0 Autor: Martin Burger

Starcrawler - Starcrawler

Starcrawler
  • VÖ: 19.01.2018
  • Label: Rough Trade/Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 299

Wer will sie denn hindern, die Kinder, wenn sie Musik lieben? Eben. Starcrawler sind gerade mal strafmündig, dürften für genauso alte Musikfans aber die Tür aufstoßen zu den essentiellen Platten der Ursuppe des Proto-Punk.

Sängerin Arrow de Wilde steckt in einer Zwangsjacke und spuckt Kunstblut, entweder in den Zuschauerraum oder in Kameras. Oder auf ihre Bandmitglieder. Am nächsten Tag trägt sie einen pinken Hosenanzug mit Rüschenhemd über ihrem hageren Körper, während sie ihre Plateau-Stöckelschuhe für eine schmutzige Geste zweckentfremdet, als seien die Posen des Glamrock und die Eskapaden des Weirdo-Punkrocks in Stein gemeißelt wie archaische Fruchtbarkeitsriten auf dem Mauerwerk der Kelten. Auswendiges Rezitieren aus Iggy Pops heiligen Schriften, sozusagen. Oder: Rock in der Blutlinie, denn Arrow ist die Tochter der berühmten Fotografin und Filmemacherin Autumn de Wilde (und Enkelin von Woodstock-Zeuge Jerry), die man in den Credits vieler Alternative-Rockalben der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte findet: Eels, Built To Spill, Ryan Adams, you name 'em. Adams hat sich dann auch als Produzent ihrer Tochter angenommen und lobt Starcrawler in höchsten Tönen – eine Band, die erst ein Jahr existiert und all ihre Riffs und Extravaganzen aus der familieneigenen Plattensammlung zusammenklaubt. Plot-Twist: Das machen sie prima. Kreative Umgebungen bringen eben freie Geister hervor, und in Gestalt von de Wilde und Gitarrist Henri Cash hauchen sie den wohlbekannten Tonfolgen neues Leben ein. Wenn Starcrawler ihre ersten wirklich bestechenden Songs "Chicken Woman" und "What I Want" demnächst als Maßstab nehmen, könnte das längerfristig was werden.

Bewertung: 7/12

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