0 Autor: Ingo Neumayer

Muse - Showbiz

Showbiz
  • VÖ: 07.09.1999
  • Label: Mushroom/Taste/Motor
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 80

Lights, Camera, Action: Die Lorbeeren, die Muse schon im Vorfeld dieser Platte verliehen wurden, hätten durchaus ausgereicht, um damit Julius Caesar, das gesamte Team der Denver Broncos und Paul Bocuses Küchenbedarf für einen Hochsaison-Monat zu versorgen.

Hype oder Hit, berechtigt oder nicht - die Antwort auf diese Fragen gibt "Showbiz", dauert genau 49 Minuten und 52 Sekunden und lautet schlicht und einfach: Ja. Und wie! Das britische Trio schüttelt eine der schönsten und aufregendsten Platten des Jahres aus den Ärmeln, die einen mehr als einmal fragen lässt, ob hier nicht die Biographien von Chris Wolstenholme, Matthew Bellamy und Dominic Howard redigiert wurden. Die sollen erst Anfang 20 sein? Dammit! Muse erweisen sich als virtuose Meister der Gefühlsklaviatur und erstellen im Emotionsüberschwang die Blaupause für die Rockoper 2000, an der sich eine ganze Menge Musiker messen müssen und wahrscheinlich die Zähne ausbeißen werden. Das britische Trio macht einfach alles richtig; auf "Showbiz" stimmt das Verhältnis zwischen alles wollen und alles können jederzeit. Hier kommt Cobain'sche Wut genauso authentisch auf den Punkt wie das dramatisch-schwülstige Arrangementvermögen eines Freddy Mercury zu frühen Queen-Zeiten, trifft Placebos Sinn für lasziven Ausdrucksrock auf die verletzlichen Tiefseelen-Epen Radioheads. Dieses Album hat mehr große Gesten und Momente parat als so manche Oscar-Verleihung und WM-Pokalübergabe zusammen, bietet wohlplazierte Spannungsbögen und unerwartete Wendungen sowohl in Albumlänge als auch im Binnenformat der einzelnen Songs, die in Hitchcocks bester Suspense-Tradition stehen und auch bei täglichem Konsum nichts, aber auch gar nichts von ihrem Reiz verlieren. Beängstigend gut.

Leserbewertung: 9.8/12

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