0 Autor: Alexandra Brandt

Tricky - Blowback

Blowback
  • VÖ: 25.06.2001
  • Label: Anti/Epitaph/Connected
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 100

Sieht fast so aus, als hätte Tricky nun aller Welt ausreichend bewiesen, dass er keine Kompromisse macht und sich nichts vorschreiben lässt. Das neue Album „Blowback" ist sein zugänglichstes seit dem Debüt „Maxinquaye".

Mittlerweile hatte wohl niemand mehr so richtig damit gerechnet, dass von ihm nochmal ein nachvollziehbares, über weite Strecken sogar ausgesprochen songorientiertes Album erscheinen würde. „Blowback" ist immer noch extravagant, aber nicht vollkommen outstanding. Es ist strukturiert genug, um in einem Zug durchgehört zu werden, und so vielfältig, dass man bei jedem neuen Song aufhorcht. Zwar befindet sich in Trickys Discographie von „Pre-Millenium Tension" (96) über „Angels With Dirty Faces" (98) bis hin zu „Juxtapose" (99) keine wirkliche Fehlleistung - alle Alben haben ihre großen Momente, teilweise geradezu genial aufblitzende Ideen, sind aber eben auch komisch, eigenbrödlerisch, brüchig und in ihrer Gesamtheit eher schwer genießbar. Dass „Blowback" offener ist, könnte allein schon daran liegen, dass es in hohem Maße auf Kooperationen beruht. Tricky hat sich Gäste eingeladen, die die oft immer noch reichlich düstere und beklemmende Grundstimmung seiner Tracks aufreißen. Bei „Excess" unterstützen Stephanie McKaye und Alanis Morrisette Trickys geflüstere Vocals, in der Single-Auskopplung „Evolution Revolution Love" ergibt der von Life-Sänger Ed Kowalczyk glasklar gesungene Refrain einen schönen Kontrast zu den prägnanten Raps von Hawkman. Der gebürtiger Jamaicaner trägt zu fast allen Songs seinen Teil bei und prägt „Blowback" mit seinen Ragga-lastigen Vocals maßgeblich. Ebenfalls an mehreren Songs beteiligt ist die Sängerin Ambersunshower, die auf dem verzerrt groovenden „You Don’t Wanna" für eines der Highlights des Albums sorgt; und das ruhige „Five Days" singt die von Tricky hoch geschätzte 80er-Jahre-Poplady Cyndi Lauper. Etwas deplatziert wirken in diesem Kontext allerdings die beiden Tracks, an dem Teile der RHCP-Besetzung mitgewirkt haben - das von Anthony Kiedis gesungene und von John Frusciante an der Gitarre begleitete „Girls" klingt wie ein schwächerer Track aus der Frühphase der Peppers, und auch „Wonder Woman" mit Frusciante am Gesang und Flea am Bass wäre in seiner fröhlich steppenden Funkyness verzichtbar gewesen. Nichtsdestotrotz: Den Vorwurf, wieder ein eindimensionales Spinneralbum produziert zu haben, muss sich Tricky sicher nicht gefallen lassen. Wahrscheinlich wäre es ihm ohnehin egal, der Mann hat schließlich immer gemacht, was er gerade für richtig hielt. Und diesmal besonders gut.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.