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Alben des Jahres 2016

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27.12.2016 | 11:44 » Moderation benachrichtigen
12. Bon Iver - 22, A Million
Justin Vernon wollte es diesmal wohl so richtig wissen und hat dieses sehr seltsame Stück Musik aufgenommen. Das fängt bei der hiroglyphenhaften Tracklist schon an (andererseits auch extrem witzig, den zehnten Track "00000 Million" zu nennen) und hört noch nicht damit auf, dass ein Stück nur daraus besteht, dass er eine Gesangsspur durch unterschiedliche Autotunes gejagt und diese dann übereinander gelegt hat.
Insgesamt bietet es reichlich Angriffsfläche, aber trotzdem hat es durch die Bank gute Kritiken abgeräumt - außer in der Visions, wo Künstler und Album bis auf einen Hockenbrink'schen Verriss leider gar nicht stattgefunden haben - schade eigentlich! Der Grund dafür ist wohl, dass das Album trotz allem immer noch das ausstrahlt, was schon "For Emma, ..." ausgezeichnet hat: Die Intimität und die Verletzlichkeit, die immer wieder durch all die Geräusch- und Klangschichten hindurchdringen. Damit es zu meinem Herbstalbum 2016 geworden.schmirglie, 23.12.2016 14:39 #

Ich kenne das Album erst seit Sonntag. Du hast so verdammt recht mit dem fett markierten Satz.
Die zerbrechliche Schönheit versteckt sich nun unter Autotune-Schichten und Elektrospielereien.
Aber es ist die gleiche, wie schon auf For Emma und Bon Iver. Soundspielereinen deutet er ganz fein auf dem Vorgänger bereits an. Jetzt bilden sie das Gerüst. Und somit ists tatsächlich eine logische Weiterentwicklung.

Ich hatte bislang erst einen Durchgang, aber mir klappte die Kinnlade runter.
8 Circle ist ein Song der direkt auf meine Beerdigungsplaylist kommt.
27.12.2016 | 13:39 » Moderation benachrichtigen
Freut mich, dass ich einen Mitstreiter gefunden habe :smile:
8 Circle ist eins der Lieder, das mich am meisten fasziniert. Erinnert mich irgendwie an Tom Petty oder anderen 80er-Kitsch, aber andererseits ist es betörend und ergreifend. Und der Albumskontext verstärkt das noch.
27.12.2016 | 13:41 » Moderation benachrichtigen
Was ist denn an Tom Petty bitte kitschig?
27.12.2016 | 13:46 » Moderation benachrichtigen
Leg doch nicht alles auf die Goldwaage.
Ich will keine große Tom Petty-Diskussion starten, aber wie würdest du Learning to Fly denn bezeichnen?
27.12.2016 | 13:50 » Moderation benachrichtigen
Das ist doch kein Kitsch, ey. Meat Loaf ist Kitsch und irgendwelche triefenden RnB-Balladen aus dem Radio. Learning To Fly ist ganz normale Rockmusik.
27.12.2016 | 13:56 » Moderation benachrichtigen
Dann definieren wir vielleicht anders.
Es ging mir vor allem um diese in den 80ern erfundene Unart, Midtempo-Nummern bis zum Geht-Nicht-Mehr mit Synthies zuzukleistern.
27.12.2016 | 14:36 » Moderation benachrichtigen
Okay, verstehe. Tja, in den 70ern war es noch die Hammond-Orgel, in den 80ern dann Synthesizer irgendwelcher Art. Damit hab ich weniger Probleme als mit den künstlichen klingenden Schlagzeugsounds, die in diesem Jahrzehnt leider begonnen haben.
27.12.2016 | 16:46 » Moderation benachrichtigen
Plätze 11-50, zu den besten 10 schreibe ich die Tage noch etwas. Mitski und meine #10 haben sich bis gerade ein Duell geliefert, ist eigentlich ein geteilter 10..

