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15.03.2005 Autor: blue_eyes 0

Bright Eyes: Hamburg - (24.02.2005)

Mein erstes Konzert 2005 und dann gleich so eins. Ich kann ganz klar behaupten, dass dieses Konzert alle bisherigen von mir besuchten in den Schatten stellt und höchstwahrscheinlich noch viele in den Schatten stellen wird. Aber der Reihe nach:
Als Rilo Kiley, heute Support für Bright Eyes und ehemals ebenfalls bei „Saddle Creek“ zu Hause, mit nur wenigen Minuten Verspätung auf die Bühne kommen, ist die Fabrik schon gut gefüllt. Und die folgenden ca. 45 Minuten werden grandios. Neben der Mischung aus Folk und rockigem Pop überzeugt vor allem Sängerin Jenny Lewis. Eine so wundervolle Stimme, so verliebt wie an diesem Abend werde ich wohl nie wieder in meinem Leben sein. Und als sie dann auch noch anfängt Mundharmonika zu spielen und ihr Bier zu trinken, da ist es dann vollkommen um mich geschehen.
Viel zu schnell sind Rilo Kiley mit ihrem Set durch und die Umbaupause beginnt. Immer noch verliebt, warte ich in Gedanken versunken darauf (diese Stimme, oh Gott), dass Conor und seine Band die Bühne betreten. Um 22:36 Uhr ist es dann soweit: Bright Eyes kommen on stage.
Conor Oberst eröffnet das Konzert mit „At The Bottom Of Everything“, dem Opener von „I’m Wide Awake, It’s Morning“, darauf folgt „We Are Nowhere And It’s Now“. Bright Eyes spielen grandios. Und Conor leidet, singt, ist gut drauf und vor allem eins: cool. Er pariert Zwischenrufe und ist lustig. Beispiel:
Ruf aus dem Publikum: Cool music!
Conor winkt leicht ab, trinkt sein Wasser aus und sagt: Fuck music – that is what I say.
Es ist sein Abend. Und unser. Dann steht Conor alleine auf der Bühne und singt „Lua“, bei ihm nur seine Gitarre – mein persönlicher Höhepunkt des Abends. Bright Eyes spielen viele neue Songs, das ist aber auch egal, schließlich sind ausnahmslos alle Lieder schön – und welcher Musiker kann das schon von sich behaupten? Nur sehr, sehr wenige.
Irgendwann kurz vor Mitternacht gehen Bright Eyes von der Bühne und erst nach endlosen Klatschen lassen sie sich zu einer Zugabe erweichen. Den krönenden Abschluss des wohl wundervollsten Abends meines Lebens bildet dann „Road To Joy“.
Die Lichter gehen an und ich bin kurz davor zu heulen, aber so richtig. Stattdessen mache ich mich auf den Weg nach Hause. Nette Anekdote zum Schluss:
Am Hauptbahnhof steigt ein arbeitsloser Alkoholiker aus Berlin (aus Berlin!) in die S-Bahn und fragt mich, ob es hier nach Ohlsdorf ginge.
Ich sage, keine Ahnung, die fährt bis Berliner Tor. Aber vielleicht können sie von dort irgendwie nach Ohlsdorf, ich kenne mich da nicht wirklich aus.
Wärst du in der Berlin, hätte ich dir auch geholfen, ist ja klar, antwortet er und sieht mein Unwissen anscheinend als Einladung mir ein Teil seiner Lebensgeschichte zu erzählen:
Meistens führe er schwarz, er habe ja kein Geld und das, was er denn mal habe, das brauche er für seine Pokerrunde am Wochenende. Manchmal stehle er dann auch mal was im Laden, aber meistens bleibe es dann doch beim Schwarzfahren. Außerdem solle man am Nachmittag eher nicht schwarzfahren, da sie da ja immer kontrollieren täten.
Ja, ähm… zum Glück klingelt mein Handy und aussteigen muss ich auch noch. Puh. Das aber – wie gesagt – nur am Rande.
Ein wundervoller Abend, in erster Linie wegen Bright Eyes, aber auch wegen Rilo Kiley. Ein Abend voller Gefühle und Schönheit, wie man ihn vielleicht nur einmal im Leben erlebt, wenn überhaupt.

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