2 Autor: Britta Helm

Samiam - Trips

Trips
  • VÖ: 09.09.2011
  • Label: Hopeless/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 222 - Schönheit der Ausgabe

Was daran jetzt wieder fünf Jahre gedauert hat? Vielleicht der Entschluss, dass Punk früher schon gut genug war.

Wenigstens, das vorab, ist der Sound auf Trips nicht mehr so vergrützt wie zuletzt 2006 auf dem Comeback-Album Whatever’s Got You Down, das Cover dafür mit anderen Mitteln ähnlich hässlich. „I’ve been away for so long.“ Eigentlich ist auch Trips nach so viel Pause schon wieder ein Comeback-Album, das könnte langsam anstrengend werden, hätten Samiam sich nicht große Mühe gegeben, allen Ballast vom Ballon zu schneiden, bis nur noch Spaß und Schwung und poppiger Punk den Korb schaukeln. „But I finally figured out/ I need to be around.“ Der Opener 80 West ist keine zwei Minuten lang und die älteste Ansage der Welt (sie sind wieder da, aber hallo), How Would You Know erzählt das Skaterboy-Dreieck in neuer Besetzung nach, in Free Time ist Samiam langweilig. „I don’t have to get up so I don’t sometimes.“

Das gab es alles schon, damit wurden Kickflips und fiese Treppenstürze unterlegt, bevor irgendwer auf Postrock umgeschwenkt ist. Samiam erfinden mal so gar nichts neu, nicht die kumpeligen Melodien, nicht die Chöre, nicht das schubsende Schlagzeug mit der urksigen Hi-Hat. Aber wenn man schon nichts falsch machen kann, dann auch richtig. Bis auf die Beziehungsschluss-Ballade Happy For You am Ende kommt kein Song ganz runter, alles platzt vor Pubertätsgefühlen und Übermut, wenn man es nicht besser wüsste, würde man ihnen dafür abgeschnittene Dickies und Tennissocken rauslegen. "Trips" ist der perfekte Begleiter für alberne Unternehmungen an offenen Fenstern, pausenlos gut gelaunt und immer schon um die nächste Ecke, bevor es langweilig wird.

Waren Samiam mal wichtiger? Sicher. Aber die Gitarrenohrwürmer, die einem die Kniekehlen kitzeln, sind ihr Ding, damit können sie machen, was sie wollen, und wenn es eingängiger ist als je zuvor. Natürlich hat Jason Beebout sich immer noch nicht das Kratzen aus dem Hals gefischt, das ausgerechnet auf Whatever’s Got You Down Unzufriedene zu Hot-Water-Music-Sticheleien trieb, natürlich klingt Trips immer noch nicht halb so poliert und kalkuliert wie die jungen Kollegen mit den noch jüngeren Fans. Wenn es schon um Ausflüge geht, dann nicht um Besuche bei Freunden und Feinden, sondern um spontane Touren direkt nach dem Aufwachen und ohne großes Überlegen. Kurz an den Socken von gestern gerochen, Wassereis von der Tankstelle und Verdeck ab. Und dann als erstes Crew Of One ins Kassettendeck, auf dem Lenkrad mittrommeln, die „Oooh“-Chöre mitschmettern, für die Wildesten: Luftgitarrensolo. Nicht groß nachdenken, nur mitmüssen.

"Eine Band, die eigentlich keine mehr ist, kann sich auch nicht auflösen. Aber wir waren kurz davor." Was Sergie Loobkoff über Samiam und "Trips" zu berichten hat, lest ihr im großen Interview in VISIONS 222 - am Kiosk.

Samiam - "80 West"

Leserbewertung: 10.0/12

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Kommentare (2)

Avatar von JakeofallTrades JakeofallTrades 05.09.2011 | 11:07

Das "Samiam" immer in die Abteilung "Teenage Angst" und "Skateboard" gesteckt wird,find ich doch recht schade.Die meist mitschwingende Melancholie in den Songs ist für "Jeden" etwas.Und das mit den "Hot Water Music-Sticheleien" hab ich irgendwie nicht so verstanden......

Avatar von bakbord bakbord 16.10.2011 | 12:17

wächst

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