11. Mitski – Puberty 2
12. Apologies i Have None - Pharmacie
13. Klimt 1918 – Sentimentale Jugend
14. Sexy Fights – Too Far Out
15. Låpsley – Long Way Home
16. Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain
17. Jimmy Eat World – Integrity Blues
18. Arthur Beatrice – Keeping the Peace
19. Microwave – Much Love
20. Maeckes - Tilt

21. Von Wegen Lisbeth - Grande
22. Yndi Halda – Under Summer
23. American Football – American Football
24. Radiohead – A Moon Shaped Pool
25. Tiny Moving Parts - Celebrate
26. Touché Amoré – Stage Four
27. James Blake – The Colour in Anything
28. Banks – The Altar
29. Polica – United Crushers
30. Bon Iver – 22, A Million

31. Cymbals Eat Guitars – Pretty Years
32. Fjørt - Kontakt
33. Angel Olsen – My Woman
34. Palace Winter – Waiting for the World to Turn
35. Okkervil River - Away
36. Black Mountain - IV
37. Thrice – To Be Everywhere is To Be Nowhere
38. Deftones - Gore
39. Oathbreaker - Rheia
40. Josefin Öhrn + The Liberation - Mirage

41. Ariana Grande – Dangerous Woman
42. Tim Hecker – Love Streams
43. Mass Gothic – Mass Gothic
44. The Jezabels – Synthia
45. Yeasayer – Amen & Goodbye
46. Schoolboy Q – Blank Face
47. Esben & The Witch – Older Terrors
48. The Hotelier – Goodness
49. Sin Fang – Spaceland
50. Holy Esque – At Hope’s Ravine
28.12.2016 | 23:07 » Moderation benachrichtigen
So Freunde, wird Zeit für den Rückblick. Da ich unwahrscheinlich viel Musik dieses Jahr gehört habe, wird es nun meinerseits in 4 Kategorien was hageln. Am Ende gibt's dann meine Top 20 gemischt. Ich starte heute mit Metal und werde in den nächsten Tagen mit den anderen Kategorien nachziehen.
28.12.2016 | 23:08 » Moderation benachrichtigen
Bin interessiert
28.12.2016 | 23:35 » Moderation benachrichtigen
METAL:

1. Zao - The Well-Intentioned Virus
Erstes Album nach 7 Jahren und nichts hat sich geändert. Zao zählen nach wie vor zu den Vorbildern im komplexeren Metalcore und waren seit Mitte der 90er grosser Einfluss für Spezialisten der Marke Norma Jean und Co. Und auch hier erfreut man sich am Druck vom groovenden Stuff, den die Band zum Besten gibt. Dan Weyandt’s Keife hat sich kein bisschen verändert und auch sonst hantieren sie auf bekanntem Niveau. Diesmal gefühlt noch etwas mehr mit Breakdowns unterwegs, die immer wieder von fiesen Southern Riffs unterfüttert werden. Das geht ab! Erinnert mich an meine innige Liebe zu Johnny Truant’s „No Tears For The Creatures“. Unbarmherzig groovend. Mein Herz wurde berührt! Ungewöhnlichkeiten stellen orientalische Samples im Opener oder das theatralische „Apocalypse“ dar. Der Rest ist massiv guter Krach.
Need to listen: Xenophobe / A Well-Intentioned Virus

2. Woman Is The Earth
- Torch Of Our Final Night
Was machen sie richtiger als all die anderen Black Metal Bands mit Atmosphärenfaktor? Nun, sie beschränken sich nicht auf eine Abwechslung aus Blast Beats und Post-Rock, sondern implementieren Elemente aus dem Prog, kleinen Death Metal Sprenglern und Doom. Gefällt mir besser als das, was Deafheaven als letztes fabriziert haben, weil irgendwie besser. Geht manchmal so schön ins Ohr wie Wutz Of Deso und lässt sich Raum zur Ausformulierung. Kleines Manko ist die etwas verwaschene Produktion. Aber man kann nicht alles haben. Dieses Album ist allerdings nah dran.
Need to listen: Brother Of Black Smoke / Sorrow And The Floods

3. Aborted - Retrogore
Mein Death Album des Jahres. Die Belgier zelebrieren mittlerweile einen derart potenten, brachial produzierten Sound, da kann man nur drauf steil gehen. Die unendliche Doublebass, der Highspeed, die vehemente Grunze - alles hat Hand und Fuss. Und trotzdem bleibt Platz für richtig gute Songs der Marke „Divine Impediment“, der sich zu meinem Metaltrack des Jahres gemausert hat. Das ist alles irrsinnig gut gemacht. Olsen, übernehmen sie.
Need to listen: Divine Impediment / Retrogore

