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06.03.2002 Autor: DR_BOLZ 0

The (International) Noise Conspiracy: Bochum, Zeche - (04.03.2002)

Ich weiß nicht genau, ob jeder Mensch wirklich so individuell ist, wie es immer den Anschein hat; vielleicht sind wir doch alle nur Schachfiguren in einem kleinen, billigen Spiel kapitalistischer Großindustrieller und korrupter Regierungen!...
Man merkt sofort, welches Konzert ich wohl besucht habe...natürlich eins der conspiration (internationale) de bruit...oder einfach The (International) Noise Conspiracy!!!
Aber zu diesen Giganten des politischen Retro- Rock `n`Roll später mehr...
Die Bochumer Zeche war für dieses Konzert wohl der perfekte Ort, ironischer Weise so was von mitten im Pott, dass man dachte, es gibt gar nichts anderes mehr!
Zu den Vorbands: werde ich nicht viel sagen, da das Urteil zu niederschmetternd ausfallen würde! Die erste Band, „Six by Seven“, war so schlecht, dass sich überhaupt nur ein Mensch zu dem, was diese 4 „Beinahe-Rock-Opas“ da abgezogen haben, bewegt hat. Beschissene Lederjacken, leicht billig inszenierter „Worker-Look“ und die Tatsache, dass der Frontmann (Gesang/Gitarre) während eines kompletten Songs höchstens 3 verschiedene Gitarrengriffe gespielt hat fielen sofort ins Auge. Der Drummer war noch kein Rock-Opa, hat sich aber bewegt, als ob Epilepsie gar nichts Schlimmes sei. Der amüsante Frontmann ist übrigens nach dem Auftritt zu seiner Nichte (glaube ich) gegangen, und sprach darüber, nachher noch mit der Oma nach Hause zu fahren (im Ernst!)! Tja, es gibt doch noch wahre Rock-Stars!
Vorband Nr.2 (selbstverständlich war das schon eine zuviel!), Yvonne, erwies sich da schon als etwas besser. Eigenartig überzogene Posen des Frontmanns erinnerten mich an Scott Weiland, hatten aber doch die verlangte Aufmerksamkeit zur Folge. Der Sound war übrigens bei beiden Vorbands ziemlich schlecht. Der Bassist von Yvonne stach allerdings sofort ins Auge, unglaublich, wie weiblich Männer sein können! Die Lieder wurden zum Ende hin etwas eintönig, stimmten einen aber dann doch noch relativ gut ein...
Nach einer ewig langen Wartezeit, die wohl dadurch zustande kam, dass es einfach so lang dauerte, viel zu enge Jacken anzuziehen und die brandneuen, schwarzen Chucks herauszukramen, kamen dann auch endlich die wohl sympathischsten Verfechter marxistischer Theorien auf die Bühne.
T.(I.)N.C. schienen wirklich sehr gut gelaunt zu sein, und diese Laune sprang schnell auf alles über, was mit im Raum war. Mit politischer Prosa hielt sich Dennis Lyxzén diesmal ziemlich zurück, mit Tanzeinlagen dafür nicht. Ich habe diesen Menschen zum ersten Mal so nahe und lange erleben dürfen und weiß eins ganz genau: So nen Frontmann gibt’s nur einmal auf diesem Planeten! Unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und Schnelligkeit er die Menschen herumgerissen bekam, ich konnte mich jedenfalls nicht mehr halten.
Absolut gelungener Einstieg mit „A Northwest Passage“ und „Bigger Cages Longer Chains“, bei denen noch alle relativ ruhig blieben. Bei „New Empire Blues“ war dann kein Halten mehr, da wurde schon gemosht, was das Zeug hielt! Passt zu dieser Musik zwar meiner Meinung nach nicht so, aber was will man machen (bei „Smash It Up!“ allerdings auch so abzugehen, versteh ich bis heute nicht ganz!).
Nach dem Blues folgten Survival Sickness, Smash It Up!,Will It Ever, Up For Sale, Capitalism Stole My Virginity, Reproduction Of Death und A New Morning, Changing Weather. Eine Zugabe war auch noch drin, kannte kein Schwein, war aber dann auch egal.
Tolle Auswahl an Songs, unglaubliche Akrobatik und viel Sex-Appeal ( der von Heimorgel-Dame Sara wie auch von Dennis ausging)! Einer der coolsten Typen, die ich jemals gesehen habe, ist zweifellos der Bassist der conspiracy, Inge Johansson, der diesmal niemand mit seinem Instrument fast erschlagen hätte.
Sprünge von 3-Meter Boxen, von ganz hinten nach ganz vorne und 10-cm Sprünge, die bei jedem anderen Menschen einfach nur peinlich aussehen würden, bei einem Gig der (International) Noise Conspiracy überhaupt kein Problem! Das man mit einem Mikro so viel machen kann, hab ich übrigens auch noch nicht gewusst...diese Schweden rocken noch jeden Kontinental-Affen in Grund und Boden...!
Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses Erlebnis einmal zu geben, denn das ist wirklich einzigartig. Ich warte schon sehnsüchtig darauf, mir das zum dritten Mal anzutun, hoffentlich nicht auf einem Festival, denn diese Band hat besondere Beachtung verdient!!!

P.S.: Hoffentlich bleibt The (International) Noise Conspiracy so bodenständig und underground, wie sie es jetzt noch ist...we carry a new world here in our hearts...

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