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Extreme Metal 2015 - Best Of Dämonensülze

10 Beiträge - 1666 Aufrufe
13.01.2016 | 13:04 » Moderation benachrichtigen
Nützt ja nix. Nachdem ich mich zum Jahresende mal ganz und gar mit den Untiefen des Metal beschäftigt habe, hier mal ein paar Tipps von mir. Alle anderen sind natürlich auch herzlich eingeladen, ihre Favoriten zu posten. Dabei hätte ich gern, dass das auch wirklich schön extremes oder abgefahrenes Zeuch ist. Let's go:

Lychgate - An Antidote For The Glass Pill
Am beeindrucksten im Extreme Metal letztes Jahr war für mich dieses kranke Album. Das selbstbetitelte Debüt klang noch ziemlich nach Satyricon - jetzt haben sie einen eigenen Sound zwischen Noise, Black Metal, Avantgarde und Doom gefunden, der von einem ganz bestimmten Instrument gestützt wird: der Orgel. Nicht panisch werden. Wir reden von einer Kirchenorgel, die alles andere als harmonisch gespielt wird. Ganz im Gegenteil. Lychgate wollen weh tun. Sie hantieren mit schrägen Takten, schrägen Tönen und schrägen Aufbauten. Bei 3 Gitarren und der besagten Orgel kommt da eine äusserst unheilvolle Atmosphäre auf, die tatsächlich böse klingt. Mit sowas bin ich ja immer sehr vorsichtig, weil viele Versuche in diese Richtung für mich häufig lächerlich und erzwungen klingen. Bei "An Antidote..." ist das anders. Das Hören bereitet mir Unbehagen. Und das nicht mal im negativen Sinne, man taucht irgendwann in diesen abartigen Strudel ein und lässt sich in den inneren Kreis der Hölle hinabziehen. Das schafft die Band, indem sie ihre Elemente mit Bedacht wählt. Blastbeats sind nicht ständiger Begleiter, sondern werden gezielt eingesetzt (sehr effektiv!) und der andauernde, technische Anspruch ist so verquer untergebracht, dass alles zu einem schiefen, wutschnaubenden, unförmigen und gleichermassen majestätischen Dämon verschmilzt. Hat mich unwahrscheinlich fasziniert.
Lychgate - An Antidote For The Glass Pill (Album)

Leviathan - Scar Sighted
Das fünfte Album als Alleingänger macht, was Jef Whitehead immer macht. Depressiver, suizidaler Black Metal, der sich völlig der Definition von trve oder untrve entzieht. Weil hier alles passieren kann. Die Grundlage an stark verfremdeten Vocals und einer tiefschwarzen Grundstimmung wird von Death Metal, Doom, Noise Rock, Ambient, Mathrock, Industrial oder auch Psychedelic durchzogen, ohne den Black Metal je komplett zu verlassen. So wie es ihm grad passt. Das ist auch im fünften Anlauf effektiv. Ich würde mit so jemandem gern mal ein Gespräch führen und nach den Beweggründen für solche Musik fragen. Die Abgründe der Psyche sind einfach ein interessantes Feld.
Leviathan - Scar Sighted (Album)

Violet Cold - Desperate Dreams
Zwischendrin mal was erhellendes. Ein-Mann-Projekt aus Azerbaijan, welcher sich "Euphoric Black Metal" auf die Fahnen schreibt. Ich würde sogar noch ein "Disco" davor setzen. Skipt man wahllos in eine Track, wird man das für Atmospheric BM halten, wie er mit seinen Dur-Akkorden ja nun sehr häufig in Szene gesetzt wird. Dann aber hört man sie - die quietschbunten Synthies und die tanzbaren Beats zwischen dem Gerase. Das macht mir ungeheuer Spass, weil ich jetzt schon sehen kann, wie sich Trve-Metaller an ihren eigenen Eingeweiden dabei aufhängen. Irgendwie schafft es der Kerl, dass das nicht lächerlich klingt sondern mit dem Gesamtsound eine Synergie eingeht. Dazu kommt ein für Black Metal gut ausdifferenzierter Sound und (man höre und staune) geringe Songlängen. War meine unterhaltsamste Extreme Metal Erfahrung 2015.
Violet Cold - Desperate Dreams (Album)

Dodheimsgard - A Umbra Omega
Schwer zu sagen, ob ich das wirklich mag. Aber zumindest fasziniert hat mich das. Avantgarde-BM, der den Titel auch endlich mal verdient. Technisch höchst anspruchsvoll, ellenlange Songs und dann dieser eigenwillige "Gesang". Klingt nach einem angeschossenen, besessenen Philosophenwildschwein, das sich über den Friedhof der Kuscheltiere schiebt und plötzlich Saxofon spielt. Kaum zu glauben.
Dodheimsgard - A Umbra Omega (Album)

