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20.06.2007 Autor: memorylane 0

Bright Eyes: Wiesbaden - Schlachthof Wiesbaden (19.06.2007)

Conor Oberst und seine Bright Eyes (Nate Walcott,Mike Mogis) haben es wieder einmal getan. Sie nahmen den Schlachthof Wiesbaden ein und das auch sehr gerne, wie Oberst selbst später von der Bühne verlauten ließ.
Er und seine gefühlten 10 Mitmusikanten spielten an diesem, mit sommerlichen Temperaturen gut bestückten Dienstagabend (19.06.07), ein wahnsinniges Set zusammen.
Atemberaubend trifft es, nicht bloß aufgrund der tropischen Schwüle im Saal, auch nur annähernd.
Die Set List war ein Traum für jeden Liebhaber dieser munteren Musikantenansammlung.
"Cassadaga", der neuste Geniestreich der Mannen aus Omaha (Nebraska), wird zwar nicht von vorne bis hinten durchgespielt, wie es noch vor fast genau 2 Jahren im Schlachthof Wiesbaden zu "Digital Ash..." Zeiten üblich war, doch erwartete den, mitunter energisch tanzenden Zuschauer/-hörer ein gelungenes Potpuori.
Besagtes "Digital Ash IN A Digital Urn", als auch der Jahreszwilling "I'm Wide Awake It's Morning" werden mit passenden Stücken dazwischen gestreut.
Herausragend war da beispielsweise die durchweg gelungene und tanzbare (!), weil flottere Version des ansonsten eher herzerweichenden "First Day Of My Life".
Wer zuvor noch keinen Freund/Verwandten/Bekannten angerufen hatte, um ihn wenigstens durch die Ferne an diesem Spektakel teilhaben zu lassen, der tat dies spätestens dann.
2 brilliante Frauen trommelten sich die Seele an diesem Abend aus dem Leib, Mogis brillierte wie gewohnt mit Können und seiner unglaublichen,ihm wohl angeborenen Ruhe und Walcot rauchte dieses Mal nicht wie ein Schlot (eigentlich rauchte wirklich NIEMAND auf dieser Bühne). Die Streicher komplettierten dann noch das Gesamtbild, das mit einem bewusst lockeren, fröhlichen und recht kontaktfreudigem Frontmann noch reizender wirkte. Man wollte am liebsten alle mit nach Hause nehmen und ihnen einen Tee anbieten. Dass Oberst seine besungenen Ballast los geworden ist und seinen Frieden gefunden hat ("I buried my ballast, I made my peace...",Four Winds) mochte man ihm auf der Platte noch nicht so recht abkaufen, doch ein, nicht durch Alkohol, angeheiterter und munterer Conor, der noch dazu gesünder aussieht denn je, straft alle Ungläubigen Lügen.
Der gewählte weiße Dresscode der gesamten Truppe kleidete nicht nur ungemein, er schien die Losgelöstheit und Lockerheit aller Musiker hervorragend zu unterstreichen.Es gelang hier wirklich nicht bloß ein Ohren- sondern zugleich auch ein Augenschmauß.
Keine drohenden Alkoholleichen oder lautstarke Anweisungen an den Lichttechniker, wie noch vor 2 Jahren am selben Ort zur fast gleichen Zeit (01.07.05, Oberst: "Turn those fucking lights out!!".
Stattdessen sah man Musiker, die sichtlich Spaß an der Sache haben, einen Conor Oberst, der mehr als gesund aussah und klang ("I feel like a boxer right now!", als Oberst mit Handtuch um die Schultern am Keyboard Platz nahm) und ein mehr als zufriedenes Publikum.
Den Handkuss, den der verschwitzte Sänger am Ende noch der Menge zuwarf, war mehr als berechtigt, doch bleibt mit Sicherheit zu sagen, dass eben dieser hundertfach auf ihn zurückgekommen wäre, wenn das Publikum bloß die Chance dazu gehabt hätte.
Ein rundum gelungener Konzertabend ging so zu Ende mit der Hoffnung, dass Oberst vielleicht irgendwann gar nicht mehr die Augen verschließt, wenn er auf der Bühne das tut, wozu er offensichtlich geboren wurde.
Andererseits ist es wohl gerade das, was seinen immensen Charme auf der Bühne ausmacht und was trotz hunderter Besucher und 10-13 Musikern auf der Bühne eine unglaubliche Intimität schafft.
Auf jeden Fall bleibt zu hoffen, dass er wirklich seinen Frieden gemacht hat und wir noch viele weitere Konzerte dieser Art von und mit den Herren von Bright Eyes verbringen dürfen.

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