0 Autor: Markus Hockenbrink

Okta Logue - Diamonds And Despair

Diamonds And Despair

Mellow Gold: Okta Logue kriegen ihren Spätsommernachmittag nicht mal dann aus dem Herzen, wenn sie es versuchen würden.

Dabei werden die Schatten länger auf "Diamonds And Despair", dem dritten Album der Psych-Popper aus Griesheim. Dem 2011er Hit "Bright Lights" stehen plötzlich Titel wie "Pitch Black Dark" oder "Helpless" gegenüber, und in "Distance" hört es sich so an, als würden verpasste Chance beklagt: „How many days we’ve wasted on/ Getting high out in the sun.“ Dabei war das Highwerden, musikalisch gesprochen, bis jetzt eine große Spezialität der Band, und zwar wohlgemerkt nicht das sinnlose Abschießen mit der Hausbar, sondern der gepflegte Trip durch offene Gehirnfenster inklusive schaumgebremster Landung. Auf den neuen Songs ist viel von Loslassen und Weggehen die Rede, Bitternis oder wirkliche Verzweiflung sucht man indes vergebens. Okta Logue neigen auf der gesamten Gefühlsskala zum sanften Ausdruck; Freude und Melancholie werden hier gleichermaßen lässig artikuliert. Dazu passt die einnehmende Mischung der Musik. Die 13 Songs liefern das ganze Hippieglück, das zwischen 60s-Psychedelic und 70s-Prog zu finden ist, sparen sich dabei aber genau die Elemente, die damals schon irritierten: die Großkotzigkeit, die Langatmigkeit, die Selbstverliebtheit und den fast schon obligatorischen Gniedelexzess. An ihre Stelle tritt eine feine Popsensibilität, die mit hübschen Melodien und überraschenden Effekten aufwartet. Dass Philip Melois Gitarre wieder einmal eine Hauptrolle spielt und praktisch die ganze Zeit an der extralangen Leine geführt wird, lässt "Diamonds And Despair" klanglich besonders kohärent erscheinen. Eine Wellnessoase für die Ohren.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.5/12

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