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18.04.2007 Autor: keksen 0

Arcade Fire: Palladium (Köln), 1. April 2007 (...) - (01.04.2007)

Between the start of the dream and the click of the light || Nachdem das Konzert bereits von der Live Music Hall ins Kölner Palladium verlegt wurde, ändert sich der Veranstaltungsort erneut. Als fröhlicher Laternenzug – ein Chor aus Band und Fans, Lieder von Bruce Springsteen und Sonic Youth singend – bewegen wir uns zu einer nahe gelegenen Kirche, die wahrscheinlich noch niemandem vorher aufgefallen ist. Im Inneren überraschen uns ein Kerzenmeer und der Duft von Orangenblüten. Statt der Bänke laden orientalisch bestickte Sitzkissen auf den dunklen Steinfliesen zu einem längeren Verweilen ein. Vor dem Altar wartet eine silberne Harfe auf Joanna Newsom, die gemeinsam mit Adam Green irische Volksweisen darbietet und das Publikum verzückt. Die Harfensaiten schwingen noch, als ein allmählich anschwellendes Raunen den Raum flutet. Win Butler spielt die Kirchenorgel, ein kanadisches Kinderlied. Régine Chassagnes Stimme wird hörbar. Eine Geige, ein Tamburin, sphärisches Xylophon – aus jedem Winkel ertönt ein anderer Klang. Verzaubert und glückselig vergessen die Zuhörer zu applaudieren, und jeder fragt sich, ob der Butler gerade eben wirklich von der Empore herabgeschwebt ist oder uns die kollektive Einbildung nur einen beeindruckenden Streich gespielt hat. Ist das Lied vom Debut-Album oder ein alter deutscher Schlager? Seit wann klingt „Black Mirror“ wie russische Folklore? Die Band spielt, als bestünde die Welt nur aus Musik, die die Anwesenden zum Atmen brauchen. Viel zu früh verhallt der letzte Ton, und berauscht verlassen wir den Sakralbau. Mit bunten Federn in den Haaren, Frühlingsblüten in der Hand und klirrenden Glöckchen an den Füßen stolpern wir auf die Straße. Ein farbiges Leuchten umfängt unsere Gruppe. Wir grinsen auf das dämlichste und gelangen sicher zurück zum Palladium. Auf der Bühne sind soeben die Scheinwerfer erloschen, und die grelle Rausschmeißerbeleuchtung blendet. Wir blinzeln und stellen verwundert fest, daß wir klatschen. Im Haar des Mädchens vor mir entdecke ich eine blaue Feder, und – da vorne! Ich könnte schwören, daß da eine Kirche steht, doch man sieht nur einen zerrockten Edeka. Ein leises Klirren folgt mir auf meinem Heimweg, und ich summe ein Lied, das ich noch nie zuvor gehört habe.

(Das Konzert wurde aus Krankheitsgründen abgesagt, Anm. d. Verf.)

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