4. Protest The Hero - Pacific Myth
Macht ihr Witze? Selbst mit ohne Plattenvertrag und Crowdfundingdruck haut ihr weiterhin derart brillanten Metalkram raus? Gibt’s irgendwas, was ihr nicht könnt? Rody Walker ist einer der wenigen Heavy Metal Sänger dessen Hodeneskapaden ich mir komplett geben kann, vielleicht auch weil extremste Höhen vermieden werden. Und der Typ mal einfach abnormal gute Vokalmelodien auf Lager hat. Ansonsten ist die Band wieder auf höchstem Niveau in Sachen Technik und Songwriting unterwegs. Das macht dermassen Spass, das ist fast schon widerlich. Long live the protest. Long live.
Need to listen: Tidal / Caravan

5. Car Bomb - Meta
Car Bomb und ihr Stop-And-Go-Mathmetal werden einfach niemals langweilig für mich. Sich eine solche Mühe zu machen um im Endeffekt wie eine hängende Platte zu klingen, ist schon irgendwie süss. War das Debüt noch mit Fantomas-Liebäugeleien betupft und der Nachfolger an die Grenzen des rhythmisch Machbaren gegangen, wirkt „Meta“ stellenweise schon fast…äh…normal konzipiert. Naja. Solange man Meshuggah problemlos zum Frühstück hören kann zumindest. Tatsächlich gibt es aber einigermassen verfolgbare Songstrukturen. Es gibt Menschen, die sowas dann auswimpen nennen. Die hätten in diesem Bezug allerdings mächtig einen an der Klingel, denn standartisiert ist hier nach wie vor nix. Das geht immer noch weiter über den Horizont von Normalhörern hinaus. Muss ich also schon allein deswegen gut finden.
Need to listen: Black Blood / Cenotaph

6. Zeal & Ardor - Devil Is Fine
Heute schon auf dem Baumwollfeld dem Devil geworshipt? Nein? Was fällt euch ein! Die Wissenschaftler sind sich noch nicht ganz einig ob das Album dieses besonderen New Yorkers ein Hoax sein soll oder dieser dreiste Stilmix aus Südstaatensklavengesang und Elementen des Extremmetal ernst gemeint ist. Wie auch immer. Bin im Metal dieses Jahr selten über gerade mal 25 Minuten derart unterhalten und gleichzeitig verstört worden. Xylophonzwischenspiele inklusive bleibt ein seltsam diffuses Gefühl zurück. Zum einen ist der Typ zweifellos begabt, zum anderen funktioniert die Kombi nicht immer. Entertainte mich aber ohne jeden Zweifel maximal.
Need to listen: Blood In The River / Children’s Summon

7. Ion Dissonance - Cast The First Stone
Fick die Henne, was für geiler Mathmetal! Klar, man kennt die Kanadier wenn man szeneinteger ist, aber Hölle nochmal! Diese Taktverschiebungen und die Breakdowns! Fuck! Aufpassen! Da fliegt schon wieder eine Gitarrenseite quer und skalpiert die Omma! Alter, schreit der angepisst! Mach das es niemals aufhört! Jaaaaaaaaaaaaaa!!!!!
Need to listen: To Lift The Dead Hands Of The Past / Ill Will


8. Nails - You Will Never Be One Of Us
Es sollte Awards für die beste Namenswahl zum Bandsound geben. Nails würden abräumen. Nicht ein Ton von ihnen war jemals irgendwie nett. Das ist kompromissloser Crust/Grind, der genau so ätzend sein soll wie er klingt. Schon seit zwei Alben und nun auch mit diesem. Bei exakt 2 von 10 Songs geht es über einsfuffzig an Minuten. Einer davon, das abschliessende „They Come Crawling Back“, belegt mit seinen 8 Minuten knapp 40% der Platte. Mein Herz für Grind ist bekannt und hier bekommt es, was es verdient. Einen Powernap lang wird es mit der Kartoffelreibe bearbeitet.
Need to listen: You Will Never Be One Of Us / Life Is A Death Sentence

