3 Autor: Dennis Plauk

Baroness - Yellow & Green

Yellow & Green
  • VÖ: 20.07.2012
  • Label: Relapse/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 232

Baroness haben jetzt alle vier Farben – rot, blau, gelb, grün – zusammen, dabei wäre "Black Album" in Anlehnung an Metallica der bessere Titel für ihre dritte LP gewesen. Denn so wie damals bei denen ist aus der Metal- die Rockband Baroness geworden.

"Der dreiköpfige Schwan ist ein Design, das ich für das Innen-Artwork der Platte eingeplant hatte, als eines von mehreren Motiven in diesem Stil. Aber aus Zeitmangel konnte ich nur das eine Bild anfertigen, weswegen ich schließlich ganz davon abgesehen habe. Ich mag auf jeden Fall das pseudoreligiöse Motiv der stigmatisierten Vögel." John Baizley, Sänger, Songwriter, Gitarrist und Art Director von Baroness, erklärt das Motiv, das Abonnenten unseres Magazins in diesem Monat auf der Titelseite sehen. Glück für uns, Pech für Baroness, denen am Ende die Zeit weggerannt ist beim wohl längsten und ambitioniertesten Album, das sie jemals aufnehmen werden. "Yellow & Green" ist Zeugnis einer Band, die sich nach Jahren ständiger Tourneen mit der gleichen Rastlosigkeit in die Studioarbeit gestürzt hat wie in ihre Konzerte. Ein Geschenk von Getriebenen. Man hört es der Platte an vielen Stellen an, allerdings an nicht so vielen, wie man erwarten konnte. Bisher galt die Regel: Alle zwei Platten verändern Baroness ihr Gesicht. Auf den EPs "First" (2004) und "Second" (2005) spielte die Band aus Savannah klaustrophobischen Sludge-Metal, bevor sie auf den LPs "Red Album" (2007) und "Blue Record" (2009) den Fokus auf harmonische, zugleich progressivere Elemente lenkte. Eigentlich müssten nach diesem Rhythmus nun zwei Platten folgen, die die nächste Evolutionsstufe von Baroness repräsentieren. Tatsächlich reicht eine, weil zwei in ihr stecken: "Yellow & Green" ist ein Doppelalbum, und es hat genau genommen nicht mehr viel am Hut mit Metal. Würde Baizley vor allem im ersten Viertel des Albums nicht immer wieder so prächtig prollig grölen, wie man es von ihm gewohnt ist – kein Mensch käme auf die Idee, Baroness für etwas anderes als eine ambitionierte Rockband zu halten. Ob man diese Entwicklung nun kommen sah angesichts ihrer sinkenden Heaviness über die Jahre oder für verfrüht, wenn nicht gar verfehlt hält – Stand 2012 ist: "Blue Record" war das letzte Metal-Album von Baroness. Andererseits vermittelt das "Blue Record"-Songdoppel aus der barocken Halbballade "Steel That Sleeps The Eye" und ihrem schnoddrigen Uptempo-Ableger "Swollen And Halo" einen Eindruck vom Stilspektrum auf "Yellow". Die erste Seite braucht fünf neue Stücke, bis mit "Cocainium" ein erstes neuartiges folgt. Gitarrenhall und Discobeat inklusive: Näher an den Pink Floyd von Mitte der 70er waren Baroness nie. "Green" hingegen vereint in sich das Beste, was Postrock und Posthardcore bieten. Hier sind Baroness nur noch ein Schatten ihrer eigenen Vergangenheit, nicht auf Kosten der Qualität, aber der Härte: Eine metal-affine Postrockband wie Russian Circles klingt mehr nach Metal als die ehemalige Metalband Baroness, die auf einmal Postrock spielt. Oder beerben Baizley & Co. eher den epischen Konzept-Hardcore von Bands wie Thrice und Fucked Up, die gerade aus dem Leben scheiden? Auch dafür liefert "Green" Indizien. Verbindlich ist an Baroness derzeit nur ihre Unverbindlichkeit – "Yellow & Green" ist der Soundtrack einer Band im Übergang. Überwältigend. Erschöpfend. Einzigartig.

Leserbewertung: 10.2/12

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Kommentare (2)

Avatar von immauel immauel 20.07.2012 | 10:35

Vielleicht brauch ich noch drei Durchgänge, um den Hype auf allen Kanälen zu verstehen... War das rote noch eine Urgewalt und das blaue ein Phänomen, so ist das gelb-grüne doch nur die Kapitulation vor dem Mainstream. Das ist mehr Nickelback als Baroness - und was das bedeutet, kann ja jeder selbst beurteilen..

Avatar von schygiel schygiel 20.07.2012 | 13:10

hab mit Yellow angefangen und kann zu der Qualität der Songs noch nichts sagen aber die Produktion klingt ja mal Megascheiße. Abmischung ist Mist, Die Gitarren sind so verzerrt und verwässert, dass meine Boxen rebellieren (und die waren nicht billig) Die Vocals sind entweder zu hoch oder zu tief abgemischt. Die lauteren Parts sind so laut, dass ich ständig die Lautstärke anpassen muss weil mir der Hochtöner sonst um die Ohren fliegt. Die tiefen Töne (Bass) ist kein Bass sondern ein krächzendes Wummern. Was ist da los? Ist das jetzt Mode scheiße zu klingen? Die Songs klingen ja ganz ok nach dem ersten hören aber die Produktion ist der totale Mist. Werd mir die Tage mal die LP anhören...

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