Der Bart ist immerhin noch dran, und der Folk fehlt natürlich auch nicht. Auch sonst ist alles da, was man vom Songwriter aus Illinois gewohnt ist: die Melancholie in der Stimme, die einnehmenden Texte und vor allem seine unverkennbare Mischung aus Folk und Elektronik. Neu ist indes, dass William Fitzsimmons diesmal nicht von zerbrochenen Familien oder Ehen berichtet, sondern von der psychischen Erneuerung nach seiner Scheidung, die er auf dem letzten Studioalbum "The Sparrow And The Crow" verarbeitet hat. Man merkt ihm die Selbstrenovierung an: Die Songs auf "Gold In The Shadow" sind lebendiger und langfristig womöglich auch besser als die auf dem Vorgänger. Ob schwermütig, bedrückend oder fröhlich: Fitzsimmons hat es alles drauf und bleibt dabei authentisch. Sein Duett "Let You Break" mit Leigh Nash von Six Pence None The Richer etwa versprüht einen ähnlichen Vibe wie "I Don’t Feel It Anymore" von "The Sparrow And The Crow", auch wenn es ungleich elektronischer ausfällt. Der entzückendste Song des Albums ist aber "The Winter From Her Leaving", das für Fitzsimmons-Verhältnisse ein unwahrscheinliches Ohrwurmpotenzial hat. Der Rest des Albums klingt da schon vertrauter nach ihm. Vielleicht zu sehr, denn auch wenn man in fast jeder seiner herzzerreißenden Balladen einen kleinen Geniestreich entdeckt, sollten seine nächsten Platten mehr Abwechslung bringen und William Fitzsimmons als den vielseitigen Künstler präsentieren, der er ist. "Gold In The Shadow" kann höchstens als ein erster Schritt in diese Richtung durchgehen.
Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.8/12
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