Es hätte schlimmer kommen können: Bowie müht sich nicht mehr um alte Fehler, läßt nicht wieder den müden thin white duke raushängen, giert auch nicht mehr jedem Paar red shoes hinterher, sondern singt bissig, giftig und so intelligent wie man das von jemandem erwarten sollte, der "Andy Warhol", "Fame", "Fashion" und weitere 74 lebenswichtige Lieder geschrieben hat. Auf "Outside" folgt er seiner zwischen 76 und 81 eingeschlagenen Linie: Geniale Popstrukturen werden moritatenhaft betextet und sphärisch ausgemalt. Die Songs wirken endlos, aber so klar konturiert, daß sie eher einer gläsernen Wolkenkratzer-Architektur wie der von Philip Johnson ähneln, von dem Bowie auf "Thru These Architects Eyes" singt. Nur ab und zu werden die Stücke mit sonorem Baß oder gepitchtem Stimmfiepen unterbrochen, die eine schlüpfrige Detektiv-Geschichte erzählen. Bei "Stranglers When We Meet" zuckt es dann im Herzen - so schnell können die 18 Jahre seit "Heroes" gar nicht vergangen sein. Daran ist Bowie natürlich nicht ganz unschuldig. Warum macht er auch eine Platte, die zur Zeit paßt und doch aus einer anderen kommt? Daß Trent Reznor die erste Single remixt hat, sagt eigentlich schon alles. Glamourös, psychedelisch, barock, minimal und sehr groß.
Bewertung: 11/12
Leserbewertung: 9.0/12
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