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26.08.2007 Autor: keksen 0

Arcade Fire: Köln - Palladium (Support: Herman Düne) (22.08.2007)

Somewhere beyond the rainbow... || Ach, wie schön! Die Hinfahrt beginnt – mit einem Regenbogen! So Richtung Schwerte. Am Ende des Bogens müsste ja dann eigentlich das Konzert stattfinden, weil doch ein Topf voll Gold genau dort liegen soll (erzählt man zumindest in Irland) – und einen Arcade Fire-Auftritt mit purem Gold zu vergleichen, halte ich für durchaus legitim. Kostbar (obgleich sogar bezahlbar!), funkelnd und ein wahrer Schatz. Definitiv kein Schatz und nicht wirklich eine Entdeckung wert ist der Typ mit seinen CDs der eigenen Band – gegen kleine Spende zu haben. „Ach, du kennst das schon.“ – Ja, genau, letztens vorm E-Werk gab’s ’ne ähnliche Begegnung...
Sei’s drum. Palladium! Die Wegführung vom Toiletten-/Garderobenbereich zurück zur Halle war mir nicht auf den ersten (weil stets verpeilten) Blick einsichtig, aber ich wurde höflichst darauf hingewiesen, dass es nicht da raus geht, woher man gekommen ist. Muss man halt auch wissen. Bei vielen Musikfreunden ist diese Konzertstätte scheinbar nicht sehr beliebt. Für mich war’s das erste Mal, und ich würd auch wiederkommen! Echt gute Lüftung, hab kaum geschwitzt trotz Tanzbedürfnis, doch das war auch arg einzuschränken (es war eng, völlig ohne kuschelig). Ich bin ja prinzipiell eher anspruchslos und leicht zu begeistern, und das schafft bereits die Bühne, in blaues Licht getaucht, mit Akzenten in Pink. Und hey! da steht tatsächlich eine Orgel! Ehrfurcht einflößend große Pfeifen (nicht die, die vor mir stehen…). --- Zwei Bärtige und ein Schlagzeuger || Diese Beschreibung (plus Karohemden) passt auch zu der Band, die ich auf der Hinfahrt gehört habe. Direkt schon mal fette Pluspunkte! Und Herman Düne selbst: Toll! Wirklich schön! Folk Pop Country Americana – zumindest stelle ich mir unter einem solchen Stilmix genau diese Musik vor. Teilweise unterstützt durch ein paar Blechbläser, passt gut. Stimmlich hatte ich folgende Assoziation im Kopf: Treffen sich Les Claypool von Primus und Neil Young zum Frühstück… oder auch Brunch. Lustig: „eins zwei drei äpfelsomething...“ (oder so ähnlich) – die nahezu perfekte Titelübersetzung von 1-2-3-Apple-Tree. Das nach dem Auftritt des Supports geradezu grelle Saallicht blendet übel und reißt einen total aus der schönen Stimmung heraus. Na super. Licht für die Roadies ist unumgänglich, aber den Übergang kann man auch ein bisschen einfühlsamer gestalten… Doch was stört’s uns, sind ja alle eher gut drauf. Es riecht nach frisch gezapftem Bier und geduschten Menschen. (Zum Reimen reicht nur ‚Rätsel’ – Gib mir Bier und Brezel!) --- Und schon folgt der nächste „click of the light“... || Als dann erneut das Saallicht gelöscht wird, ertönt Jubel, und Euphorie fegt durch die Reihen. Trotz des bei vielen zu bemerkenden Stockes im Ar… (oder hab ich schon wieder in der falschen Ecke gestanden?), könnte man fast von Ekstase sprechen. Zum Auftakt wird eine hektisch wie ein Tiger im Käfig hin und her laufende Dame eingespielt, die irgendwas erzählt, das ich natürlich nicht verstehe und wohl auch nicht unbedingt verstehen muss. Man kann die Einspielung über die aufgestellten Tafeln sehen, Quadrate mit einem weißen Kreis, deren Zweck ich vorher also schon richtig eingeschätzt hatte (also, für Projektionen gedacht, war meine Vermutung gewesen). Von dem anfänglichen kühlen Blau zur Einstimmung bleibt kaum was übrig. Ein expressives Rot dominiert die Bühne – und immer wieder die Neon Bible, die man vom Cover des Albums kennt. Dieses religionsmäßige Brimborium ist natürlich nicht ernst gemeint, und fragt mich einer, „wie hast du’s mit der Religion?“, halt ich mich da eher zurück, aber von der Neon Bible-Show lass ich mich ganz gern mal unterhalten. Sage ich mir und blende jegliche Religionsassoziationen aus. Dass die Musik phantastisch, atemberaubend, ergreifend, mitreißend, strahlend und alles, was gut ist, ist, brauch ich wahrscheinlich nicht zu erwähnen. Verstärkt wird die fabelhafte Atmosphäre durch eine stimmungsvolle (was ein bescheuertes Wort... gut, hab ich das auch mal verwendet) Lichtdramaturgie (ok, JETZT ist aber langsam gut...) und weitere Videoprojektionen, die ebenfalls im Bühnenhintergrund zu sehen sind. Die Gestalt eines Mädchens erinnert mich an ein rotes Ampelmännchen, das zu laufen gelernt hat und nun des Wanderns nicht müde wird... hach! An den Mikrophonen sind kleine Kameras befestigt, die die Musiker teilweise sehr unvorteilhaft zeigen. Besonders übel wirkt die verschwitzte Stirn von Win Butler, auf der ein bizarrer Sweat Mirror entsteht – zumindest sieht es über die Einspielungen so aus…
Scheinen echt viele Menschen auf der Bühne zu stehen – ich kann ja kaum was erkennen (gute Sicht sieht anders aus). So kann ich nur ahnen, was geht, aber ich will auch nicht meckern. Ich war ja auch nur schlecht zu sehen, war ja für die Band genauso doof. Machste nix! Trotzdem gab’s am Ende Lob von Win Butler, der etwas von „amazing audience“ erzählte. Aber da hatte er das Mitsingen zur Zugabe noch nicht erlebt. Mehr so nüchterne Südtribünengesänge... hm. Die oben erwähnte Ekstase fand letztlich doch noch Wege, um sich der Anwesenden zu bemächtigen. Wer so in meiner nächsten Nähe stand, sogar die steifsten Steifftiere vor und hinter und neben mir, tanzte schließlich, weil es anders einfach gar nicht ging! Schöne Sache, das. Rempeln auch mal die anderen und nicht immer nur ich. Bleibt nur eines zu sagen: Ich bin schwer beeindruckt, und schöner erfinden, könnte man ein solches Konzert wohl kaum!

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