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22.02.2013 Autor: joeren 1

Biffy Clyro: Hamburg - Große Freiheit 36 (20.02.2013)

Ausgemachte Pessimisten scheinen sie zu sein, die Booking-Mitarbeiter bei 14th Floor Records.
Die Konzerthallen sind klein, und die Deutschland-Tour innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.
Aber wer will denn meckern, die Große Freiheit bietet eine tolle Atmosphäre für Fans.
Auf den großen Bühnen wird man Biffy Clyro noch oft genug sehen können.

Nun denn, interessant ist heute der Blick durch die Publikumsreihen.
Viele eingefleischte Fans, aber auch einige Menschen, die die Band scheinbar erst kürzlich durch das Radio kennengelernt haben. Eben diese fragen sich offensichtlich, wo sie denn hier gelandet sind, als auf der Bühne die ersten Töne des Abends erklingen.
Die Frage ist keinesfalls der Orientierungslosigkeit auf Hamburgs Sündenmeile verschuldet, sie geht vielmehr auf das Konto der norwegischen Band Blood Command.
Die Vorband des Abends liefert garstigen Hardcore-Pop, und zwar mit einer noch viel garstigeren Frauenstimme. Gehören tut die der Leadsängerin Silje Tombre, die genau wie ihre Kollegen an Schlagzeug, Gitarre und Bass ein überzeugendes Set spielt. Das Publikum reagiert abwartend, der Beifall am Ende ist jedoch mehr als nur Anstandsapplaus. Blood Command haben neugierig gemacht.

Eine halbe Stunde später stehen Biffy Clyro auf der Bühne. Zum Start ihrer Deutschland-Tournee sehen sie frisch und erholt aus, die drei leicht bekleideten Schotten.
Simon Neil betonte schon mehrmals, wie sehr er das deutsche Publikum für seine Ehrlichkeit schätzt. An diesem Abend soll sein Kompliment eindrucksvoll bestätigt werden.
St. Pauli ist ein Malocherviertel, hier müssen sich auch Biffy Clyro die Anerkennung ihrer Betrachter erarbeiten.
Erst abwartend und distanziert nach dem Opener „Different People“ und dem folgenden „The Golden Rule“, steht Neil später nach „Many of Horror“ recht hilflos auf der Bühne. Den letzten Song will er ankündigen, doch das Publikum lässt ihn nicht zu Wort kommen. Stattdessen wird die Band minutenlang mit frenetischem Applaus gefeiert.
Was die Band in der Zwischenzeit veranstaltet, ist schwer zu beschreiben.
Das Trio entfaltet auf der Bühne eine Energie, die sich physisch spürbar über den ganzen Saal legt.
Jeder Song des Abends ist perfekt auf den Punkt gespielt. Die Darbietung mit einer solchen Hingabe und Professionalität, dass die Musiker keine Songs mehr spielen, sondern zu ihnen werden.
Neue Stücke wie „Modern Magic Formulia“ oder „Black Chandelier“ klingen schon jetzt live besser als auf Platte. Bei „The Captain“ und „God and Satan“ gröhlt und singt der ganze Laden mit.
Als die letzte Zugabe mit „Mountains“ endet, sieht man noch weitaus mehr erstaunte Gesichter, als am Anfang des Blood Command-Gigs.
Gesichter, die daran erinnert wurden, was für ein großartiges Erlebnis ein Konzert sein kann.

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Kommentare (1)

Avatar von OneFingerSalute OneFingerSalute 26.02.2013 | 17:36

Klingt sehr, sehr gut. Und macht mich ein bisschen traurig, dass ich keine Zeit habe, am Montag in Bremen hinzugehen.

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