9. Plebeian Grandstand - False Highs, True Lows
Wenn man selbst Musik macht, stellt man sich angesichts solcher Klänge öfter die Frage, was die Bandmitglieder zu so etwas bewegt. Hatte der Vorgänger „Lowgazers“ schon sehr eindrucksvoll die Tonlage vorgegeben, ist „False Highs…“ noch kompromissloser. Unglaublich, wie nachvollziehbar die Band dagegen in den frühen Tagen klang. Und da waren sie ja schon nicht freundlich. Aber das hier ist jetzt nur noch ätzender, dissonanter Black Metal, der hinter all dem Geballer nach wie vor Mathrhythmen beinhaltet. Das Gekreisch ist mittlerweile so entmenschlicht, dass einem schon gruselig wird. „Volition“ ist mit seinen 7 1/2 Minuten kaum zum Aushalten. Mit einer Ästhetik zwischen Dead Man und dem siebten Kreis der Hölle. Puh. Die zweite Hälfte geht mir besser rein, insbesondere „Oculi Lac“ überzeugt mit Abwechslung. Die ersten 3 Songs allein sind aber ein rabiater Spucker ins Gesicht. Von einem Tyraniden. Es gibt Zeiten für solche Musik, aber es sind selten gute.
Need to listen: Oculi Lac / Eros Culture

10. Phantom Winter - Sundown Pleasures
Wer noch nach Musik für den rituellen Selbstmord sucht, kann getrost damit aufhören. Phantom Winter zelebrieren ihren Slow-Mo-Black Metal weiterhin mit einer Hingabe an das Düsterste im menschlichen Inneren, dass beinahe nichts anderes für die Ölung in Frage kommt. Dabei ist es gar nicht der beliebte Titeltrack (der quasi nur auf 2 Akkorden rumspringt), der mich fasziniert. Sondern Klangexperimente der Marke „The Darkest Clan“. Wenn man wirklich tief im Morast sitzt und sich fragt wie dunkel der Wald eigentlich noch werden kann. Chapeau!
Need to listen: The Darkest Clan / Wraith War

Zuletzt geändert von Powder To The People 28.12.2016 23:38

28.12.2016 | 23:35 » Moderation benachrichtigen
11. Noise Trail Immersion - Womb
Es sind schöne Zeiten, in denen Tech-/Mathmetal nicht mehr steril klingen, sondern Atmosphäre erzeugen möchte. NTI geben sich alle Mühe ihr Debüt in den Zwischentönen nach einem düsteren Horrorfilm klingen zu lassen. Funktioniert prächtig. Der Titeltrack vermittelt einem tatsächlich in einer dunklen Womb zu sitzen, sich mit düsteren Fragen quälend. Dann dreht die Band wieder auf, zernoist mal alles, bricht Rhythmen auf, näht sie wieder zusammen und überhaupt: klingt wie die dunkelste Seite von Between The Buried And Me. Gute Sache das.
Need to listen: In Somnis / Organism

12. Oathbreaker - Rheia
Ich weiss, ihr liebt das alle. Ich weiss, das ist gut. Ich weiss aber auch, dass ich Darkfolk nicht so mag. Ich weiss, dass ich solche Dynamiken durchaus schon öfter gehört habe. Ich weiss, dass Oathbreaker mich nie wirklich packen konnten. Dennoch ist dieses Album gut.
Need to listen: Second Son Of R. / Immortals

13. Vermin Womb - Decline
Ethan Lee McCarthy strahlt eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Seine abartigen Dämonenlaute machen Primitive Man zum aus Leichen geformten Bulldozer und Vermin Womb zu diesem lebendigen Sandsturm aus „Die Mumie“. Feedback und Grind und was auch immer der Herr da raus kotzt treffen auf Death Metal treffen auf’s Maul. Vergessen wir mal, wie sehr das wehtut. Erfreuen wir uns lieber an Nihilismus. Der Typ kifft auf vielen Fotos. Vielleicht versucht er nur was abzuhusten. Ich liebe es.
Need to listen: Industrialist / Pitiless

