0 Autor: Daniel Thomas

Kadavar - Berlin

Berlin

Länger denn je hat sich das Vintage-Rock-Trio für sein drittes Album im Candy Bomber Studio im stillgelegten Flughafen Tempelhof verschanzt. Es hat sich gelohnt: Besser haben Kadavar nie geklungen.

Für "Berlin" feilte die Band minutiös an ihren Arrangements, präsentiert ausgefuchstes Songwriting, verfeinertes Sound- und Klangspektrum und wagt unverhoffte Experimente – alles ohne ihre Ideale zu verraten. Die Platte ist weniger spröde als seine Vorgänger, aber immer noch körnig. Die Songs versprühen eine raumgreifende Atmosphäre, sind regelrecht breitwandig, aber nie breitbeinig. Die Produktion klingt modern und trotzdem retro. Retro genug jedenfalls, um die langen Bärte zu rechtfertigen und Black Sabbath nach wie vor blind in jeder Rezension zu droppen. Das wissen auch Kadavar und kommentieren das ironisch mit dem Titel "Last Living Dinosaur". Generell sind es aber eher große Momente als komplette Songs, die dieses Album auszeichnen. Wenn, wie etwa im spacigen "Into The Night", nach drei Minuten aus einem verschachtelten Triolen-Motiv eine ornamentale Hymne entwächst, übermannen Glücksgefühle, die man dieser Musik von Natur aus eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Und dann ist da noch das Nico-Cover "Reich der Träume2 – der unwirklichste aller Kadavar-Songs, für den Sänger Christoph Lindemann erstmalig auf Deutsch singt. Getarnt als Bonustrack, setzt die Interpretation eine beklemmend psychedelische Melange aus Pink Floyd und The Hirsch Effekt (ohne Mathcore-Attacken) frei: Sägende Gitarren, Tropfsteinhöhlen-Synthesizer und ein Melodica-Solo prägen den Schwanengesang, mit dem sich Kadavar für die Zukunft neue Optionen frei schaufeln.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.3/12

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