Zur mobilen Seite wechseln
30.03.2002 Autor: M1CKANICAL 0

System Of A Down: Berlin,Columbiahalle - (11.03.2002)

Als ich am am ersten September-Sonntag des letzten Jahres in Hildesheim auf dem Drispenstedter Flugplatz stand. Und in freudiger Erwartung Marilyn Manson entgegenfieberte vernahm ich neben mir eine Stimme, die sagte: “Ich befürchte, das wird das beste Konzert meines Lebens!“
Ich wollte dieses Gefühl damals teilen, aber ich konnte es nicht. Aber nun, ein gutes halbes Jahr später lass ich mich zu einem ähnlichen Superlativ hinreißen: “Das war das beste Konzert das ich je erlebt habe! “Nein, nicht Manson, denn der wird uns hier in Europa immer etwas schuldig bleiben. Nein, ich spreche von einem Konzert, das ironischerweise genau ein halbes Jahr nach Amerika ’s größter Demütigung in Berlin stattfand.
Ein Konzert, für das ich nun ein Review schreiben möchte, von dem ich noch nicht einmal weiß an wen ich es geben soll, weil sich doch tatsächlich noch niemand dazu bereit erklärt hat, mal eine ordentliche, der Band würdige Homepage zu entwerfen!
Ein Review, von dem ich nur hoffen kann, das es gut wird, denn sonst würde es dem Konzert nicht würdig sein....