14. Oranssi Pazuzu - Värähtelijä
Man sollte häufiger mit Corpsepaint kiffen. Die Finnen machen das zweifellos, anders ist ihr Psychedelic-Metal mit BM-Gekeife nicht zu erklären. Das ist hypnotisch und treibend und könnte bis auf den Gesang auch Cracker respektive Phil gefallen. Ich brauche sowas nicht oft, aber wenn dann so. Eines der Cover des Jahres übrigens.
Need to listen: Saturaatio / Hypnotisoitu Viharukous

15. Despised Icon - Beast
Ja, die Rückkehr ist nicht unbedingt glorreich. Deathcore ist schon länger klinisch tot und „Beast“ kann nicht wirklich an die Grosstaten heranreichen. Dennoch bleiben die Kanadier die vielleicht potenteste Version des Stils, weil sie eben wirklich Hardcore mit Grind und Tech-Death mischen und nicht wie die Meisten einfach Extreme Metal mit ein paar Breakdowns spielen. Es mag diesem Album an herausragenden Songs mangeln. Im Endeffekt freue ich mich aber wieder von einer der heftigsten Testosteron-Maschinen einer ganzen Szene zu hören. Slamdance bleibt natürlich kacke.
Need to listen: Grind Forever / Time Bomb

16. Meshuggah - The Violent Sleep Of Reason
Synapsenmusik oder will irgendjemand etwas anderes behaupten? Meshuggah funktionieren so seit den späten 80ern und werden es wohl auch noch in den 80ern dieses Jahrhunderts. Ob man die Alben untereinander unterscheiden kann? Tja. Eins ist etwas ausgefallener von der Rhythmik her, eins etwas psychedelischer, eins geradliniger - aber alle sind unverkennbar meschugge. So auch ihr 8. Album. Entweder man geht darauf steil oder man schüttelt ungläubig den Kopf. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Need to listen: Ivory Tower / Our Rage Won’t Die

17. Hierophant - Mass Grave
Italiano, eh? Eine ordentliche Dosis Death Metal mit asozialer Vader Rülpse, von Grind bis Slow Motion alles dabei. Am feinsten im richtig miesen Midtempo. Macht Spass ihr Lappen! Frontmann übrigens Bassist von The Secret. Nur so als Qualitätshinweis.
Need to listen: Trauma / Eternal Void

18. Sun Worship - Pale Dawn
Ich mag den Black Metal dieses Zweiergespanns schon immer etwas mehr als sonst üblich. Vielleicht liegt das an ihrer eher traditionell ausgerichteten Rifftechnik, die sich mit modernem Sound vermischt. Und weil es mal erfrischend frei von Postrock oder Shoegaze bleibt. Vieles auf „Pale Dawn“ entwickelt hypnotische Züge, die Akkorde wechseln im richtigen Moment und der Gesang pendelt zwischen üblicher Hexe, drogeninduziertem Ranting oder auch mal Spoken Word Passagen. Das wirkt gleichermassen frisch wie konventionell. Es lässt sich gar nicht so einfach beschreiben, warum ich die so mag. Ich lass es lieber.
Need to listen: Pale Dawn / Naiad

19. Ulcerate - Shrine Of Paralysis
Die Untiefen in denen sich Ulcerate ähnlich wie Portal bewegen, bleiben mir ein Rätsel. Das Gefühl, das dieser entmenschlichte Tech Death auslöst, ist beängstigend deprimierend. Dabei wird nicht permanent gerast. Es gibt atmosphärische Stellen. Sogar ziemlich beeindruckende. Diese verlassen die Ebenen der Hölle aber nie. Das hebt die Jungs schon immer vom Rest ab und bringt „Shrine Of Paralysis“ häufigst in Jahresbestenlisten. Völlig zu Recht, wie ich finde.
Need to listen: Yield To Naught / Chasm Of Fire


20. Krallice - Prelapsarian
Krallice sind tüchtige Jungs und bringen ihren Avantgarde Black Metal im Schnitt alle anderthalb Jahre auf Band. Ergebnis ist wie immer dissonanter Antiklang und konsequenter Nihilismus. Auch hier muss betont werden, dass sowas nicht unendlich benötigt. Aber die Welt wäre eine bessere ohne solche Musik und soweit kommt’s ja wohl noch!
Need to listen: Hate Power / Lotus Throne
28.12.2016 | 23:41 » Moderation benachrichtigen
So, Platz 8-10. Rest kommt.