Putridity - Ignominious Atonement
Endlich mal Tech Death! Viel Gegrinde, Marianengraben-Grunze, hier und da Breakdowns, noisig. Macht Lust auf Menschensülze!
Putridity - Conceived Through Vermination

Cradle Of Filth - Hammer Of The Witches
Jaja, haltet mich ruhig für wahnsinnig, diese Band hier zu nennen! Aber die einstimmigen Kritiken belegen es: Dani Filth hat eine Crew um sich geschart, die es mit den Grosstaten der frühen Cradle aufnehmen kann. Seit Midian hat man COF nicht mehr so flott, technisch und reduziert gehört. Klar gibt's auch weiterhin großspurige Orchestrierung und Chöre, aber selten stand bei der Band in den letzten 15 Jahren Songwriting so im Vordergrund. Mit Metalinstrumenten wohlgemerkt! Das macht echt wieder Spass, nur zu!
Cradle Of Filth - Blackest Magick In Practice

God Mother - Maktbehov
Und damit der Grind hier nicht völlig vergessen wird, meine liebste Blastarschversohlung 2015. Schwedische Vollkost, die auch Converge-Fans schmecken könnte. Die geben ordentlich Gas und erinnern in Sachen Intensität (vor allem durch die Produktion) an Nasum. Vor allem das Geschrei ist derbe. Kann ja nicht jedes Jahr eine neue Nails erscheinen.
God Mother - Maktbehov (Album)
13.01.2016 | 13:18 » Moderation benachrichtigen
Zählt Ahab als Extreme Metal?
Da gefiel mir das 2015er Werk ganz gut, "The Boats of the Glenn Carrig".

God Mother gefiel mir och gut. :cheers:

Sunn O))))))))) ging auch in Ordnung, aber sowas wie Monoliths kriegen sie anscheinend nicht mehr hin.

Undergang - Doden aeger alle sar gefiel mir im Death Metal. Etwas Oldschool Anspruch, aber knallhart
15.01.2016 | 00:44 » Moderation benachrichtigen
In die Leviathan habe ich mal reingehört, hat mir sehr gut gefallen. Leider als Tonträger wohl sehr schwer zu bekommen. Und als LP gab es nur eine Box für glaube ich 100$ plus Versand und Zoll :sad:
15.01.2016 | 09:24 » Moderation benachrichtigen
Zählt Ahab als Extreme Metal?
Da gefiel mir das 2015er Werk ganz gut, "The Boats of the Glenn Carrig".Woas Sois..., 13.01.2016 13:18 #

Bei denen bin ich mir nicht so richtig sicher, wo ich die einordnen soll. Ich glaube der Gesang hat's mir ein bisschen verhängt, aber ich geh da nochmal bei.:cheers:
15.01.2016 | 09:48 » Moderation benachrichtigen
schmeiße mal noch folgende Platten in den Raum

Wiegedood- de doden hebben het goed
ULTHA- Pain Cleanses Every Doubt
Red Apollo- Altruist
04.02.2016 | 15:15 » Moderation benachrichtigen
Irgendwie Death mit BM Einschlag oder andersrum. Auf jeden Fall weit entfernt von irgendwelchem Techgewichse. Wenns mehr in Richtung Death geht, dann klingts etwas wie Bolt Thrower.

Grey Heaven Fall - Black Wisdom
04.02.2016 | 15:20 » Moderation benachrichtigen
die ahab finde ich verhältnismäßig braven doom mit ein bisschen folky elementen. aber der growler klingt irgendwie, als würde er dabei gleichzeitig noch gurgeln.
04.02.2016 | 15:34 » Moderation benachrichtigen
Brav, naja. Was man halt unter Extreme-Metal versteht. Das ist für mich nicht unbedingt TechDeathmetal mit Trigger auf allem was da rumflirrt. Klar, harter Tobak, aber extrem? Extreme ist für mich das ausloten von Sounds, Genres, also die Ränder abklappernd.
11.02.2016 | 21:00 » Moderation benachrichtigen
Dendritic Arbor - Romantic Love
Anfangs könnte man fast die Genrebegrenzung Black Metal in den Mund nehmen. Dissonante, manchmal sogar dem Atmospheric BM zuzuordnende Gitarren kreieren ein fieses Klangbild, das mit hässlichem Gekeife garniert wird. Es gibt viel Geblaste und genau so viele Breaks. Irgendwann kommen dann aber diese Punksequenzen und erinnern an frühe Darkthrone. Dann wird es wieder komplexer, geradezu mathematisch. War das eben nicht ein reinrassiger Grindcore-Song? Was sind das für satanische Skits? Und dieser düstere Ambient/Noise als Kitt? Das ist doch jetzt Avantgarde. Oder Doom? Fuck.
Full Album here.
17.03.2018 | 01:02 » Moderation benachrichtigen
Haiduk - 'DemonicoN' (2015) (black metal)



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