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04.11.2013 Autor: Go Ahead Eagle 0

Karnivool: Wiesbaden - Schlachthof (03.11.2013)

Die tollste Erkenntnis des Abends: der Intersphere Drummer hat das Duell gewonnen!
Aber von Beginn an. Ich hab den Schlachthof zum ersten Mal in voller Größe sehen dürfen.
Und Überraschung: es geht eigentlich. Ich hätte mir den großen Laden unangenehmer vorgestellt. Es war zum Glück auch nicht gerappelt voll und der Sound war ebenfalls bei beiden Bands vollkommen in Ordnung.
Kurz vor Beginn um 9 kam ich an und wurde direkt enttäuscht. Karnivool hatten bloß 20 € T-Shirts am Stand und überhaupt keine Musik. Dabei hab ich mich doch drauf gefreut ein paar Platten von denen abzustauben. Aber auch nach der heutigen Kurzrecherche wirkt es, als gäbe es von denen kein Vinyl. Schade.

The Intersphere kamen auf die Bühne und stellten / setzten sich in eine Reihe. Gegenüber meines letzten Intersphere-Konzerts ist der Drummer in die vorderste Front aufgerückt und war auch das absolute Highlight des Abends. Unfassbar was der drauf hat. Der reinste Wahnsinn, wie der Lücken füllt und wie dynamisch er zu spielen imstande ist, dabei nie den Song aus den Augen verliert, ihn aber trotzdem jederzeit dominiert. Die weiteren drei Interspherler spielten Ihren Pop-Prog a la Biffy Clyro oder Muse gekonnt knackig einfach geil runter. Nachdem sie mich mit ihren lahmen Alben eigentlich nachhaltig enttäuscht haben, überrascht es mich erneut wie großartig die Songs auf der Bühne sind, wo sie die nötige Härte und die knackigen Kanten bekommen.

Dann betraten Karnivool die Fläche vor ihrem Riesen-Banner. Und stiegen auch prompt in eine düster-komplexe Mischung aus Prog-, Nu- und Industrial-Metal ein, auf die ich so nicht wirklich vorbereitet war. Ihre Auslegung des Wortes Progressiv legt nicht viel Wert auf schöne Klänge und brillante Frickelei, sondern eher auch die Konstruktion harter, düsterer und atonaler Langstücke. Sie kreieren dadurch das Gefühl von einer dunklen, verlassenen Industriestätte gemäß einer P.K. Dick-Dystopie. Über allem thront hingegen der feine, klare Gesang dieses langen Schlackses, der mit seinen ungelenken Tanzbewegungen lustig und irritierende zugleich gewirkt hat. Nach und nach fraß sich der Sound immer tiefer in die Gehirnwindungen und es besteht große Lust mir die bis dato unbekannten Alben nach zu ordern und mich noch tiefer in die Karnivoolsche Welt reinsaugen zu lassen.

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