10 Zhrine - Unortheta
Eines von drei Alben isländischer Künstler und vielleicht die wildeste Mischung der dreien. Beim Intro des ersten Songs denkt man noch, daß hier eine Postrock oder Postmetal Band unterwegs ist. Kurz darauf kloppt einen die erste Wall of Sound im Stile der atmosphärischen Hipster Black Metal Bands wie zB Chaos Moon aus den Schlappen und es setzt auch folgerichtig Geblaste ein, nur um Sekunden später noch einmal zu kippen. Wir vernehmen eine veritable Death Metal Grunze und damit ist mehr oder weniger in den ersten 4 Minuten die Sachlage klar, was hier über knappe 40 Minuten abgeliefert wird. Das wechselt permanent zwischen den Stilen hin und her, nach Art von Brutal Truth wird hier teils abwechselnd gekeift und gegrunzt, fast schon thrashige Gitarren lockern das Geballer auf nur um dann wieder von postmetallischer Überwältigungstaktik emotional weggespült zu werden wie die Straßen bei einem Gletscherlauf. Für Puristen ist das sicher nix. Für Leute die extreme Musik mit extremen Stimmungslagen ab können, ist das eines der besten Metal Alben des Jahres.


9 Bethan Kellough - Aven
Krasser Stimmungswechsel. Nach extrem laut wirds hier extrem leise. Ein Kopfhöreralbum. Übrigens auch wieder mit isländischer Beteiligung. Zu hören sind nämlich Field Recordings, die in Südafrika und eben Island aufgenommen wurden. Das sind u.a. Windgeräusche, man meint heranrauschendes Wasser zu ahnen, und weiß der Teufel was sonst noch alles. So leise das ist, die Kraft der Natur hinter den Geräuschen wird fantastisch eingefangen. Dazu kommt noch wunderbar dezentes Sounddesign. Man stelle sich vor, Roly Porter würde in einem Ballon 5000m über einem, seine Texturen in den Himmel blasen. Und damit das alles noch eine herzzerreißende Komponente bekommt, sirren noch von Frau Kellough selbst eingespielte wunderschöne und zarte Geigenmelodien durch die Landschaft. Leider erst sehr spät im Jahr entdeckt, das hätte evtl. noch Potenzial für eine höhere Plazierung.


8 Aidan Baker / Dirk Serries / N - Enomeni
Drei Großmeister des Gitarrendroneambients vereint. Erschienen ist die Kooperation auf Midira. Hintergrund dazu ist die Hochzeit der beiden Betreiber des Labels Cosima und Dimi, bei der die drei Musiker die Hochzeitsband waren. Man merkt, was hier für Profis am Werke waren und daß es alle gewohnt sind, sich zurückzunehmen und mit anderen zu kollaborieren. Binnen kürzester Zeit wurde hier wundervoll bewiesen, daß Musik mehr als die Summe der einzelnen Teile sein kann. Am Anfang wirkt das alles irgendwie suchend, als würde man sich musikalisch ganz zurückgehalten gegenseitig umkreisen, um zusammen zu finden. Schnell verschmilzt der Sound aber zu einem noch schüchternen aber umso gediegeneren Gesamtsound. Häufig hört man auch nicht mehr raus, wer hier was macht, dann prescht einer vor und die anderen folgen. So gibt es eine stetige Steigerung innerhalb des Albums und auch eine eigene Dramatik innerhalb der Songs, die sich am Ende von Teil 4 in einer brachialen Dronewand entlädt und dann langsam entschwindet. Sehr bewegend, sehr passend für eine Hochzeit von zwei so wunderbaren Menschen.

