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31.03.2010 Autor: akkordarbeiter 0

Blood Red Shoes: Berlin - Maria (21.03.2010)

Anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Albums Fire Like This touren die Blood Red Shoes gerade wieder halb Europa in Grund und Boden. Kürzlich waren sie im Berliner Club Maria zu Gast.

Im Gepäck hatten sie Pulled Apart By Horses aus Leeds (nicht zu verwechseln mit dem Thom Yorke Song Feeling pulled apart by horses!), die wohl kein einziges ihrer Riffs und keine einzige ihrer Screamo-Posen ernst meinen. Es daurt aber zumindest ein Weilchen bis das klar wird, so ungefähr bis sie “We’re so Metal!” auf einen Ska-Beat kreischen. Wenn die vier Witzbolde noch ein bisschen an ihrer Tightness arbeiten, dürfen sie auch noch mal wiederkommen, schließlich haben sie ein paar essenzielle Wahrheiten durchaus erkannt: “Romance is the key. Always use a condom.” Right, thanks.

Später wird Gitarristin Laura-Mary Carter feststellen, dass sie gerne so herumspringen würde, wie diese Typen, dafür aber overdressed sei. Und in der Tat gibt sie in ihrem schicken schwarzen Kleidchen mit durchsichtigen Ärmeln den Gegenpart zu Drummer Steven Ansell ab, der aussieht, als wäre er auf dem Weg in den Proberaum auf die Bühne gestolpert. Es ist der allgemeinen Stimmung absolut zuträglich, dass Carter, die anfangs mit beinah gelangweilter Miene im Ventilator-Luftstrom stehend eine aparte Figur abgibt, im Laufe des Konzerts ihr Lächeln und ein paar nette Worte findet, auch wenn die beiden alles in allem relativ wortkarg bleiben und ihre Songs sprechen lassen.

Wer schon an dritter Stelle im Set einen Hit wie I wish I was someone better bringen kann, um den muss man sich eh keine Sorgen machen, wenn man das Songmaterial betrachtet. Eine Stunde lang spielen sie sich quer durch ihre beiden Alben. Das zahlreich erschienene Publikum dankt es mit tanzenden Leibern, Mitklatschen und Applaus. Als es zur Zugabe zurück auf die Bühne geht, merkt man auch den beiden auf der Bühne an, dass sie eigentlich lieber einfach weiter gespielt hätten, anstatt dieses Ritual der curtain calls durchzuziehen.

Aber so viel Anpassung ist dann doch da, mit der sie früher oder später auch im Radio-Mainstream landen werden, dem unglaublichen Pop-Appeal sei Dank, der selbst den eher melancholischen Songs anhaftet. Zu gut passen die klare hohe und die etwas rotzige Stimme zusammen. Zu perfekt verkörpern die beiden das richtige Maß von Punk und Pop, von Tanzbarkeit und gutem Geschmack. Aber bis dahin wird erst mal Europa in Grund und Boden getourt.

Eindrücke von den Blood Red Shoes auf Tour gibt es im ersten Teil des Video-Tourtagebuchs: TOURIFIED #1. Wenn ihr euch die Support-Band mal zu Gemüte führen wollt: Hier gibt es gegen Preisgabe eurer E-Mail-Adresse den Song Get Off My Ghost Train zum kostenlosen Download.

Weitere Reviews:
- bei voranvoran
- im Berliner Tagesspiegel

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