0 Autor: Florian Zandt

Metz - Metz II

Metz II

Was haben Metz nur mit ihren Nickerchen? Wie ihr selbstbetiteltes Debüt ziert auch das Cover des simpel "Metz II" benannten Nachfolgers ein Stillleben aus scheinbar schlummernden Protagonisten und monochromer Tristesse – und das, obwohl das Trio genauso ungehemmt wie noch vor drei Jahren auf seine Instrumente eindrischt und Schlaf für die Dauer von "Metz II" eigentlich kein Thema sein dürfte.

Dabei beginnen Metz ihren Höllenritt für Bandverhältnisse eher zurückgenommen mit einem fuzzigen, saugroovigen Bass-Lick, das zwar kaum krachig, aber dafür umso bedrohlicher klingt. Nach knapp 20 Sekunden rotzt Sänger und Gitarrist Alex Edkins einen dicken Klumpen Riff-Dissonanz dazwischen und gibt mit den Textzeilen „She’s barely breathing/ I’m wading through puddles on the floor“ die Marschrichtung des Albums vor. Es wird laut, es wird unangenehm und auf den Punkt. Damit spiegelt es perfekt die mittlerweile schon etwas zurückliegende Vergangenheit ihres Labels Sub Pop wider, auf dem "Metz II" erscheint: als missmutiger Krach noch wichtiger war als patenter, aber bekömmlicher Indierock. Auch dank Edkins’ Stimme fühlt man sich zurück in die 90er Jahre katapultiert. In ihrem unbekümmerten, mit Hall versetzten Timbre zwischen Rotz und Lässigkeit werden Erinnerungen an die Melvins, Big Black oder Sonic Youth wach. Kein Wunder, sind letztere doch laut eigener Aussage die größten musikalischen Helden des Trios. Den Hang zum ausufernden Jam haben sich Metz von ihren New Yorker Vorbildern aber nicht abgeschaut. Zwar kommen vier der zehn Songs der Platte über eine Spielzeit von drei Minuten, aber selbst in "Spit You Out" oder dem letzten Song "Kicking A Can Of Worms", der die Platte mit kratzigen Feedback-Sounds beschließt, ist kein dissonanter Akkord zu viel und keine schiefe Harmonie als Lückenfüller eingebaut. Tracks wie das pulsierende "IOU", das durch das kompromisslose Schlagzeugspiel von Hayden Menzies trotz Geräuschkulisse in die Beine geht, oder "Wait In Line", dessen Gesangsharmonien nach den Beatles auf Sludge klingen, haben ohnehin kein Problem mit der Balance zwischen rationaler Pop-Denke und Noise-Krawall. Trotz aller Ökonomie behält letzterer immer die Oberhand und lässt den Hörer nach beinahe punktgenauen 30 Minuten Krach ziemlich ausgelaugt zurück. Und darin liegt vielleicht auch die Antwort auf die Frage, warum Ermüdung das zentrale Cover-Thema von Metz zu sein scheint: Bei diesem vorlauten Bastard aus Noise, Punk und Hardcore kann, wenn man alles richtig macht, am Ende nur die totale Erschöpfung stehen.

Leserbewertung: 1.0/12

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