Soundcloud

Zuletzt geändert von AERPELSCHLOT 29.12.2016 00:01

29.12.2016 | 03:08 » Moderation benachrichtigen
Hmjamam, viel dunkles Zeug hier... viel zum mal reinhören hier. :smile:
29.12.2016 | 09:37 » Moderation benachrichtigen
Wow, viel los hier. Muss ich in Ruhe lesen, bevor ich das anständig und angemessen würdigen kann.
29.12.2016 | 11:03 » Moderation benachrichtigen
Ich finde alvarez' Liste super. Freue mich auf die top10. Hau sie raus, Junge
29.12.2016 | 12:45 » Moderation benachrichtigen
Ich finde alvarez' Liste super. Freue mich auf die top10. Hau sie raus, JungeEdMatus, 29.12.2016 11:03 #


Na gut.

10. Warpaint – Heads Up
Irgendetwas machen die immer wieder richtig. Das dritte Album wird mit Whiteout, einem ihrer besten Songs eröffnet und auch sonst verteilen sich über das Album wieder unglaubliche Melodien. Mit New Song ist auch die logische Weiterentwicklung von Disco/Very vertreten. Das Album ist noch näher am Pop als alles vorher, schlägt aber weiterhin genug Haken, um auch nach zig Durchläufen interessant zu bleiben. Nicht so überraschend wie The Fool damals, aber drei Alben und drei Volltreffer können sich die Damen in ihre Biografie schreiben.

9.M83 – Junk
Das beste Cover des Jahres. Oder das schlechteste. Auf jeden Fall fängt es die Musik des Albums sehr gut ein. Es ist fluffig, kitschig und voller Zucker. Aber dennoch bleib Gonzalez ein begnadeter Songschreiber, sodass man cheesy Gitarrensolos wie in Go! (Steve Vai übrigens) oder over-the-top Streicher wie in Solitude gar nicht so richtig scheiße finden kann. Und selbst wenn: die Konsequenz und Hitdichte dieser Platte sollte auf jeden Fall Anerkennung bekommen.

8.Frightened Rabbit – Painting of a Panic Attack
Noch eine dieser verdammt beständigen Bands. Natürlich werden sie das Rad wohl nicht mehr neu erfinden, dafür ist dieser hymnische indiefolkrock viel zu ausdefiniert. Wer aber seit 5 Alben solche Melodien schreibt, hat das auch gar nicht nötig. Getragen von der wunderbaren Stimme Scott Hutchisons spielt die Band mit verschiedenen Einflüssen (Aaron Dessner hat produziert, das hört man) und Instrumenten rum, schafft aber dennoch ein stimmiges Gesamtbild, das sicherlich wieder den Weg in die ein oder andere Fernsehserie schaffen wird.

7.Wild Beasts – Boy King
Nach den ersten Vorabtracks war ich ja etwas skeptisch, wie die neue Richtung der Wild Beasts weg von Schönklang und Dreampop hin zu dreckigen, von Elektro getragenen Sexpop funktionieren würde. Antwort: Hervorragend. 10 Songs, 10 Volltreffer in die Hüfte, die beste Beischlafplatte seit Arctic Monkeys‘ AM. Get My Bang und He The Colossus als alles überragende Hits, Dreamliner die Rückkehr am Ende der Platte zum alten Sound. Ein Hinweis, dass dies hier nur ein Experiment war? Diese Band bleibt spannend.

6.Wintersleep – The Great Detachment
Schön, dass die sich nach den mäßigen Hello Hum und New Inheritors nochmal fangen. Eine sehr abwechslungsreiche Platte voller Melodien, die sich tagelang im Kopf festsetzen. Jeder Durchlauf bringt ein neues Lieblingslied, momentan ist es das stampfende Metropolis. Jeder, der auch nur ein bisschen etwas mit Indierock anfangen kann, sollte dieser Scheibe ein paar Durchläufe schenken, mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.
29.12.2016 | 12:46 » Moderation benachrichtigen
5.Big Deal – Say Yes
Big Deal sind ein persönliches Phänomen: Erst 2014 mit dem famosen June Gloom entdeckt, habe ich sie in Rekordzeit verehrt. Nun haben sie mit dieser Platte ihren Sound perfektioniert und zack, auch aufgelöst, offizielle Gründe gibt es keine. Ich kann auch gar nicht sagen, was mir an ihnen besser gefällt als an Soundverwandten wie Blood Red Shoes (die natürlich auch geil sind). Ist es die schwärmerische Stimme Alice Costelloes? Die Gitarren, die weniger krachig als träumerisch sind? Dass Idyllwild der perfekte Schlussstrich unter der kurzen Bandlaufbahn ist? Auf jeden Fall eine große Platte.

