Descendents - Hypercaffium Spazzinate

Hypercaffium Spazzinate
  • VÖ: 29.07.2016
  • Label: Epitaph
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 281 - Schönheit der Ausgabe

Was sind schon zwölf Jahre im Kosmos der Descendents? Das erste Album der kalifornischen Nerdpunks seit "Cool To Be You" (2004) klingt so frisch und zeitgemäß, als wären die letzten zwei Jahrzehnte nicht vergangen.

Das muss man erst mal schaffen. Fast 40 Jahre nach ihrer Bandgründung, mehreren Besetzungswechseln, Auflösungen und Wiedervereinigungen bringen die Descendents eine neue Platte auf den Markt, die einem schon in den ersten Sekunden ins Gedächtnis ruft, warum sie zu den stilprägendsten und bedeutendsten Bands der kalifornischen Punkszene gehören. Ihre aus dem Hardcore-Punk erwachsenen, poppigen Punk-Melodien sind unverkennbar, ihr rotzfrecher Humor und ihre Nerd-Attitüde unmöglich nachzuahmen. Seitdem die Band aus dem kalifornischen Manhattan Beach nach ihrer jüngsten Pause bis 2010 wieder aktiv ist, hat sie sich für die Aufnahmen zu ihrem siebten Studioalbum viel Zeit genommen. „Aber das Warten lohnt sich bei Milo Aukerman & Co. immer“, schrieb in VISIONS 133 auch schon Dirk Siepe über "Cool To Be You". Dass er mit seiner These richtig lag, bestätigt sich spätestens jetzt: Auf "Hypercaffium Spazzinate" glänzen die Descendents ohne Legenden-Lackschaden und präsentieren 16 Songs in 31 Minuten, die sie genau so problemlos auch vor 20 Jahren hätten aufnehmen können. „I just quit this joke of a life plan“, singt Aukerman in der superschnellen Single "Victim Of Me" und klingt dabei, als würde er der ganzen Welt den Mittelfinger entgegenstrecken. "Without Love" lässt einen wegen seiner Herzen brechenden, verträumten Vocals an das herrlich verliebte "She Loves Me" vom 1996er Comeback-Album "Everything Sucks" denken. Und auch Songs wie "On Paper", "Shameless Halo" oder "Spineless And Scarlet Red" wirken herrlich unverfroren und energisch. Die Kalifornier probieren auf ihrem siebten Album nichts Neues aus. Aber wenn es neben Bad Religion eine Punkband gibt, von der man sich erhofft, dass sie sich Platte für Platte auf ihre Stärken beruft und keine Experimente wagt, dann sind es die Descendents. "Hypercaffium Spazzinate" zeigt außerdem, dass sie es überhaupt nicht nötig haben, die Herangehensweise an ihre Musik zu verändern. Die Hälfte der Songs vereint alle Trademarks der Descendents in jeweils unter zwei Minuten, Tracks wie "No Fat Burger", "Testosterone" und "We Got Defeat" schließen dabei an die Stimmung früherer Platten an und klingen zeitlos vertraut. Die Descendents genießen ihren Status als Kultband mit "Hypercaffium Spazzinate" weiterhin in vollen Zügen. Das wird sich vermutlich nicht mehr ändern – auch nicht, wenn sie uns noch einmal zwölf Jahre auf ein neues Album warten lassen.

Leserbewertung: 12.0/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.