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08.11.2010 Autor: akkordarbeiter 0

The Gaslight Anthem: Berlin - C-Halle (05.11.2010)

Auf der nach oben offenen Hype-Skala werden sie momentan wahrscheinlich nur noch von Arcade Fire übertroffen: The Gaslight Anthem. Vergleicht man die Hallenkapazitäten mit jenen der letzten Deutschland-Tour Anfang 2009 wird die Tendenz mehr als bestätigt. Während sie 2009 im KATO spielten, ist eineinhalb Jahre später selbst das Astra zu klein geworden, sodass man als Fan mit der mehr als doppelt so großen C-Halle vorliebnehmen muss. Und da mag die Wir-gehen-nur-auf-Konzerte-mit-weniger-als-500-Zuschauern-Fraktion noch so mäkeln: Diese Hallengröße ist angemessen und bedeutet definitiv nicht automatisch ein schlechtes Konzert. Punkt.

Etwas überraschend läutet den Abend eine Band ein, die nicht alle auf dem Zettel hatten, schließlich waren lange “nur” drei Acts im Line-Up gelistet. The Riot Before füllen aber auf, unter anderem weil SHARKS es sich nicht nehmen lassen, um 18.00 Uhr noch im Ramones Museum aufzutreten. Dem Feierabendverkehr sei Dank kann man dann schlecht um 19.30 Uhr am Columbiadamm auf der Bühne stehen.

Am Ende wird ja alles gut, The Riot Before machen eine halbe Stunde lang ordentlich Dampf und recht gute Werbung für ihren Gig im Lovelite am nächsten Tag und SHARKS kommen auch zu ihrem Auftritt. Musikalisch gar nicht weit weg vom Headliner des Abends, aber gesanglich erst ungewohnt, mit zunehmender Heiserkeit des Sängers erträglicher. Als Chuck Ragan die Bühne betritt, wird er headliner-würdig aus dem gut gefüllten Innenraum begrüßt. Er revanchiert sich mit einem Klasse-Set, das er mit Unterstützung von Jon Gaunt an der Geige auf die Bühne bringt. Die perfekte Vorbereitung auf den Triumphzug, der bevorsteht.

Denn als The Gaslight Anthem aus New Jersey die Bühne betreten gibt es nicht nur mächtig Bewegung im Publikum, sondern auch weit mehr als eineinhalb Stunden Hits von allen drei Alben und der 2008er EP. Hier ein Zitat aus dem Motown-Klassiker What Becomes Of The Broken Hearted, dort eine Strophe Stand By Me – die Anleihen sind die gleichen, die man aus den Aufnahmen der letzten Tourneen kennt, und die Songs noch tighter.

Verflogen die Sorgen um die latente Lässigkeit des Lead-Gitarristen, die auch schon dazu führte, dass man Soli und Lead-Lines gar nicht mehr wiedererkannte. Fallons Stimme bricht auch nicht bei den Höhen weg, wie noch Mitte dieses Jahres mehrmals zu hören war. Stattdessen gibt es eine Rock-Show auf ausdauernd energischem Niveau, das die Meute ausgepowert aber glücklich zurücklässt. Dass die Intimität einer Club-Show gar nicht aufkommen kann, liegt an den Dimensionen, die The Gaslight Anthem erreicht haben. Ganz bescheiden gibt sich Fallon, als er betont, dass sie solche Abende nur den Leuten zu verdanken hätten, die auf ihre Konzerte kommen. Nun, es mag auch nicht geschadet haben, dass die Band Bruce Springsteen zu ihren größten Unterstützern zählen kann und mit The ’59 Sound ganz nebenbei eines der besten Rock-Alben der letzten Jahre veröffentlicht hat.

Links zur Setlist, zu weiteren Reviews und ein paar Videos vom Konzert findet ihr hier.

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