Der 11.März begann für mich mit einem Arzt-Besuch. Ich hatte das noch nie getan, aber schließlich kommt der Berg nicht zum Propheten. Und so war ich eben „krank“. Das lief auch alles wie geschmiert. Aber um 11Uhr dann erst mal die Hiobs- Botschaft: Cosi und Sven standen im Stau, und können deshalb erst später da sein. Das bedeutete auf unserer Fahrt durfte dann nix mehr schief gehen! Naja, ging dann auch nicht, mal davon abgesehen, das es sich nicht besonders macht, wenn man vom Berliner Ring Richtung Kurfürstendamm abfährt *g*(Schönen Gruß an Phil).Also erreichten wir(auch unter Hilfe einer sehr netten Berlinerin, von der ich die wohl beste Wegbeschreibung meines Lebens erhielt)mit einer Stunde Verspätung, aber immer noch sehr pünktlich die Columbiahalle.
Und während C&S erst mal Pommes und ähnlichen nährreichen Sachen fröhnten checkten Phil und ich erst mal den Eingang aus.
Natürlich gab es kuriose Gestalten zu sehen, aber nicht so schlimm wie bei Slipknot. Naja, dafür ist die Band halt sehr viel besser, und vor allem ernstzunehmender! Über der Halle, war (ganz im amerikanischen Stil eine Leuchttafel, auf die mit riesigen Steckbuchstaben „Heute: System Of A Down“ gesteckt war. Das sah echt gut aus, machte aber den Eindruck, als würden die wie ein Kino-Programm jede Woche einmal spielen.
Hach ja...und dann diese Mädels. Knallenge Tops, schwarze tief-hängende Baggys die tiefe Einblicke in die Welt der Unterwäsche zulassen...muß ich noch weiterreden???*g*
Das kusioseste war aber(wieder Mal) das der Einlass schon begonnen hatte, aber die Leute es scheinbar nicht sehr eilig hatten rein zu kommen! Aber ich bin ja nicht die Leute, und schnappte mir also gleich meine Freunde, und wir gingen rein.
Ganz schön klein das Ding! Nach innerer Betrachtung, war es für mich nun wirklich kein Wunder mehr, das das Konzert ausverkauft war! Zum Vergleich :Ein Tour-T-Shirt kostete 30EURO(der übliche Kommerzwahn eben),das ganze Konzert(für das man schließlich das Shirt kaufen würde) kostete 23EURO!Wo bleibt denn da die Relation? -> dachte ich mir, und verweigerte(nur um dann wahrscheinlich zum RiP schwach zu werden).
Dann ging es daran einen guten Platz im Moshpit zu ergattern. Das war auch nicht schwer, denn wir quatierten uns direkt in der 2.Reihe ein. Dort überbrückte ich dann die ganze Wartezeit damit, das ich das tottraurig -guckende Mädchen, das am Gatter saß ansprach, und ihr ein Gespräch ans Knie tackerte. Hm...schade, das ich mir nicht Deine Addy hab geben lassen, Daniela.
Dann kamen „Delinger“(oder wie die hießen).Das war ein einziges Ausrasten ohne Konzept. Ok, da drehte jeder auf der Bühne frei, aber scheinbar vergaßen die Mannen um den Bodybuilder -Sänger, das mehr dazu gehört Musik zu machen. Nur eines war wirklich geil: Das der Sänger sich 2x zum Stage -Dive hinreißen ließ! Das war cool, obwohl ich nicht der sein wollte, auf dem er landet.
Dann wieder Pause. Und das blonde Mädel neben mir(mit ihrem ach so amerikanisch klingendem „Sorry“) macht sich bei mir wirklich interessant, weil sie so verstohlen fragte: “Schon mal SOAD live gesehen?“
Am Ende des Gesprächs, stehe ich mit offenem Mund da, denn sie sah sie schon....in New Jersey!!! Und Manson beim Ozzfest! Und SOAD, und Deftones, und Slipknot...und alles immer schön in den Staaten...*sabber*
Jedenfalls machte sie mir mit ihrem vielsagendem Lächeln, als ich sie fragte, wie SOAD so live sind, eine Ankündigung, die für mich in den nächsten 90 min zur genialen Realität werden sollte!!!(“Wenn ihr wüsstet..“)
Dann aber endlich ein Intro...düster, lang...mit dem Piano. Das Licht auf der Bühne war aus.Mein Herz begann zu schneller zu schlagen, das ist nicht irgendeine Drecksband, das sind System! Und nun standen zu beiden Seiten der Bühne Roadys, die die Gitarre/Bass bereit hielten. “Let’s begin...“dachte ich, und war bereit völlig auszudrehen. Man musste mir nur noch einen winzig kleinen Grund geben...
Dann begab sich John an die Drums...und dann kamen Shavo und Daron auf die Bühne! Die Halle begann zu kochen. Alles schrie...und dann kam Serj.
Sie waren erst mal einfach nur da...und dann: ein Saiten -Schlag! Kurz und hart. Das Licht geht mit ihm an! Sicher war es für Serj und Co. nichts besonderes zu sehen, wie dieser eine Schlag die Massen zu elektrisieren begann. Denn nacheinander begann jeder auszudrehen, der begriff, das hiermit „Prison Song“ gegann! Dann das kurze Gitarren- Stück, wieder Pause. Es war wie Hohn, denn das Publikum fuhr trotzdem immer mehr gegen 100.Dann brach das Lied über uns herein. Innerhalb von 30sek war aus der Stehparty eine schweißnasse moshende Hölle geworden.
