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25.06.2014 Autor: joeren 0

Hurricane Festival: Scheeßel - Eichenring (20.06.2014)

Freitag:
Gerade bei Fucked Up angekommen und den ersten Song gehört, meldet sich meine Konfirmandenblase zu Wort. Ich mache gerade die ersten Schritte in Richtung Toiletten und RUMMMS. Ein behaarter Koloss mäht mich um und fällt mir in die Arme. Die wahnsinnigen Augen von Fucked Up-Sänger Damian Abraham glotzen in meine. Selten so verdattert, ist das erstbeste was mir einfällt, ihm mein halbvolles Bier anzubieten. Er schüttet sich alles in die Rübe und zieht von dannen. Ich fange mich nach einigen Minuten wieder.
Abraham macht das Beste aus dem Opener Slot auf der viel zu großen Green Stage: Er verbringt das Konzert zum Großteil im Publikum, um sich Gehör bei den vielen zu verschaffen, die nur hier sind um bei den Subways oder den Kooks vorne zu stehen. Am Ende hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Queen of Hearts oder The Other Shoe können sich auf der Green Stage mit desinteressiertem Publikum trotzdem nicht richtig entwickeln.
Danach zu Chuck Ragan ins Zelt. Leider ist es schon so voll, dass nicht mehr viel Atmosphäre bei mir im hinten Teil ankommt. Ragan spielt viel vom neuen Album. Seine Stimme ist live immer wieder ein Erlebnis.
Direkt im Anschluss Apologies, I have none. Nicht einmal Zeit für ein überteuertes 4 €-Pils; die haben nämlich schon angefangen. Sat in Vicky Park ist das einzige Stück was ich zu hören bekomme, erinnert mich an die Sink or Swim von Gaslight Anthem und gefällt sehr. Dann hört die Band knappe 10 Minuten zu früh auf…bei 30 Minuten Spielzeit, GUTEN MORGEN!
Dann Bier trinken, dann Foto mit Ragan bei der Autogrammstunde mit ganzen 10 Fans.
Danach auf zur Blue Stage, um den Rest vom Bombay Bycicle Club zu genießen, bevor es zu Elbow geht. Das Riff zu Grounds for Divorce haut mich um, so satt und wuchtig, Orgasmus für die Ohren.
Nach 5 Minuten habe ich von den Kooks und den schreienden Girlies die Schnauze voll und stelle mich für Arcade Fire in die Schlange für den ersten Wellenbrecher. Die spaßigsten anderthalb Stunden des Wochenendes mit super Leuten. Arcade Fire dann mit einer wunderschönen Licht- und Videoshow. Die Band versprüht einen besonderen Zauber. The Suburbs ist mein Highlight.
Berauscht von Arcade Fire wieder zur überfüllten Blue Stage. Das schöne Same Love von Macklemore & Ryan Lewis noch mitgenommen, dann nach ein paar Gute Nacht-Bierchen am Campingplatz zufrieden ins Zelt gestolpert. Den Bierbecher von Abraham hebe ich mir auf.

Samstag:
Die Donots spielen nicht jeden Tag vor so vielen Menschen. Zum 20. Jubiläum kann man sich bei dem Konzert nur mit der Band freuen, so wie die Masse mit ihnen ausflippt.
Die Broilers können da nicht ganz mithalten und machen doch viel Spaß, inklusive einer Spitze gegen die Onkelz und ihr Hockenheim-Revival.
Dann Bühnenwechsel und die Wombats vom gefühlt letzten Bierwagen gesehen. Mehr Public Viewing als Konzert.
Für die Pixies gings dann wieder weiter nach vorne. „Debaser“, „Wave of Mutilation“, „Monkey Gone to Heaven“, wie großartig, das live zu hören. Interpol anschließend machen mich mit ihrem unterkühlten Charme neugierig.
Belle and Sebastien habe ich mir fest vorgenommen, meine Füße tragen mich aber nur noch in mein Zelt.

Sonntag:
Um 13:30 machen Royal Blood im Zelt einen grandiosen Anfang. Basslastiger Garage Rock, das erste Album kommt im Sommer. „Little Monster“ und „Come on Over“ lassen auf Großes hoffen.
Dave Hause im Anschluss nimmt das Tempo ein wenig raus.
Young Rebel Set’s Sänger will mit seiner arroganten Art auf der Bühne augenscheinlich Liam Gallagher nacheifern: Rülpst ins Mikrofon und lallt unverständliches mit Schal und Sonnenbrille im dunklen Zelt. Stimmlich wird er seinem Vorbild gerecht, er klingt heute genauso versoffen und verraucht, wie inzwischen Liam.
Marcus Wiebusch braucht ein paar Minuten um das Publikum aufzuwecken. Er ist alles andere als eine Rampensau und trotzdem wirkt seine etwas unbeholfene Art gerade bei den Rap Songs sehr sympathisch und glaubwürdig. Nur einmal rächen ist live großartig und der Kettcar Song Balkon gegenüber mit einer neuen Strophe ein weiterer Höhepunkt. Das 7-Minuten-Stück „Der Tag wird kommen“ dann als krönender Abschluss und mit riesigem Applaus verabschiedet.
Auf die Black Keys und Seeed verzichte ich schweren Herzens. Zu viele Menschen vor der Bühne.
Trotzdem, ein furioses Wochenende.

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