0 Autor: Jörg Staude

Pearl Jam - Binaural

Binaural

Mit neuem Produzenten und überdachtem Konzept liefern Pearl Jam ihr bestes Album seit "Vs." ab. Was allerdings kein Vergleich sein soll.

Denn Pearl Jam haben sich mit jedem ihrer sechs Alben neu definiert. Und gerade das macht diese Band aus. Unberechenbar, ständig auf der Suche nach neuen Inspirationen und trotzdem locker. Obwohl sie das steif-dogmatische Element seit der letzten US-Tour abgelegt haben, ist "Binaural" dennoch das am meisten produzierte PJ-Album. Nicht nur wegen des Titels (zu deutsch etwa: mit beiden Ohren hörend) sollte man sich die 13 Songs zuerst mit Kopfhörer zu Gemüte führen. Denn was die Band mit Unterstützung von Tchad Blake (Produktion) und Brendan O'Brien (Mix) diesmal zustande gebracht hat, ist bemerkenswert - obwohl sich das Gros des Songwritings auf mehrere Mitglieder (Vedder, Gossard, Ament) verteilt, gelingt es Pearl Jam trotzdem, wie eine dichte Einheit zu klingen. Auch diesmal sind es nicht die straighten Rocker wie "Breakherfall", "God's Dice" oder "Grievance", die das musikalische Rückgrat der Band bilden, sondern die Atmosphäre in Songs wie dem poppigen "Light Years" oder im vielleicht besten Stück des Albums, der Gossard-Ballade "Thin Air". Wer "Last Kiss" mochte und auch die Möglichkeit hatte, die letzte Weihnachts-Single zu hören, kann sich ungefähr vorstellen, in welche Richtung diese Ausnahmekomposition geht. Keine Frage, Pearl Jam sind nicht mehr die wütenden Ankläger oder das schlechte Gewissen der (US-)Nation früherer Tage. Dennoch haben sie es geschafft, ihren Stellenwert auszubauen, indem sie eine sehr warme, offene, verspielte und selbstsicher wirkende Platte aufgenommen haben. Vor allem Ex-Soundgarden-Drummer Matt Cameron fügt sich mit seinem variablen Spiel so homogen ein, dass man wirklich nur darauf brennen kann, die neuen Stücke auf der Bühne zu erleben. Denn genau dafür sind sie gemacht, der Raum für Improvisation ist so groß wie nie zuvor. Respekt.

Leserbewertung: 10.1/12

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