0 Autor: Carsten la Tendresse

Nick Cave & The Bad Seeds - The Boatman's Call

The Boatman's Call

Die Weisheit, daß die begehrenswerten Frauen für ihn immer zu schön, um es fassen zu können, zu feige, um Probleme gemeinsam zu durchstehen, zu weit weg oder zumindest der Beweis für die Existenz Gottes sind, ist aus dem Munde von Nick Cave erstmal nichts Neues.

Aber das waren Geschichten von Mord und Totschlag auch nicht. Trotzdem hat diese Platte über Liebesleid und dessen mystische Verknüpfungen mit religösen Konzepten wieder mal - trotz oder gerade wegen ihres Traditionalismus - eine so unermeßliche, souveräne Größe, daß man langsam feststellen muß, daß nur diese blöde Postmoderne schuld daran ist, daß Cave nicht längst so groß ist wie es z.B. Sinatra einmal war. Extrem spärliche Instrumentierung, vorsichtige Geigen, Pianos und Akkordeons, leise, verhaltene Stücke mit riesengroßen Gesten und unzählige verschiedene Perspektiven auf Caves Obsession gegenüber Frauen sowie die Unmöglichkeit, langfristig mit ihnen leben zu können, sind die Bausteine eines weiteren "Konzeptalbums". Nach der reinen Fiktion der "Murder Ballads" kommt hiermit das genaue Gegenteil, nämlich der Seelenstrip, verkleidet als Entertainer-Pose. Und somit ist "The Boatman`s Call" nicht nur die unrockigste Platte, die Cave je aufgenommen hat, sondern wohl auch die privateste.

Leserbewertung: 9.0/12

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