Billy Talent tragen ihren Nachnamen mit Recht.
Sind Billy Talent etwa die etwas entschlackte und mit zwei Schippen Pop-Appeal angereicherte Rock-Version von Refused? Oder doch eher Nirvanas ballastlose und durch die Erfahrungen der 90er gestählte Erben? Das Schlagwort jedenfalls ist klar: Es geht um Energie. Pure, ungefilterte Energie. Vier Menschen machen Musik, und das aus dem schlichten und einfachen Grund, weil es nichts anderes gibt, was derart unmittelbare Wirkung zeigt, was solche Berge versetzende Kräfte freisetzt, was so reinigt, befreit und einen am ganzen Körper und mit Haut und Haaren spüren lässt, dass man verdammt noch mal am Leben ist und diesen Zustand viel zu selten würdigt und auskostet. Billy Talent gelingt dabei das seltene Kunststück, sich schon mit dem Debütalbum einen Namen zu machen, der fernab offensichtlicher Szenen und aktueller Trends flimmert, strahlt und leuchtet. Denn auch wenn sich Sänger Benjamin Kowalewicz gerne, oft und mit absoluter Hingabe die Stimmbänder porös keift – mit Screamo haben Billy Talent nun wirklich nichts zu schaffen. Ein gutes Zeichen für den signifikant hohen Eigenständigkeitsfaktor einer Band stellt immer die Schwierigkeit dar, ihr mit einordnenden Worten, Vergleichen und Zuschreibungen gerecht zu werden, und in dieser Hinsicht kann man hier nur Lob und Anerkennung zollen. Denn was hier alles geboten wird und doch nur unzureichende Eindrücke und Momentaufnahmen liefert, ist aller Ehren und Würden wert: die spastisch zuckende Kraft von At The Drive-In. Der Power-Punch der Foo Fighters. Das verquere Melodie- und Klangverständnis von System Of A Down. Billy Talent sind genauso Metal wie Punk, genauso Hardcore wie Pop. Und Alternative sowieso – zumindest im Wortsinne, denn so klingt zur Zeit keine andere Band auf dem Planeten. Belassen wir es dabei: Es ist einfach Rockmusik. Aber was für welche.
Leserbewertung: 10.7/12
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