0 Autor: Florian Zandt

Quicksand - Interiors

Interiors

Was soll man groß sagen, wenn Walter Schreifels sich nach 22 Jahren wieder auf seine wichtigste Band besinnt? Vielleicht das: Quicksand ist der Eimer, der so gut zu Schreifels' Arsch passt wie kein zweiter.

Wobei man an dieser Stelle schon ehrlich sein muss: Ganz so viel Biss und Dampf wie auf ihrer bislang letzten Platte "Manic Compression" haben weder Schreifels noch seine beiden Mitmusiker – Gitarrist Tom Capone war aus gesundheitlichen Gründen nicht bei den Aufnahmen dabei und hat die Band inzwischen verlassen, nachdem er auf Tour durch die USA in Phoenix verhaftet worden war. An die Stelle des stellenweise keifenden Frontmanns tritt dafür eine Inkarnation von Schreifels, die ihren Einflussbereich vom Post-Hardcore auf Alternative, Emo, Psych- und Punkrock ausgeweitet und schon seit einigen Jahren die Stimme gefunden hat, die wirklich zu ihr passt. Gorilla Biscuits, Rival Schools, Vanishing Life, Dead Heavens, Schreifels' Soloarbeit: All das kulminiert in dem zurückgelehnten, manchmal beinahe leicht lallenden Vortrag, der seinen Gesang auf "Interiors" bestimmt.

Die Tendenz zur neuen Langsamkeit und schweren Grooves, die die angeknacksten Kompressor-Gitarren aufbrechen und in ruhigere Bahnen lenken, kommt dem gerade über die letzten Releases verfestigten Stil des musikalischen Wandervogels Schreifels durchaus entgegen. 2011 spricht Schreifels noch in einem Interview darüber, dass die Deftones – damals schon mit Beteiligung von Quicksand-Bassist Sergio Vega – wohl zu dem geworden sind, was sein Hauptprojekt hätte sein können: Eine deutliche Weiterentwicklung dessen, was sich Ende der 90er unter dem Dach des Alternative Metal Bahn brach. Genau an diese Band erinnert die Rhythmik, die Vega schon im Opener "Illuminant" in den Mittelpunkt stellt. Ohnehin ist "Interiors" eine Platte, die sich weniger über komplexe Melodien als über die Gegenüberstellung von fuzzigem Bassspiel und den schon in der ersten Phase von Quicksand beliebten dissonanten Bendings und Quietsch-Kapriolen, für die diesmal allerdings Schreifels selbst verantwortlich war, und verdeutlicht, wie sehr er durch die richtige musikalische Untermalung gewinnt.

"Under The Screw" beispielsweise webt Capones monotones Spiel um den gewohnt pointierten Gesang von Schreifels, während die Gitarre im Intro zu "Warm And Low" zunächst tierisch nervt, bis sie sich dann doch noch im Delay-Regen und einem pulsierenden Bass auflöst wie Honig in heißer Milch. "Cosmonauts" taucht die Zehen in shoegazigen Emorock, bewahrt sich allerdings seine Heaviness, während "Feels Like A Weight Has Been Lifted" in seinem nervösen Schlagzeugspiel und den kantigen Akkorden an Snapcase zu End Transmission-Zeiten erinnert. Die instrumentalen Interludes ">" und ">>" erinnern mit ihrem psychedelischen Vibe hingegen an Schreifels On-Off-Beziehung Dead Heavens.

Dass Quicksand über die gesamte Albumlänge nicht übers Midtempo hinauskommen, ist angesichts des weiterentwickelten Sounds nicht weiter schlimm – vor allem, weil sie die Platte dank "Normal Love" mit einer perfekten Symbiose ihrer Einzelteile abschließen.

Leserbewertung: 11.0/12

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