0 Autor: Martin Burger

Nine Inch Nails - Add Violence (EP)

Add Violence (EP)
  • VÖ: 21.07.2017
  • Label: The Null Corporation
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 293

Genauso überraschend wie den Vorgänger" Not The Actual Events" hauen Trent Reznor und Atticus Ross den zweiten Teil ihrer geplanten Trilogie raus. Seinem Titel widersprechend gerät der eher zahm.

Ross, seit dem vergangenen Dezember offiziell vollwertiges Mitglied des Projektes, ist so etwas wie der subtile Maat seines Kapitäns Trent Reznor. Er kann auf ähnliche Weise eine Band in Richtung Industrial bürsten, das zeigte unter anderem die Produzententätigkeit für Coheed And Cambrias "Year Of The Black Rainbow", sein Faible bleiben aber die kleinen atmosphärischen Spielereien, mit denen er die gemeinsamen Arbeiten seit "The Social Network" veredelt. Nach dem Release der bliependen Vorabsingle "Less Than" vermuteten einige Stimmen eine Annäherung an "With Teeth" – dass das nicht nur falsch ist, sondern kaum im Sinne des Duos, zeigt die EP in ihrer zweigeteilten Gesamtheit. Am ehesten an das Comeback-Album von 2005 erinnert noch das ruhige "This Isn't The Place", ansonsten befinden wir uns bei den künstlichen Beats und Effektspielereien der Ära "Year Zero". Dort packte Reznor seine Wut noch in eine dystopische Fabel vom Widerstand im Überwachungsstaat, hier singt er mitunter sanfter als je zuvor. Gegenüberstellend fungiert "Not Anymore", das zunächst schleppende Rhythmik antäuscht, um im Refrain Gewalt hinzuzufügen. Meisterhaft gerät auch der zwölfminütige Abschluss "The Background World", wo Reznor und Ross nach dem traditionellen Beginn in Songform alle drei Takte das Riff so lange abfucken, bis nur noch ein zerhacktes Blubbern übrigbleibt. Wohin die beiden mit ihrer Trilogie wollen, lässt sich trotzdem erst sagen, wenn nach der dritten EP das zusammenfassende Album mit alternativen Fassungen aller Songs erscheint.

Leserbewertung: 8.0/12

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