4 Autor: Matthias Möde

Foo Fighters - Wasting Light

Wasting Light

Das Album, das wieder so nah an Nirvana ist wie ihr Debüt, bringt die Foo Fighters als laute Band zurück. Angeführt von einem Frontmann, in dessen Gegenwart die guten alten 90er noch lebendig klingen.

Das könnte langsam zur Tradition werden: Die Foo Fighters starten erneut mit dem besten Song in ihr neues Album, spannen uns diesmal aber nicht so lange auf die Folter wie noch mit dem langen Intro von "Pretender" auf dem Vorgänger "Echoes, Silence, Patience & Grace". "THESE ARE MY FAMOUS LAST WORDS!", schreit Dave Grohl im Opener "Bridge Burning" nach wenigen Sekunden mit einer so feurigen Inbrunst, dass man den Worten auch mit Großbuchstaben nur annähernd gerecht wird. Es sind natürlich nicht seine letzten Worte – "Wasting Light" hat im Gegensatz zu "Echoes, Silence, Patience & Grace" zehn weitere bedeutsame Rocksongs zu bieten. Wenn einen etwas kurz an die besinnlichen Minuten des Vorgängers zurückdenken lässt, dann ist es "I Should Have Known", das von Dave Grohls eindringlichem Gesang ungemein profitiert. Dabei steht der ruhigste Track des Albums quasi stellvertretend für die alte neue Energie auf "Wasting Light". Krist Novoselic schaute in Grohls Garage vorbei, um Akkordeon und Bass in "I Should Have Known" zu spielen. Das Licht der Foo Fighters schwindet nicht, es lodert wieder auf: durch die kurzzeitige Rückkehr des Nirvana-Gründungsmitglieds ebenso wie durch die kantige, wuchtige Produktion von Butch Vig, der vor 20 Jahren bekanntlich Nirvanas "Nevermind" produzierte. Eine weitere Personalie, die für neuen sechssaitigen Schwung sorgt: Pat Smear, der kurz vor Kurt Cobains Tod Gitarre bei Nirvana spielte und auch schon einmal zum Line-up der Foo Fighters gehörte. Nach über 15 Jahren klingt die Band, dessen kreatives und repräsentatives Zentrum nach wie Grohl ist, so erfrischend und lärmend wie lange nicht. Mit einem schneidenden Gitarrenriff und verzerrtem Gesang vibriert "White Limo", in dessen ironischem Retrovideo Rock-Prototyp Lemmy Kilmister eine – klar – weiße Limousine steuert, am oberen Ende der Lautstärkeskala. Der Rest auf "Wasting Light" pendelt sich mit dominanten Gitarren, drängendem Schlagzeug und Grohls heißblütigem Gesang kurz vor dem roten Bereich ein. Das beschließende "Walk" etwa puscht sich im Mittelteil herrlich nach vorne und erzählt womöglich die Geschichte der Foo Fighters – zu hoffen wäre es: "I never wanna die, I'm on my knees, I never wanna die." "These Days" wiederum schwingt sich mit schüchternem Beginn, bekannten Mitteln – Steigerungen, Pausen, ein verzweifelter Text über Liebe – und einem überwältigenden Refrain zu einem der besten und unvergesslichsten Songs des Albums auf. In den letzten Jahren wirkten die Foo Fighters in den Medien und auf den riesigen Festival- und Stadionbühnen immer mehr wie die Dave-Grohl-Band. Der langhaarige Hüne steht noch immer im Rampenlicht, stellt seine Mitstreiter allerdings nicht mehr so sehr in den Schatten. "Wasting Light" ist das Album einer Band, die es wie keine andere der wiedervereinigten oder noch aktiven Bands der glorreichen 90er-Grunge-Alternative-Ära versteht, Wurzeln ins Hier und Jetzt zu schlagen – und die dabei trotzdem noch erfrischend und verdammt noch mal nach Rock klingt.

Leserbewertung: 9.9/12

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Kommentare (4)

Avatar von mogi99999 mogi99999 08.04.2011 | 19:28

ich liebe es!! Geniales Album =D

Foos ihr seid die besten!!

Avatar von launched003 launched003 09.04.2011 | 16:52

Foo Fighters sollten nur noch in Daves Garage aufnehmen, wenn dabei immer so etwas brillantes herauskommt!:D

Avatar von lichterkette lichterkette 10.04.2012 | 01:50

einfach nur genial!

Avatar von crisis king crisis king 08.12.2014 | 22:19

Schluss mit dem Fanboygekreische hier. Gegen die Demotape-Rotzigkeit und Jahrhundertmelodien des Debüts kann dieses Album hier nur abstinken.

Für mich ist das hier nur gut produzierter, glatt gebügelter,
("kantige, wuchtige Produktion von Butch Vig"??? wenn dem so ist, dann haben Mr. Vig und der Autor eine eigenartige Definition von wuchtig/kantig...),
ideen- und kraftloser Hausfrauenrock; meistens schön im Midtempo-bereich angesiedelt. Da drückt, kratzt und beißt rein gar nichts mehr (vgl. "This A Call","Alone & Easy Target" oder "Weenie Beenie" vom Debüt.).
Das hier ist ideal für Hipster, die gerade den Rock entdeckt haben, oder Frauen, die mal wieder richtig "harte Maus" spielen wollen...
Allenfalls eine 7, mehr gibt's von mir dafür nicht.

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