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22.08.2014 Autor: Go Ahead Eagle 0

Cloud Nothings: Wiesbaden - Schlachhof (22.08.2014)

Die Lokalmatadore „The Void“ beginnen pünktlich um 9. Ein Typ hinterm Schlagzeug und ein Klassenclown an der Gitarre, der der Cure Vogelscheuche in jungen Jahren ähnlich sieht.
Garagenpunkrock ist das Gebot der ersten halben Stunde. Sie sind zwar noch längst keine Japandroids, aber es fetzt und sie heimsen eine Menge Schulterklopfen und warme Worte nach der Vorstellung ein. Ja, hier hab ich schon wesentlich schwächere Vorbands gesehen.

Nach kurzem Umbau kommen drei unscheinbare Typen auf die Bühne. Wer die Räucherkammer kennt, weiß, dass die Bühne durch einen Pfeiler optisch zweigeteilt ist. Bezeichnend für den restlichen Abend, dass Sänger + Gitarrist Dylan Baldi das kleinere Stück nimmt und die größere Fläche den Mitstreitern lässt.

Es folgen knapp 90 Minuten Post-Irgendwas Songs mit ständigem Potential in Noiseorgien auszubrechen, aber auch immer wieder mit bittersüßem Gespür für Melodien und Melancholie. Großartig natürlich: „Fall in“ und „Stay useless“.
Wenn Baldi die Augen öffnet schaut er kurz aufs Griffbrett oder auf die Effektgeräte, ansonsten singt und spielt er mit geschlossenen Augen, in sich gekehrt und überraschend leise. Er lässt also nicht nur räumlich gesehen Platz für die Kollegen. Dabei ist er doch der große Virtuose, der Bursche mit den genialischen Zügen. Die Zurückhaltung schadet zum Glück den Songs und dem Sound nicht. Trotzdem bleibt ein leiser Zweifel für die Zukunft: sie haben das Potential uns auf Jahre hin zu beglücken und zwischendurch einen richtig großen Wurf zu landen, aber ist die große Bühne wirklich das was sie wollen? Ein toller Abend endet mit einer ca. 20 minütigen brachialen Noiseversion von „Wasted days“.

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