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06.04.2014 Autor: Rolu92 0

Red Fang: Leipzig - Täubchenthal (04.04.2014)

Dass das Täubchenthal noch ein sehr junger Veranstaltungsort ist, merkt man schon zu Beginn. Obwohl der Start der Show für 21:00 Uhr angesetzt ist, werden 20:00 Uhr ganz allmählich die Pforten geöffnet. Einzelne stehen schon vor den Toren der ehemaligen Fabrik, die mittlerweile als neue Konzerthalle in Plagwitz dient. Während alles ganz gemächlich seinen Gang nimmt, kann man hier und dort ein paar Eindrücke sammeln. Man merkt schnell, dass das Konzept des Täubchenthals vor allem junge Leute ansprechen soll. Im Innenhof, finden sich aus Baumstämmen gewerkelte Sitzmöglichkeiten und Hollywoodschaukeln. Kleine Bühnen und bunte Lichterketten umrahmen diesen Anblick. Der Innenraum besticht durch zerfallenen Charme (abgefallener Putz an den Wänden), kombiniert mit altmodischen Elementen wie etwa Mustertapeten und zwei riesigen Kronleuchtern in der eigentlichen Konzerthalle. Die Getränkepreise sind akkurat und laden den Konzertbesucher zum feucht fröhlichen Vergnügen ein. Wie meistens üblich, sind die Sammelpunkte in der noch leeren Halle der Merchandisestand und die Bar. Ab 20:30 beginnt sich der Saal immer mehr zu füllen. Neben bärtigen Kuttenträgern, Altrockern und Metalheads mischen sich auch einige jüngere Zuschauer unters Volk.
Punkt 21:00 Uhr gehen die Kronleuchter aus und die hell erleuchtete Bühne wird von Lord Dying geentert. Die noch zunächst etwas nervös dreinschauenden Musiker stimmen ihre Instrumente,nehmen noch einen kleinen Schluck aus der Bierflasche und dann geht es los. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, dass das ein eher holpriger Start wird. Doch kaum wird das erste Riff angespielt, verfliegen diese Gedanken sofort. Mit ihrem groovenden Sound, der Mauer an schallenden Riffs, die dem Besucher entgegen geschleudert werden, und der enormen Lautstärke, schafft es die Band das Publikum auf mehr als Betriebstemperatur zu bringen. Nach 40 Minuten ist Schluss, die sichtlich gerührten Bandmitglieder bedanken sich mehrfach beim Publikum und dürfen die Bühne mit einigen "Zugabe" Rufen verlassen.
22:00 Uhr betreten dann die drei Mannen von The Shrine die Bühne. Wenn man dachte, nach Lord Dying sei die Stimmung großartig gewesen, wird sofort eines besseren belehrt. Der Mix aus Punk, Stoner und 70er Rock'n'Roll verwandelt das Täubchenthal in eine vor Biergeruch triefende enge Garage. Die Leute sind kaum noch zu halten. Die ersten Reihen beginnen mit Pogo, wilde Rockermähnen kreisen rhythmisch zur Musik und unzählige Bierbecher fliegen durch den Saal. Und wenn das nicht schon genug wäre, lassen sich die ersten Crowdsurfer und Stagediver nicht lange bitten. Das Tempo wird nocheinmal vor dem Hauptact des Abends gnadenlos nach oben gedreht, es vergeht kaum eine Minute ohne Verschnaufpause. Nach spätestens 40 Minuten ist das Set zu Ende. Der Frontmann von The Shrine versucht sich auch noch als Stagediver, was aber nach ca. 30 Sekunden mit einer eher unsanften Landung auf dem Hallenboden endet. Er nimmt es gelassen.
Kurz vor 23:00 Uhr schallen schon die ersten "Red Fang" Rufe durch die Halle und die ersten Fäuste werden gereckt. Dann, etwa 10 Minuten später, beginnt der Siegesszug. Die Band hat Lust das merkt man sofort und eröffnen das Set mit "Hank is Dead" und ab da gibt es kein Halten mehr. Etwa 1/4 der Halle befindet sich entweder in Dauerbewegung, während die anderen damit beschäftigt sind die Haare wild hin und her zu schütteln. Nach 3 Songs erfolgt die erste Ansage, bei der sich Red Fang für das zahlreiche erscheinen bedankt (größtenteils sogar in fließendem deutsch). Dann wird aber wieder gnadenlos Gas gegeben. Bis auf "Human remain Human remains" gibt es selten Momente der Ruhe. Die Band hat Spaß, das Publikum auch und der Gerstensaft fließt in Strömen. Das neue Album "Whales and Leeches" wird ausgiebig promotet, die neuen Songs stoßen auf positives Feedback, da beispielsweise bei "Blood Like Cream" lauthals der Refrain mit gegrölt wird. Die Crowdsurfer werden wieder aktiv und das Publikum ist von der Feierlaune etwa kurz vor einer Supernova. Doch dann gehen plötzlich die Lichter an und nach 1 Stunde ist Schluss. Natürlich wollen die Leute noch den Rausschmeißer "Prehistoric Dog" hören. Nach kurzer Zeit tritt die Band auf die Bühne greift zu den Instrumenten und spielt noch zwei Songs von dem Debütalbum "Red Fang". Selbstverständlich ist "Prehistoric dog" der letzte Streich der Band aus den Vereinigten Staaten und sorgt noch einmal für Extase. Die Mähnen fliegen, sowie die Bierbecher und die Lautstärke dröhnt nur so. Dann ist aber wirklich Schluss und man verlässt das Täubchenthal mit einem breiten Grinsen und einen durchaus ausgeprägten Tinitus.


Setlist:

Hank Is Dead
Voices of the Dead
DOEN
Throw Up
No Hope
Number Thirteen
Dirt Wizard
Humans Remain Human Remains
1516
Into the Eye
Malverde
Crows in Swine
Blood Like Cream
Wires

Zugabe:

Bird on Fire
Prehistoric Dog

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