Allein die Tatsache, dass sie für nahezu jede Veröffentlichung das Label
wechseln, wirft ein bezeichnendes Licht auf Kinderzimmer Productions:
Sie sind einfach zu sperrig, um zielgruppengerecht vermarktet zu werden.
Denn mit der Zielgruppe ist es so eine Sache. Zwar macht das Ulmer Duo
seit über zehn Jahren lupenreinen HipHop, bedient dabei aber weder die
Gangster-Fantasien pubertierender Vorstadt-Kids noch die Kofferraum
füllenden Subwoofer tiefer gelegter Zuhälter-Wagen. Stattdessen setzen
sie sich bevorzugt zwischen alle Stühle: Quasimodo bastelt Beats auf
Ami-Niveau – die aber sind oft zu vertrackt für eine breite Hörerschaft.
Textor spart nicht an jugendgefährdendem Vokabular – reimt dann aber
doch wieder "Adorno" auf "al forno". Kein Wunder also, dass einer der
neuen Songs "Irgendwo zwischen" heißt, sie können eben nicht aus ihrer
Haut heraus. "Irgendjemand muss doch" ist dann auch ein Album, das am
Stück gehört durchaus Spaß macht, dem aber der Übersong fehlt, an dem
man sich einfach nicht satt hören kann. Jeder Track hat seine geilen
Zeilen, die Beats drücken trotz Widerhaken gut nach vorn, hin und wieder
bemüht sich Textor sogar um eingängige Hooklines. Und trotzdem: Alles
ist ‚nur' gut, nichts herausragend. Damit haben sie zwar immer noch
eines der besten HipHop-Alben des Jahres gemacht – angesichts geradezu
lachhafter Konkurrenz wäre aber auch alles andere ein Desaster.
Bewertung: 8/12
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