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11.12.2010 Autor: Pennsocke 0

Matze Rossi: Schweinfurt - Rossmarktpassage (17.07.2010)

Als 1993 im unterfränkischen Schweinfurt das erste Honky Tonk Festival veranstaltet wurde, konnte noch keiner ahnen, welcher Stein damit ins Rollen gebracht worden war. Siebzehn Jahre nach dieser Premiere hat sich die Idee des Honky Tonk Festivals aus seiner unterfränkischen Heimat, in über 45 verschiedene Städten etabliert. Die Grund-Idee dieses Festivals ist ebenso simpel, wie genial: An einem Abend treten in den verschiedensten Lokalitäten wie Clubs, Bars, Restaurants oder Einkaufspassagen zeitgleich Künstler der verschiedensten Musikgenres auf und bilden so eine Vernetzung der gesamten Innenstadt.Dabei zahlt der Besucher an einem der vielen Veranstaltungsorte einmal Eintritt und erhält dafür ein Bändchen inklusive Legitimation, auch die anderen Lokalitäten zu besuchen.

Als das Schweinfurter Honky Tonk am vergangenen Samstag seinen 18. Geburtstag feierte, tummelten sich wieder allerhand Bands in der Innenstadt und sorgten bis in die frühen Morgenstunden für eine ausgiebige Stimmung. Einer von ihnen war der Schweinfurter Senore Matze Rossi, dessen Auftritt für 19:00 Uhr in der Roßmarktpassage angesetzt. Während Matze Rossi am besagten Abend gegen 18:40 Uhr in der Passage ankam, traf er aufgrund der unsicheren und noch recht regnerischen Wetterlage lediglich auf meine Freundin Eva und mich, sowie auf eine Hand voll Leute, welche mit dem Equipmentaufbau oder dem Getränkestand beschäftigt waren. Als Matze uns im Eingangsbereich eines geschlossenen Drogeriemarktes – dem einzigen überdachten Bereich – entdeckte, bedankte er sich erst einmal für unser Kommen. Während wir aufgrund des anhaltenden Nieselregen dem Abend recht skeptisch entgegen blickten, gab sich der Schweinfurter Sänger zuversichtlich und baute zusammen mit seinem Kumpel André in aller Ruhe den Merchandise-Stand auf. Nachdem er klaglos bei dem Versuch, eine Setlist für sein 2,5-Stunden-Set aufzustellen, scheiterte, beschloss er, auf der Bühne zu improvisieren und die Lieder spontan nach Gefühl auszuwählen.

Als Senore Matze Rossi gegen 19:15 Uhr seinen Auftritt mit dem Tagtraum-Lied „Analog am Stück“ eröffnete, war dem Regen wieder eine angenehme Wärme und der Leere der Passage eine recht überschaubare Menschenmenge gewichen. Und trotz der recht kleinen Menge, ließ sich der Schweinfurter Musiker nicht beirren, sondern spielte und sang ein jedes Lied mit so viel Gefühl , sodass er beim einen oder anderen schon den ersten Gänsehautschauer auslöste.
Doch Matze Rossi, wäre nicht Matze Rossi, wenn er nicht an geeigneter Stelle das ein oder andere erklärende Wort zu seinen Liedern gefunden hätte, wie er es zum Beispiel bei „Endlich in Farbe“ tat. So erfuhr der geneigte Zuhörer, dass es sich bei jenem Lied keinesfalls, wie vielleicht angenommen, um ein Liebeslied handelt, sondern um eine Hommage an seinen verstorbenen Großvater, der laut Matze viel zu seinem musikalischen Werdegang beigetragen hat.
Und so folgte ein Song dem nächsten, bis bei dem zweiten Lied seiner ehemaligen Band Tagtraum das geschah, vordem sich ein jeder Musiker fürchtet, der lediglich eine Gitarre dabei hat: Eine gerissene Saite! Doch Matze nahm es gelassen, bemerkte, dass er Gitarrensaiten mittlerweile innerhalb von wenigen Minuten wechseln könne und empfahl seinem Publikum, in der Zwischenzeit ein Bier zu kaufen. Und er behielt Recht: innerhalb von drei Minuten war der Gitarre eine neue Saite aufgezogen und wer wollte, der war mit Bier versorgt. Es sollte jedoch nicht bei diesem einen technischen Aussetzer bleiben – im Laufe des Abends folgte neben einer weiteren gerissenen Saite auch noch ein Problem mit dem Mikrofonkabel. Matze kommentierte die Szenerie nur mit einem „Man, man, man da ist ja der Wurm drin heute,wa?“ Doch bei einer Spielzeit von zweieinhalb Stunden fallen Kleinigkeiten wie diese unter den Tisch.

