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14.06.2012 Autor: caffeine 0

Pain Of Salvation: Leipzig - Parkbühne Geyserhaus (08.06.2012)

Dieses Konzert war weit entfernt vom durchgeplanten und -arrangierten Akustik-Radiokonzert, aus dem 12:5, das bisher einzige Akustik-Album der Band, entstanden ist. Pain of Salvation wollten bei ihrer "Special Acoustic Show" einfach raus auf die lauschige Parkbühne am Geyserhaus in Leipzig, einfach spielen, Spaß haben - und schauen was daraus wird oder werden könnte.

PoS hatten sich fein gemacht für diesen Abend, saßen drapiert auf unterschiedlich hohen Podesten auf der Bühne. Einige Songs waren kaum geprobt - weil sie spontan ins Programm aufgenommen worden waren. Andere hatten während jeder Probe anders geklungen - weil noch immer an ihnen gearbeitet wird. Ein "project in process" nannte Daniel Gildenlöw deshalb auch die akustische Umsetzung von Songs aus nahezu dem gesamten Backkatalog der Band.

Gildenlöw pflegt die Selbstironie und beherrscht das Herumreiten auf eigenen Fehlern meisterlich. Beides bringt Sympathie und Lacher. Und das irgendwie heimelige Gefühl von einer besonderen Verbindung zwischen Band und Publikum. Das Unperfekte des Abends machte den Charme aus. Da wurde auch mal ein Song abgebrochen, weil der Anfang verhunzt war oder weil Gildenlöw vergessen hatte, die Gitarre wieder hochzustimmen. Auch Gildenlöws (Kopf-)Stimme war unperfekt an diesem Abend. Chain Sling hatte ich während der regulären Tour von Pain of Salvation drei Monate zuvor besser gesungen gehört.

A propos: Mit Chain Sling und Second Love gab es zwei Nummern im Set, die bereits auf dem 12:5-Album akustisch zu hören waren. Auch keine Überraschung waren die genau wie bei der letzten Tour nacheinander gespielten Road Salt 2-Stücke 1979 und To The Shoreline, die schon in der Studio-Version halb-akustisch sind. Das waren also die Nummer-sicher-Songs im Programm. Das übrige Set bestand aus vielen Überraschungen und etlichen zuvor noch nie live gespielten Stücken. King of Loss vom Perfect Element-Album hatte Gildenlöw wohl besonders am Herzen gelegen - ein Song, mit dem er nie richtig fertig geworden sei. Ein starkes Stück in der Akustik-Bearbeitung. Der (Kirmes-)Walzer Sleeping Under The Stars, der zu meinen Lieblingen von Road Salt gehört, war wie geschaffen für diesen Abend.

Überraschend auch, wie stark (nämlich mit vier Titeln) das auf der letzten Tour kaum bedachte Scarsick-Album vertreten war. Die ironische Disco- und Abgeh-Nummer Disco Queen war sehr geschickt im Set platziert, um nicht zuviel leise Töne aufkommen zu lassen. Denn sehr leise wurde es bei Sisters. Das hochemotionale, stärkste Stück von Road Salt 1 erhielt in der umarrangierten Akustik-Version eine gehörige Dosis Melancholie. Nicht so ergreifend wie das Original, aber auch in dieser Version ein großartiger Song.

Als Gildenlöw das Publikum aufforderte, beim letzten Song des regulären Sets, No Way, aufzustehen, schnellte die Stimmung nach oben. Ich hätte gerne das komplette Programm im Stehen gesehen, denn die letzte halbe Stunde war - was Stimmung und Emotionalität angeht - grandios. Warum muss man bei Akustik-Konzerten immer sitzen? Der 25-minütige Zugaben-Block wurde eingeleitet von dem spontan auf Publikums-Wunsch gespielten Leonard Cohen-Cover Hallelujah, machte alle Fans mit dem Klassiker The Perfect Element glücklich und fand mit dem ganz frisch ins Repertoire aufgenommenen Lou Reed-Cover Perfect Day einen stimmungsvollen Abschluss. Denn das können PoS wirklich: das Publikum nach einer Show glücklich und zufrieden entlassen.

Vorband waren die Leipziger Dark Suns mit einem einstündigen Akustik-Set mit Stücken ihres Orange-Albums und auch alten Sachen aus Prog-Metal-Zeiten. Ein wunderbarer Seventies-Vibe durchzog die Songs, und Sänger Niko klingt live besser als auf den Studio-Aufnahmen. Tolle Vorstellung der Lokal Heroes.


Playlist mit Mitschnitten vom Konzert: Sleeping Under The Stars, King of Loss, Curiosity, Sisters, The Perfect Element, Perfect Day

Dark Suns

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