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30.05.2011 Autor: Tommimono 0

Jupiter Jones: Darmstadt - Schloßgrabenfest 2011 (28.05.2011)

Die Masse machts.

Es rühmt sich selbst, dass größte Musikfestival Hessens zu sein - das Schloßgrabenfest in Darmstadt.
Was dies konkret bedeuten kann, erlebte ich letzten Samstag buchstäblich am eigenen Leib.
Ein ziemlich durchgewürfeltes Line-Up hatte mich unter anderem auf das Fest gezogen. Auletta aus Mainz machten bereits nachmittags den Anfang, gefolgt von The Rising Rocket, gegipfelt im Headliner Sunrise Avenue, nachgespielt von Jupiter Jones. Zu dieser Reihe lässt sich aus meinen persönlichen Klangerinnerungen Folgendes sagen:

Auletta, die Indie-Combo aus dem benachbarten Mainz, die ich mir auf Empfehlung eines Freundes ansah, überzeugte mich leider gar nicht. Was eventuell an dem Sänger Marke Röhrenjeans, Seitenscheitelfönfrise und Puck-die-Stubenfliege-Gedächtnisbrille lag, dessen Moderationen ihn, sagen wir einfach leicht arrogant wirken ließen; oder vielleicht an der Kombination aus sehr ähnlich klingenden, oft monotonen Songs und ziemlich belanglosen Texten. Das Zusammenspiel dieser Eindrücke ließ bei mir den Funken jedenfalls nicht überspringen. (Hörprobe hier clicken)

The Rising Rocket hingegen überraschte mich positiv. Gehört hatte ich von den vier Schwaben erstmals 2009, als sie den deutschlandweiten Soundwave-Wettbewerb eines großen internationalen Erfrischungsgetränkeherstellers gewannen und damit in die Kapellen-Profiliga aufstiegen.
Ich hörte heftig Franz Ferdinand heraus, auch Mando Diao klingelten maches Mal rein, insgesamt war es ein gepflegter Rock'n'Roll mit tanzbaren Beats. (Hörprobe hier clicken) Der Sänger war das genaue Gegenteil zum Vorgänger, in schnieker Krawatte-Weste-Tapete, sympathisch bescheiden und nicht zuletzt durch seinen schduddgadder Einschlag wirklich witzig. Leider firmierten die Jungs in vielen Programmen unter 'Sunrise Avenue & Support', sodass viele Fans wohl nur auf die Hauptband warteten und der Vorband keine wirkliche Chance gaben. Dafür schlugen die Rockets sich sehr respektabel, Daumen hoch dafür.

Dann kam die Stunde der Finnen. Doch zuvor leider auch die Fans. Innerhalb einer halben Stunde füllte sich zunächst das Gelände vor der Hauptbühne und dann das ganze Fest derart, dass der Veranstalter gezwungen war, fast 3 Stunden sämtliche Eingänge zu schließen, um eine Massenpanik zu vermeiden. Auch das gesamte Mobiltelefonnetz bracht stundenlang zusammen, als geschätzte 100.000 Menschen auf engstem Raum versuchten, ihre Freunde wiederzufinden. Ich verließ freiwillig meinen guten Platz vor der Bühne, bevor dort wie wild gequetscht und schrill geschrien wurde.
Es kostete eine halbe Stunde!, um sich 100 Meter nach hinten schieben zu lassen.

Schlag 20 Uhr betraten Sunrise Avenue dann die Bühne. Eine böse Zunge (nämlich meine) behauptet ja, die Herren würden ihren ersten Hit immer wieder neu aufnehmen, nur mit anderem Text. Tatsächlich wurden überraschenderweise im Laufe des 1,5 stündigen Auftritts viele Songs aufgepeppt, indem andere Cover-Melodien hineingespielt wurden. Von Van Halens 'Jump' über Jacksons 'Man in the Mirror' bis zu einem Reggae-Medley aus Charthits wie 'Granate', 'Pokerface' oder Klassikern wie 'No Woman No Cry'. Immer wieder dachte ich: "das kenn ich doch..." Vereinzelt ein wirklich lustiger Effekt, gehäuft jedoch irgendwie seltsam. Doch die große Show gefiel der Masse, die Stimmung aus etwas Entfernung passte und die Teenie-Mädels-Fraktion krisch und quiekte dankbar. (Hörprobe hier clicken)
Meine Sympathien hatte der Konzert-Keyboarder der Band - Osmo Ikonen. Wie dieser Mann hinter den Tasten die Bühne rockte, davon konnte der Rest noch Einiges lernen. Und als Solokünstler ist er seinen Arbeitsgebern sogar noch überlegen! (Hörprobe hier clicken)

Nachdem der Hauptakt von der Bühne war, lichteten sich die Reihen wieder etwas, die längere Umbaupause entzerrte die die Veranstaltung etwas und ich konnte mich wieder frei atmend nach Vorne durchschlängeln. Denn der eigentliche Geheimtipp und für mich die Mit-Abstand-Überraschungshelden des Abends kamen ja noch: Jupiter Jones.
Ungemein sympathische Hörspielfreunde aus der Eifel, die ungemein schöne, ideenreiche Musik machen, sie mit ungemein intelligenten deutschen Texten kombinieren und damit inzwischen verdienterweise ungemein erfolgreich werden und mich damit so ungemein gekriegt haben, dass ich ungemein oft mit dem Wort ungemein um mich werfe, um sie zu beschreiben. Empfehlung: Anschauen! (Hörprobe hier clicken)
Mein spezieller Favorit: Das beleuchtete Schlagzeug und der Song 'Berlin' - eine Hymne, mit der Sänger Nicholas Müller tatsächlich das Publikum zu einem Mitsing-Kanon animieren konnte und damit einen Gänsehautmoment U2esker Art erzeugte! (um noch ein absurdes Wort zu kreieren etwas zu umschreiben, was man nur erleben kann).
Mein Fazit: Durchhalten lohnt sich des Öfteren und der Gig ist erst vorbei, wenn die Konservenmusik angeht.

Fotos

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