0 Autor: Dennis Plauk

Antemasque - Antemasque

Antemasque

Omar Rodriguez und Cedric Bixler haben The Mars Volta nicht für ihr persönliches Punk-Revival beerdigt – aber eben auch nicht wiederbeleben wollen. Dafür steckt nicht zuletzt viel zu viel At The Drive-In in Antemasque.

Man hätte schon 2008 ahnen können, dass Cedric Bixler und Omar Rodriguez eines Tages eine Band wie Antemasque gründen würden. „Von allen Stilen, die uns beeinflusst haben, ist Postpunk derjenige, den man uns am wenigsten anhört“, sagte Rodriguez damals am Rande unseres Interviews. „Aber das ist keine bewusste Entscheidung, wir haben nur noch nicht das richtige Outlet für diesen Sound gefunden.“ Seinerzeit klang das nach „Nur eine Frage der Zeit“. Nach einer Formalie im Alles-ist-möglich-Kosmos des verschworenen Kreativduos mit glorreicher Vergangenheit bei At The Drive-In und goldener Gegenwart bei The Mars Volta. Heute, geschlagene sechs Jahre später, wirkt es wie ein Wunder, dass es Bixler und Rodriguez überhaupt noch im Doppelpack gibt. Die Gründungsumstände von Antemasque liegen auch Monate nach den ersten Lebenszeichen im Dunkeln. Irgendwie haben Rodriguez und Bixler jedenfalls ihren Streit beigelegt, der das Ende von The Mars Volta besiegelt und Rodriguez’ erste Schritte mit der neuen Band Bosnian Rainbows überschattet hatte.

Sie mussten also einen ziemlichen Umweg nehmen, um jetzt auch den Teil ihrer vielseitigen Musiksozialisation offenzulegen, den sie lange Jahre zwar nicht geleugnet, aber auch nicht hofiert hatten: Postpunk. Der zeigt sich bei den großen Eklektizisten natürlich nicht in seiner Reinform, sondern als eine Art Bindeglied zwischen Posthardcore und Progressive Rock, als Kitt zwischen den tektonischen Platten ihrer offenbar unvereinbaren Vorgängerbands. Fest steht: Weder die kurzzeitig live reanimierten At The Drive-In noch die theoretisch reanimierbaren The Mars Volta erschienen Bixler und Rodriguez als „das richtige Outlet“ für die Musik, die sie mit Antemasque spielen. Im Fall von At The Drive-In mag es vor allem daran liegen, dass sie der Schritt zurück in ein streng demokratisches Bandgefüge abschrecken würde. Aber dass Bixler und Rodriguez in ihren neuen Songs auch einen zu radikalen Stilbruch sehen, um sie unter dem eigentlich „Stilbruch!“ schreienden Namen The Mars Volta zu veröffentlichen, das allein spricht Bände.

Was sie uns damit sagen wollen: Antemasque führt ein Eigenleben – egal ob sich die Band als flüchtige Laune oder Modell mit Zukunft entpuppen wird. Rodriguez und Bixler haben eine Best-of-both-worlds-Platte aufgenommen, ihr drittes gemeinsames Debüt betont ausgerechnet den Faktor Zugänglichkeit. Überraschend kommt das zumindest für all diejenigen, an denen vorbeigegangen ist, dass Rodriguez jüngst auch mit Bosnian Rainbows auf Pop-Appeal setzte. Antemasque geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter und holt sich für Songs wie In The Lurch und I Got No Remorse die raue Punk-Kante von At The Drive-In dazu. Zugleich strahlt das Album eine kompositorische Sicherheit aus, die Bixler und Rodriguez nur ihrem langjährigen Höllenritt durch die epischen Weiten der Mars-Volta-Musik verdanken können. So wird Antemasque zum Triumphzug des „Weniger ist mehr“, zum Sieg des Understatement. Am Ende knackt selbst der Song Providence nicht die magische Fünf-Minuten-Marke, wenn auch nur um 13 Sekunden. Früher hätte das bei Bixler und Rodriguez 5:13 Minuten bedeutet. Heute heißt es 4:47.

Leserbewertung: 11.2/12

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