnoise.de.vu

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