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01.07.2004 Autor: NACTIVEP 0

Pixies: Berlin - Kindlbühne Wuhlheide (29.06.2004)

"Sie sind zu faul zum Laufen? Wir fahren Sie zur Kindlbühne! Für nur einen Euro fahren wir Sie zur Kindl-Bühne Wuhlheide..." dröhnt es über den S-Bahnhof, während sich die Massen am Bahnhof der ehemaligen Pionier-und jetztigen Park-Eisenbahn vorbeidrängen. Irgendwie passt dieses stark an die 80er erinnernde Bild zu zwei der Bands, die am heutigen Tage die Wuhlheide beehren: Franz Ferdinand mit ihrem Postcard-Sound, der bisweilen verdammt an Orange Juice und alte Aztec Camera erinnert und natürlich die Pixies, die wahrscheinlich in ihrer Blüte (die passenderweise genau zur Wendezeit lag) auf beiden Seiten der Mauer vergöttert wurden. Und was ist mit Ash? Abwarten...
18.00 Uhr. Franz Ferdinand entern die Bühne in wie erwartet sehr schnieken Klamotten und mit soviel 80er-Esprit, dass man sich wünscht, im engen, schwitzigen Loft zu stehen und nicht in der staubigen Wuhlheide. Der Sound ist gut, die Band auch, aber man merkt ihnen an, dass sie Bühnen dieser Größe nicht gewöhnt sind. Schade, dass selbst die Clubzeit für diese Band schon vorbei ist, denn nach der Reaktion des Publikums zu schätzen, dürfte ihre nächste Tour durch die mittelgroßen Hallen dieses Landes führen.
Ash sind Rock! Schon der Beginn des Konzerts beweist es: während der Rest der Band bereits den Groove des ersten Stückes vorgibt, kommt Tim Wheeler mit einer brennenden (!) Flying V, die er so mit dem Korpus nach oben trägt, dass sie fast wie eine Kuchengabel (oder The Evil Sign) aussieht, auf die Bühne, wartet bis die Gasampulle leer ist, Gitarre übergeworfen und losgerockt. Als zweiten Song gibt es "Girl From Mars" mit erstaunlich viel Publikumsreaktion, anschließend wieder eine neues Stück, und so setzt sich die Reihe bis zum abschließenden "Burn Baby Burn" fort. Das alles ist nett vorgetragen, mit den üblichen professionellen Ansagen, nur überzeugend ist das alles ganz und gar nicht, weil Songauswahl und -reihenfolge einfach nicht stimmen und die Band nicht zur oben beschriebenen 80er-Affinität des Openers und des Headliners passen. Schade.
Dass Frank Black/Black Francis/Charles Thompson mittlerweile einem kleinen Faß ähnelt, dass Joey Santiago sein Haupthaar eingebüßt hat und David Lovering mit Brille spielen muss und dass Kim Deal wie immer recht stramm ist (nicht nur im Kopf), schadet der Stimmung im Publikum nicht im Geringsten. Von den ersten Tönen von "Gouge Away" an werden die Texte mitgesungen, wird getanzt. Das Repertoire reicht über das gesamte Spektrum der Band, wobei die beiden schwächeren Alben "Bossanova" und "Trompe Le Monde" nur mit insgesamt drei Stücken vertreten sind und das Hauptaugenmerk auf "Doolittle" liegt, das fast komplett gespielt wird. Große Überraschungen erwartet man nicht und gibt es auch nicht (vor Allem keine neuen Songs), geboten wird solides Handwerk mit netten Gimmicks und angemessener Spielzeit. Im zweiten Zugabenblock gibt es das obligatorische "Vamos" mit Chaos-Solo von Mr. Santiago, und beim abschließenden "Into The White" verschwindet die Band im Nebel (der vergangenheit?). Sell-out? Ja, mit Sicherheit, aber hier hat sich jeder Cent gelohnt.

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