4.Daughter – Not to Disappear
Schon Mitte Januar war ich mir sicher, hier eins der Alben 2016 gehört zu haben. Zu perfekt die Melodien, zu dunkel die Texte, um sich bei mir nicht im Kopf festzusetzen. Ist es besser als das Debüt? Das wird die Zeit zeigen, es ist ihm auf jeden Fall dicht auf den Fersen. Allein New Ways mit der Gitarre, die langsam in den Song bricht. Numbers mit den geilen Drums. Die Melancholie von Doing the Right Thing. Und das waren nur die ersten drei Songs. Dringender Anhörbefehl.

3.Sioux Falls (aka Strange Ranger) – Rot Forever
Nicht nur in der Black Music waren die Alben dieses Jahr viel zu lang, auch das Debüt von Sioux Falls, die mittlerweile Strange Ranger heißen, reiht sich mit seiner Mischung aus 90’s Indierock, Post-Hardcore und Emo mit 72 Minuten in dieser Liste ein. Warum es dennoch auf Platz 3 steht? Weil es trotzdem kaum Filler gibt. Copy/Paste braucht jede Sekunde seiner 7:27, um zu einem der besten Emosongs des Jahres zu werden. McConoughey muss 6:22 lang sein, weil man sich sonst von dem Ausbruch nach 2:10 kaum erholen könnte. Ich habe mich immer noch nicht an diesem Album sattgehört und es gibt bestimmt noch eine Menge zu entdecken. Hoffentlich führen sie diesen Stil weiter, die EP, die auch dieses Jahr veröffentlicht wurde, war im Vergleich sehr schnarchig.

2.Minor Victories – Minor Victories

So macht man eine Supergroup richtig. Das Potentital für eine Enttäuschung war immens, aber dieses Album klingt exakt so, wie man sich eine Mischung aus Slowdive, Mogwai und Editors vorstellt und dazu sind die Songs einfach noch verdammt gut. Tracks kann man kaum hervorheben, aber Scattered Ashes ist ein Hit, den man auf diesem Album eigentlich gar nicht erwartet hätte. Das Feature Mark Kozeleks auf For You Always ist natürlich auch großartig. Auch wenn es nicht zu Platz 1 gereicht hat, sehe ich in diesem Album tatsächlich mehr Potential für die Top 100 als bei meiner #1, die in diesem Jahr einfach emotional wichtiger war.

1.Hælos – Full Circle
Dass einige Fußmärsche durch Flensburgs Regen mit diesem Album in den Ohren es zu meiner wichtigsten Platte 2016 machen würden, war nicht sofort zu erwarten. Diese Briten nehmen den Dreampop von The xx und reichern ihn mit einer gehörigen Fuhre Massive Attack an. Starke Stimmen ergänzen diesen Stilcocktail perfekt. Das treibende Oracle in der Albummitte gehört definitiv zu den Highlights. „In erster Linie wollten wir mit diesen Songs das Gefühl ausdrücken, das einen morgens um fünf Uhr überfällt“, sagen sie. Ziel erreicht, denn besser kann man dieses für mich wohlige Gefühl der Ruhe und zu gewissem Maße Einsamkeit wohl musikalisch nicht einfangen.
29.12.2016 | 17:14 » Moderation benachrichtigen
Ganz viele schöne Rezensionen, Powdi, Aerpel und Alvarez :thumbsup: Hat Spaß gemacht, das alles zu lesen. Wenn ich es zeitlich schaffe und im richtigen Moment Bock drauf habe, werde ich auch mal in Ruhe in die eine oder andere Sache reinhören.
29.12.2016 | 17:15 » Moderation benachrichtigen
Dem schließe ich mich an. Werde in einer Musestunde mal in das ein oder andere reinlauschen.

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