4 Autor: Florian Zandt

Kraftklub - In Schwarz

In Schwarz
  • VÖ: 12.09.2014
  • Label: Vertigo/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 259 - Schönheit der Ausgabe

Das stete Augenzwinkern von ihrem ersten Album Mit K haben sich Kraftklub auch auf In Schwarz bewahrt. Dafür neu: Statt sich nur in Versatzstücken bei schwedischen Garagenrock-Bands zu bedienen und dann doch größtenteils Tanz-Indie mit gewitzten Raps zu kombinieren, haben die Chemnitzer für ihre neue Platte den Proberaum der Hives leergeräumt und die Amps auf elf gedreht. Das steht der Band besser als jedes Polohemd und jeder Hosenträger.

Die Grundidee von Kraftklub ist ohnehin schon ziemlich smart: Mit Songtextzitaten aus zwei bis drei Jahrzehnten Popkultur unter dem Arm machen sie unweigerlich in die Beine gehenden Indierap und holen so Hörer aller Altersschichten ab. Dass der Band aus Chemnitz aber auch laute Gitarren genau so gut liegen, wird erst auf ihrem zweiten Album In Schwarz ersichtlich. Auch ohne The vor dem Bandnamen ist Kraftklubs neue Platte zwar immer noch Zitat-Rock, schüttelt den Disco-Indie allerdings erfolgreich ab und schlüpft behände in das Jackett, das schon zahlreiche Garage-Revival Bands vor ihnen eingetragen haben. Schon im Opener Unsere Fans keift die Gitarre so giftig aus den Boxen, dass man als Hörer zuerst denkt, man hätte die falsche Platte aufgelegt. Zumindest so lange, bis Frontmann Felix Brummer gewohnt lässig und ironisch gebrochen über den pumpenden Beat rappt und sich – ebenso erwartbar – im Refrain mit seinem Bruder Till und dessen garagigen Rotzgesang abwechselt.

Auch der zweite Song Alles wegen dir kennt sein Publikum nur zu gut und teilt mit Zeilen wie „Sogar irgendwie ganz gut der neue Song von Beyoncé/ Selbst die Frida-Gold-Single ist…nein, ist sie nicht“ amüsante Seitenhiebe gegen Musikerkollegen aus, bevor er sich im stampfenden, Tamburin-verstärkten Chorus in Richtung Skandinavien verneigt. Dass die Band theoretisch auch ohne Probleme zwischen die gereckten Fäuste und grenzenlosen Bierlachen einer schmutzigen Keller-Show passt, beweist das Quintett mit dem vorletzten Stück von In Schwarz. Nicht nur, weil im ungewohnt melancholischen und direkten Schöner Tag Superhomie Casper inmitten von dunkelschwarzen, ungewohnt peitschenden Gitarren die Punk-Sau von der Leine lässt. Schade, dass Kraftklub ihr Album nicht mit diesem bockstarken Statement ausklingen lassen, sondern mit dem letzten Song Deine Gang wieder auf altbewährte, wenn auch mit groovender Sologitarre aufgewertete Selbstironie setzen. Denn in seinen ehrlichsten Momenten und den ungewohnten Blicken über den Tellerrand steckt das eigentliche Potenzial von In Schwarz – großen Spaß macht das Album ohnehin.

Leserbewertung: 7.2/12

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Kommentare (4)

Avatar von usopp usopp 12.09.2014 | 20:20

Wie zu erwarten ist der Novelty-Faktor bei Album Nummer zwei schon komplett weg. Braucht kein Mensch.

Avatar von roquai roquai 13.09.2014 | 05:02

jau, musikalisch gesehen ein komplettes Album dieselbe Schiene

fahren, nur um dann über Fahrräder zu singen, ist dann doch etwas

wenig. - ich bin enttäuscht

Avatar von Anthracite and Equinox Anthracite and Equinox 16.09.2014 | 18:53

Ist in etwa das Album geworden, was zu erwarten war. Musikalisch gesehen weitestgehend das bewährte Rezept, wenige Überraschungen, trotzdem gut anzuhören und unterhaltsam.
@roquai, gerade das Lied "Mein Rad", das du als langweilig bezeichnest, finde ich textlich echt originell, da herrlich zweideutig.

Avatar von animalgod animalgod 06.10.2014 | 09:32

Für mich das bessere, weil hochwertiger produzierte, Album. Klar gibt es keine wirklichen Überraschungen, aber auch meiner Meinung nach keine Ausfälle oder Füller. Das Album hat einfach mehr Druck auf dem Kessel, als "Mit K". Was allerdings danach noch kommen soll, weiß ich auch nicht...

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