Ween - The Mollusk
Schon wieder eine Ween-Platte, die uns bornierten Skeptikern drastisch vorführt, daß auch in eigentlich streng tabuisierten Regionen der Musikgeschichte Verwertbares zu finden ist, wenn man nur die richtigen Sachen einfach wegläßt und anderes dran- und drumherumbaut:
Mike Oldfield („The Golden Eel"), Muppet Show („I’m Dancing..."), das rustikale Sauflied im erweiterten Pogues-Verständnis („The Blarney Stone"), Prog-Rock-Versatz-Puzzles („The Mollusk"), köstlicher Pop-Schmalz („It’s Gonna Be (Alright)") - alles Ween, alles plötzlich toll, und auch noch aus der Hüfte heraus professionell gespielt. Ich versteh’ die Welt nicht mehr so ganz. Und überhaupt das beste: Ween beschränken sich natürlich nicht auf bloßes komisch sein, sondern halten kühn enigmatisch in der Grauzone zwischen Ironie, Pubertäts-Humor und trockenstem Ernst die Stellung. Ween sind jedenfalls eine kleine Revolution, und nicht nur als überraschend erfolgreicher Rehabilitationsversuch für bis dato schwer verachtete Musiken, sondern auch im Sinne von ‘die ganze Rockgeschichte unter einen Deckel bekommen und trotzdem nicht willkürlich werden’. Das hier ist wohl nach dem drolligen Ausflug ins Country-Geschäft und ihrer unglaublichen Kollaboration mit den Boredoms unter dem Arbeitstitel ‘Z Rock Hawaii’ der voll legitime Nachfolger zum „Chocolate And Cheese"-Überflieger. Die Ween-Mania steht schon hinter der nächsten Ecke und wartet nur auf eine gute Ausbruchsgelegenheit. Ich bin dabei.
Leserbewertung: 10.5/12
Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.