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03.05.2012 Autor: caffeine 0

Scott Kelly: Wiesbaden - Walhalla Spiegelsaal (26.04.2012)

Für dunkle Balladen, oft traurige, immer aber hoch emotionale Lieder über innere und äußere Konflikte hat Scott Kelly genau die richtige Stimme. Sehr tief, aber doch irgendwie warm. Eine Stimme, die im Inneren berührt. Zusammen mit seinem punktuierten Spiel auf der Akustikgitarre, die fast immer tiefer gestimmt ist, ergibt das ein Hörerlebnis, das Gänsehaut macht. Und feuchte Augen. Ich musste ab der Mitte des Sets mit den Tränen kämpfen, um nicht mitten im Konzert das Weinen anzufangen. Scott Kelly hat mich mit seinen Songs erschüttert.

Im wunderschönen Walhalla Spiegelsaal in Wiesbaden, ein barocker, hoher Raum mit bröckelnder Farbe an den Wänden, großen Spiegeln und einem mächtigen Kronleuchter, trat der Neurosis-Sänger mit seinem Akustik-Programm auf. Ein neues Solo-Album, das dritte, steht kurz vor der Öffentlichung. Und gerade erschienen ist sein zusammen mit Wino und Band-Kollege Steve von Till entstandenes Tribut-Album für den verstorbenen Singer/Songwriter Townes Van Zandt. Kelly, auf der Bühne ansonsten wortkarg, sprach über die Bedeutung Van Zandts für sich. Die Entdeckung von dessen Songs vor zehn Jahren habe seinen Blick aufs Songwriting komplett verändert. Denn Van Zandt erzähle von Menschen "in fucked up situations" mit großer Schönheit, sein Songwriting sei so "honest and pure". Kelly hat mich nicht nur mit seinen Songs bewegt, sondern auch damit, dass er zeigte, wie tief ihn die Lieder selbst berühren. Seine eigenen, sehr ehrlichen, die ihm viel bedeuten, und die Songs von Van Zandt, die ihn auch nach vielen Jahren mit jedem Mal spielen noch tiefer bewegen, wie er erzählte.

Zur Einstimming gab es zwei Support-Acts. Der eine nennt sich Black Ribbon und macht traurige Singer/Songwiter-Musik. Gute Stimme, aber auf Dauer sehr eintönig. Das weiß er wohl selbst, denn für einige Songs kam sein Freund auf die Bühne, um ihn mit sehr sauber gespielten Posaunenklängen zu unterstützen. Passte hervorragend zusammen. Eine deutliche Klasse besser war der zweite Support: Oldseed, ein in Deutschland lebender Kanadier. Wow, tolle Stimme, versiertes Gitarrenspiel und Songs, die viel Lebenserfahrung spiegeln. Auch er hatte Unterstützung von einem Freund, der ihn mit Akordeon, aber auch mal mit Piano begleitete. Hat mir außerordentlich gut gefallen.


Scott Kelly mit einem Song von Townes Van Zandt: St. John The Gambler
Scott Kelly live in Wiesbaden

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