Im Laufe des Abends bekamen die Anwesenden einen Querschnitt von Matze Rossis gesamten Lieder-Repertoire, sowie zwei Cover-Songs und drei unveröffentlichten Stücken, die auf dem neuen Album, zu dem die Studioaufnahmen bereits begonnen haben, erscheinen sollen. Diese drei Stücke heißen "Ich werde mal ein guter Geist", "Lauf Schildkröte lauf" und "Das Mädchen, die Rettung der Welt und ich". Musikalisch lassen sie sich unweigerlich zu Matzes Stil zuordnen und textlich regen sie den geneigten Zuhörer – wie schon so oft – zum Nachdenken an. Während es in dem Lied „Ich werde mal ein guter Geist“ um die Auseinandersetzung mit dem Leben nach dem Tod geht, handelt das Lied „Lauf Schildkröte, lauf“ vom Spagat zwischen dem eigenen Selbstzweifel und Selbstbetrug.

Ein ganz besonderer Gänsehautmoment entstand am Ende des Konzertes mit dem dritten neuen Stück „Das Mädchen, die Rettung der Welt und ich“. Ein Lied, in dem Senore Matze Rossi beteuert, sich immer wieder gegen die Rettung der Welt und für jenes Mädchen zu entscheiden – ein Lied, dass er laut eigener Aussage schon vor 16 Jahren hätte schreiben müssen. Um genau zu sein: damals, als er seine heutige Ehefrau Sanne kennenlernte.
Als Abschluss folgte – für Konzerte eher untypisch – eine Coversion des Liedes „I follow you in the dark“ von der amerikanischen Band Death Cab for Cutie. Nach einem letzten Applaus verließ Matze Rossi die Bühne und begab sich im Anschluss zu seinem Kumpel André an den Merchandise-Stand, wo er sich hier und da auf ein Gespräch einließ. Auch meine Freundin Eva und ich ließen es uns nicht nehmen, uns noch einmal für den Abend zu bedanken – im Gegenzug bedankte sich Matze bei uns für unser Kommen und wünschte uns noch eine gute Heimreise.
Wir ließen die Roßmarktpassage hinter uns, machten uns auf den Weg Richtung Hauptbahnhof und waren uns in einem einig: Es sollte auf keinen Fall bei diesem einen Senore Matze Rossi-Konzert bleiben!

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Wer ist dieser Senore Matze Rossi eigentlich? Laut dem Internetportal LastFM ist Matze Rossi, wessen bürgerlicher Name Matthias Nürnberger lautet,ein Künstler, dessen Namen dem ein oder anderen ein Begriff sein sollte, der/die sich innerhalb der letzten 16 Jahre mit der deutschen Punk- und Indieszene auseinander gesetzt hat. Seit 1993 tourte er rund 13 Jahre lang mit seinen Freunden in der Band Tagtraum durch ganz Europa und entwickelte über die Jahre hinweg seine ganz eigene Art des Songwriting: Seine Texte erzählen vom täglichen Leben und den Gedankengängen, die es mit sich bringt. Dabei wirken sie keineswegs balladesk oder weinerlich, sondern so authetisch, dass sich der Zuhörer unweigerlich mit ihnen identifizieren kann.
Nachdem sich Tagtraum nach fünf eingespielten Studioalben, sowie eine Live DVD und über 500 absolvierten Konzerte auflösten, ließ sich Matze nicht vom Musikmachen abhalten und so nahm innerhalb der letzten sechs Jahre seine drei Solo-Alben „Solo(w) Boy, So-Low“ (2004), „Und wann kommst du aus deinem Versteck?“ (2006) und „...Und wie geht es deinen Dämonen?“ (Februar 2008) auf. Auf der Bühne ist er mal alleine mit Gitarre und Mundharmonika, mal mit seiner Begleitband Gaston präsent – doch eines bleibt dabei immer gleich: Matze Rossis unvergleichbare warme Stimme, mit der er ein ganzes Publikum in seinen Bann ziehen kann.


Eine Kostprobe von Matzes Musik gibt es auf:
http://www.myspace.com/senorematzerossi

Fotos

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