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28.02.2005 Autor: THEPENGUIN 0

Bright Eyes: Bielefeld - Ringlokschuppen (25.02.2005)

Äußerst gespannt war ich auf das Bright Eyes Konzert im Bielefelder Ringlokschuppen. Das vorletzte Album "Lifted..." ist für mich schon jetzt ein moderner Klassiker, und das neue Werk "I'm wide awake, it's morning" steht dem kaum (wenn überhaupt) nach. Material vom gleichzeitig erschienenen "Digital Ash in a digital urn" stand diesmal nicht auf dem Programm.

Aber wie würde diese Musik live rüberkommen? Band-Kopf Conor Oberst ist weithin als sensibler und empfindlicher Musiker bekannt, der bei Unzufriedenheit auch schon mal Auftritte abbricht.

Dazu sollte es diesmal nicht kommen. Aber zuerst leistete sich der Ringlokschuppen eine Todsünde: auf den Tickets war als Anfangszeit 20.30 Uhr aufgedruckt. Die hervorragende Vorband Rilo Kiley spielte dummerweise schon von 19:45 Uhr bis 20:35 Uhr und wurde so von zahlreichen Besuchern verpasst. Äußerst schade, da der Auftritt wirklich gut war.

Shame on the Ringlokschuppen! Aber klar , bei der anschliessenden Disko muss ja Geld verdient werden, deshalb wird der Support so früh wie möglich auf die Bühne gejagt.

Dann die Bright Eyes. Die ersten Songs entsprechen den Openern des aktuellen Albums. Der Sound könnte etwas besser sein, bei den lauteren Parts, die von allen 8 Musikern gleichzeitig gespielt werden, wird es doch arg schrill.

Conor sieht schlecht aus. Sehr blass. Stetiges Husten nach jedem Song deutet auf eine Erkältung hin. Er wirkt angestengt, keine Lächeln kommt über seine Lippen. Er legt viel Wut in die lauteren Gesangsparts. Ansonsten ist sein Gitarrenspiel, ebenso wie die Begleitung der Band voll auf der Höhe.

Das ostwestfälische Publikum ist eher gelangweilt und unbeteiligt. Nur selten nickt mal ein Kopf mit, wippen mal Schultern. Sehr schade, trotz der hoch-emotionalen Songs springt kein Funke zwischen Band und Publikum über.

Conor vermag nichts daran zu ändern. Etwas wohler scheint er sich zu fühlen, wenn er allein mit der Akustischen auf der Bühne steht und ganz in seinen Songs versinken kann, ohne auf die Band eingehen zu müssen.

Das erste Lächeln ud Lachen von ihm sieht man erst beim vorletzten Song der Zugabe.

Musikalisch ganz klar ein tolles Konzert einer tollen Band und eines unzweifelhaften grossen Musikers.

Conor Oberst kann man nach dem Konzert nur aus vollstem Herzen wünschen, seine Dämonen irgendwann zu besiegen und eine innere Ausgeglichenheit zu erlangen, dies es ihm ermöglicht, seine wundervollen Songs mit Genuss, statt mit Qualen zu singen.

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