"Eine sonnige Nacht" hat ziemlich großen Wiedererkennungswert. Man würde in einem Wald auf Bäume zeigen, wollte man „hier Tocotronic, da Blumfeld und dahinten ...But Alive“ ausmachen. Die Biographie der Band und die Namen hinter der Produktion ihrer zweiten Platte erklären da einiges, andererseits aber auch wieder nichts. Zum Beispiel nicht, warum deutscher Indierock plötzlich wieder so ergreifend sein kann. In den ganz großen Momenten, und davon sind auf dieser Platte einige, scheinen Tomte die Essenz aus den besten Stücken der obengenannten Vertretern gezogen zu haben. Im allergrößten, „Ich habe eingesehen“, ist auch ein bisschen Dackelblut mit drin. Mögen sie Erben sein oder Retter: Tomte treffen mit einigen Liedern einen Nerv, der ganz weit unter Haut liegt und direkt zum Herzen führt. Deshalb ist hier auch nichts kopiert, denn die Lieder der „Sonnigen Nacht“ sind unmittelbar und ehrlich genug, den Glauben an irgendetwas wieder zu finden. Lieder, die nicht schlafen lassen, wie die Smiths-Reminiszenz „Wilhelm, das war nichts“, und Lieder, die dich auf die Straße schicken, wie „Korn & Sprite“. Hier hat jemand etwas zu erzählen. Hier ist Rock noch eine Herzensangelegenheit. Und versperrt man sich durch allzu viele Referenzen nicht den Blick auf „Eine sonnige Nacht“, dann ist das einfach eine ganz wunderbare Platte.
Bewertung: 10/12
Leserbewertung: 10.7/12
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