0 Autor: Sascha Krüger

Dredg - El Cielo

El Cielo

Dredg ist gelungen, was alle von ihnen erwartet haben: eines der komplexesten, vielschichtigsten und eigenständigen Rockalben des Jahres.

Dredg interessieren sich für Kunst. Sehr sogar. Musik, Bücher, Filme, Lyrik, Malerei - alles Dinge, mit denen sie sich tagtäglich beschäftigen. Auf die Frage nach einer visuellen Entsprechung ihrer Musik sagten sie im Interview: "Dalí-Bilder". Und das Bild passt perfekt. Zerfließende Uhren über abgestorbenen Baumästen, Minotauren mit Engelsflügeln, eine höchst surreale Abbildung der Realität - all das findet sich in "El Cielo" wieder. Ein unglaublich komplexes, von zeitloser Eleganz und Dichte beseeltes Album ist dem Vierer aus Los Gatos, Kalifornien, da gelungen. Mehr noch als auf dem Vorgänger "Leitmotif" hat die Band zu ihrer eigenen Identität gefunden. Sie schreiben Songs von hymnischer Größe, ohne den Rockfaktor zu vernachlässigen. Sie arrangieren Bombast, Manie, Eigenwilligkeit, massive Gefühlsbäder, verdrehte Rhythmen, plötzliche Tempowechsel und zutiefst ergreifende Melodien zu einem Klang-Monolithen, der dem Hörer unter die Haut fährt, die Augen schließen und tief, sehr tief eintauchen lässt. Klar, ein bisschen Tool, A Perfect Circle oder Life Of Agony hört man noch immer heraus, aber dahinter ist mehr: Jazztrompeten, Ambientflächen, Dulcimer-Klänge, bulgarische Gesänge, lateinamerikanische Rhythmen... Kurz: In der Songwriting-Welt von Dredg existieren keine Grenzen. Schönheit und Individualismus verbinden sich in selten gehörter Perfektion. Ich bin begeistert.

Leserbewertung: 10.2/12

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