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02.06.2014 Autor: joeren 0

Creedence Clearwater Revival: Hamburg - Freilichtbühne Stadtpark (30.05.2014)

Anmerkung: Die Konzertkritik bezieht sich auf ein Konzert von John Fogerty, diesen konnte ich im "Artist"-Feld aber nicht auswählen.

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John Fogerty muss sich gerade wie ein lebendes Fossil fühlen; der Hamburger würde sagen: wie ein Dino. Kaum betritt er den Teil der Bühne, der ins Publikum hineinragt, schnellen Fogerty dutzende Smartphonekameras entgegen. Diese Unsitte ist eigentlich keine Erwähnung mehr wert, heute liegt der Altersdurchschnitt allerdings locker bei 60 Jahren. Die alten sind genauso verdorben wie Ihre (Enkel-)Kinder. Oder haben sich von ihnen verderben lassen.
Dieser Mann verdient, dass Hände zum Klatschen benutzt werden. Gerade jetzt, wo die Freilichtbühne von der tiefstehenden Sonne in genau die sommerlich-kräftige Südstaaten-Farbstimmung getaucht wird, von der man zu Fogertys Stimme zu „Who’ll stop the rain“ träumt. Eine Stimme, die live noch genauso klingt wie vor über 40 Jahren auf Platte.
Vor wenigen Tagen feierte der ehemalige CCR-Sänger seinen 69. Geburtstag und tourt seit Jahren nahezu ununterbrochen um die Welt. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, kennt Fogerty doch die dunklen Seiten des Lebens ebenso gut wie die hellen, vielleicht sogar besser. Jahrzehntelang gab es kein Lebenszeichen von ihm, Rechtsstreitigkeiten mit seinem Management und ehemaligen Bandmitgliedern rissen tiefe Wunden.
Dass er einiges nachzuholen hat, ist ihm in jeder Sekunde auf der Bühne anzusehen. Seinen beiden Mitgitarristen schenkt er kaum ein Solo, und wenn guckt er seinem Sohn Shane dabei sehr genau auf die Finger. Shane, Anfang 20, begleitet seinen Vater auf Tour an der Gitarre und beweist, dass er das Talent seines Vaters erbte. Schlagzeuger Kenny Aranoff ist zwar nicht verwand mit dem Chef, dennoch einer der besten seines Fachs. Seine Soli klingen so gefährlich wie er aussieht. Der Abend im Stadtpark ist keiner von der Stange: Das rare „Keep on Chooglin“ hören selbst viele Fogerty-Ultras zum ersten Mal live. Gute zwei Stunden Rockgeschichtsstunde gehen mit „Rockin All Around The World“, „Bad Moon Rising“ und „Proud Mary“ furios zu Ende.
Schade, dass (fast) kein Konzertbesucher jünger als 30 schien, verkörpert diese Musik doch ein zeitloses Lebensgefühl. Gibt es etwas Schöneres als auf dem Weg zum Festival CCR in den Kassettenrekorder zu schmeißen? Vielleicht, aber nicht viel. Analog ist manchmal besser.

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