Und alles war so, wie man es sich immer ausgemalt hatte! Serj im schwarzen Kimino, Shavo oben ohne mit geflochtenem Bart, und Daron, der jedes Lied mit übertriebener Gestik und Mimik zu begleiten schien. Serj machte rutiniert eine schnelle Fingerbewegung auf seine 3 Mitstreiter und dann nach oben. Offensichtlich war es ihm noch nicht laut genug. Danach konnte man immer wieder sein diabolisches „1001Nacht-nahöstliches“-Lächeln bewundern, mit dem er selbst die härtesten Lieder begleitete.
Nach dem ersten Lied, der erste Ärger: SOAD wollten scheinbar patut nicht das das Konzert aufgezeichnet wird, und so begann Daron mit der Schlaufe seiner Gitarre nach dem Kameraarm über der Menge zu schlagen. Scheinbar gewannen sie, denn das Konzert wurde nirgends ausgestrahlt.
Leider könnte ich nicht mehr sagen, welche Lieder dann folgten, denn es waren einfach sau- viele! Beweis dafür ist: das es einfacher ist zu sagen, was sie NICHT gespielt haben! Allein vom neuen Album spielten sie ALLES bis auf „Shimmy“ und „Forest“!
Vom Self-titled Album gab’s alles was geil ist.
Nach gut der Hälfte des Konzerts war ich so gut wie tot.(und ehrlich Leute, das dauert bei mir lange normalerweise).Aber das hier war eine ganz neue Liga! SOAD laberten nicht rum, sondern spielten(schönen Gruß an Limp Bizkit).Gut, ein paar geile Ansagen wären ja nicht schlecht gewesen, aber man hatte nun wirklich nicht das Gefühl, sie würden uns für zu blöd halten diese zu verstehen(schönen Gruß an Mr. Manson).Irgendwann gegen Ende kam dann Chop Suey. Aber ehrlich...darauf kam es dann gar nicht mehr an! Es war nicht eines dieser Konzerte, bei denen man auf das „große Lied“ wartet.(schönen Gruß an Slipknot) Nein, bei System ist jedes Lied ein Hochgenuß. Und ich fand kaum Zeit mal Photos zu machen. Denn: bei welchem Lied denn bitteschön???
Dennoch ging dabei auch tierisch die Post ab! Und als dann Daron später wie ein angestochener „Sugar“ in sein Mikro fauchte, gab’s kein Halten mehr. Auch wenn ich anmerken muß: wie bereits erwähnt, waren alle schon ziemlich fertig!
Aber System hauten nicht nur rein! Sie spielten auch „ATWA“, „Toxicity“ und „Spiders“! Bei letzterem wären mir fast die Tränen gekommen(aber das hat andere Gründe..)
Bei „Science“ saß Serj auf dem Boden, und sang die Hälfte des Liedes im sitzen.
Vom ersten Album kam also “Suite-Pee“, „Know“, „Sugar“, „Suggestion“(das weiß ich noch daher, weil ich versuchte diese Hohe Stimme in der Mitte des Liedes mitzusingen!),wie schon erwähnt „Spiders“,(natürlich) „War?“, und, was den krönenden Abschluss des Konzis darstellte: “P.L.U.C.K.“!!! Bei dem Lied stand ich dann auch in der ersten Reihe! Rasstete so dermaßen aus ,das die Securitys schon auf mich zeigten, aber egal! War übrigens auch gut, weil ich da erstmals wieder richtig Luft bekam...
Dann verließen uns SOAD wieder. Und für einige Momente sah alles nach eingeplanter Zugabe aus. Aber dann gingen die Lichter an, und die Roadies begannen das Drum- Set abzubauen.
Und da geschah erst das, was dieses Konzert, mit seiner Band, und seinen Fans ganz offensichtlich von jedem anderen Konzert abhob!(zumindest imho)!Es war das beste Konzert auf dem ich bisher war, keine Frage, aber etwas was nun geschah machte das erst richtig deutlich. Wie ein Symtom, ganz offensichtlich, und Eindruck hinterlassend! Da stand also nun kein Schlagzeug mehr, und seit 10min lief die Musik vom Band. Und trotzdem hatte KEINER diese Halle verlassen! Und immer wieder kamen gewaltige Sprechchöre mit „Zugabe“ „System“ oder „Fuck the System“!!! Das war unglaublich und unterstreicht die Wirkung dieser Band.(noch mal schönen Gruß, an Slipknot, die geplante Zugaben mit „Surfacing“ spielen, bei denen aber nach 10min die Halle einer Wüste gleicht)
Es kam keine Zugabe mehr, aber ich hätte in diesem Moment auch nicht gewusst, welches Lied zu noch hätten spielen können. Überglücklich kaufte ich mir dann wenigstens noch 2 Poster, hängte mir das nasse etwas, was vor dem Konzert mein T-Shirt war über die Schulter, noch schnell mit dem „tough“-en Deftones-Girl die Email-Addy getauscht und dann zum Auto....
Angespornt durch einen ordentlichen Autobahn-Kaffee an der Raststätte Köckern, fuhr ich die ganze Bagage bis frühs um 5 noch nach Hause! Um halb 2 noch in der 80er-Zone geblitzt worden(„Fuck the System“, hört ihr! “Fuck the System!“ *g*)Und den nächsten Tag wieder „krank“ gewesen. Auf der Heimfahrt dachte ich dann doch daran, das es wirklich nicht schlecht gewesen wäre, wenn sie vielleicht auch „Soil“ gespielt hätten(wegen dem geilen Gitarren-Solo) und „Forest“ (weil sich das Lied gegen ende so geil steigert).Aber egal....
„das war das beste Konzert meines Lebens!“
Da muß schon viel kommen, um das zu schlagen...naja, lasse ich mich mal überraschen....

alle Konzertkritiken aus der CommunityKonzertkritik schreiben

Bitte einloggen, wenn du diese Konzertkritik kommentieren möchtest.