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23.10.2009 Autor: wilson4ever 0

Frank Turner: Nottingham - Rock City (18.10.2009)

Zugegeben, Frank Turner gibt einem nie das Gefühl, ungern auf der Bühne zu stehen. Weder bei seiner Tätigkeit als Frontsau der international sträflich übersehenen Million Dead als auch jetzt bei seinen Solo-Gigs.

Nur mischt sich an diesem Sonntag Abend ein wenig Unglaube mit in die Mimik des Mannes aus Winchester, während er mit seiner Band durch den Opener "Live Fast Die Old" jagt und dabei den Eindruck festigt, den man auch auf seinem aktuelles Album bekommt: Als hätten The Hold Steady und Billy Bragg die Klassenbesten eines gemeinsamen SongwriterPubRock'n'Roll-Workshops losgelassen und würden jetzt, glücklich schluchzend, ihre Pints leerend & stolz auf das Erreichte neben der Bühne stehen.

Frank hat ein volles Haus vor sich, komplett ausverkauft. Nottinghams größter Live-Club ist von ganz hinten auf der Empore bis vorne hin zur Bühne gefüllt. Und Frank ist beeindruckt. Bis zu diesem MOment hat er noch nie vor mehr Menschen ein Solo-Konzert gegeben.

Dass trotzdem eine wohlige als auch wilde Mitgröhl-Stimmung aufkommt wie bei seinen besten Pub-Gigs liegt an der herzlich positiven Stimmung auf der Bühne (inklusive "Happy Birthday" für den Soundmann plus der Ankündigung "We will ruin your life tonight" seitens Turner) als auch der Textsicherheit und Hingabe der Fans.

Dass deren Zahl so dermaßen rasant gestiegen ist, liegt nicht nur an der Offenheit und Bereitschaft Turners, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und Geschichten zu erzählen, die so wohl jeder einmal sonntagmorgens am Ende einer viel zu langen Nacht erlebt haben dürfte. Er zeigt den Mut zum klaren Standpunkt, den andere Künstler hinter verschwurbelten Plattitüden und nichtssagendem Nonsense verbergen. Und wirkt dabei nicht einmal verbissen politisch oder zwanghaft aktivistisch, sondern schlicht und einfach ehrlich.

So wird sein 'enraged acoustic solo' im kämpferischen "Sons of Liberty" genau so abgefeiert wie die Hommage "Long Live The Queen", wobei hier die doch sehr persönliche und melancholische Grundstimmung des Songs nicht so ganz zu den ausgelassenen, sich umarmenden und mitsingenden Fans passen will.

Letztendlich überwiegt dann doch die Menge an Songs, die ohne Vorbehalte mitgesungen werden können, so als wäre das stattliche Venue in der Talbot Street nichts weiter als ein gigantisches Pub in freundschaftlich-wilder Atmosphäre, das mal wieder Besuch von einem ihrer Lieblings-Acts bekommt. Nur dass dieses Mal niemand "Fuck off and never come back!" schreit, so wie beim ersten Mal, als er noch mit Million Dead als Pitchshifter-Support in Rock City gastierte.

Nur eine von mehreren Anekdoten, mit dem Turner die Menge zwischen den Songs unterhält. Er ist ein Entertainer ohne große Scheu, gleichzeitig gibt er den Leuten niemals das Gefühl, anders zu sein als sie selbst oder gar den Rockstar raushängen zu lassen. Damit bestätigt er nur das, was er singt, so zum Beispiel in "Try This At Home", dem zweiten Song seines nunmehr dritten Albums "Poetry of the Deed": There is no such things as rockstars/There are just people who play music/And some of them are just like us/and some of them are dicks!

Direkt nach dem Gig ist es etwas schwierig, sich Turner wieder im Rahmen eines kleinen Kneipenkonzerts vorzustellen. Letztendlich hat man aber an diesem Abend nichts anderes erlebt: Angenehme Atmosphäre, fröhliche Gesichter vor und auf der Bühne, berührende , unterhaltende und aufrüttelnde Musik eines großen, kleinen Mannes. Ein Grund, sich auf die anstehende Deutschland-Tournee zu freuen. Genießen wir Turner in viel zu kleinem Rahmen, so lange wir es noch können.

Fotos

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