0 Autor: Britta Helm

The Unthanks - Here's The Tender Coming

Here's The Tender Coming

Es kann nur eine runde Sache werden, wenn schon das Cover so lange fesselt, wie der sakrale Folk von Anfang bis Ende braucht.

Rachel Unthank, die den Blick zuversichtlich, ja, religiös, gen Licht richtet. Ihre Schwester Becky, die daneben guckt, als hätte sie den Teufel gesehen. Beide nicht aus Fleisch und Blut, ganz und gar zeitlos. Verstörend. Nie käme der Gedanke, zu diesem Album den Kamin zu befeuern oder Pudding zu essen. Wer eine Katze hat, krault sie automatisch, bis sie schreit und wegspringt.

Dabei haben Rachel Unthank & The Winterset (wie sie als Trio mit Geigerin Niopha Keegan hießen) jetzt noch mehr vernünftige Leute um sich herum, die an Klavier, Schlagzeug und einer Reihe Kleinstrumenten versuchen, dem so überdirekten englischen Gesang der zwei das Unmittelbare zu nehmen. Eindringlich ist trotzdem kein Wort. Vom traditionellen "Because He Was A Bonny Lad", das a cappella aufmacht und sich dann hypnotisch umstrichen einschaukelt, bis zum fiddeligen Schlusslicht "Betsy Bell" mit seinen nackten Füßen unter gelupften Röcken setzt sich der Nachfolger von "The Bairns" ungefragt auf Schöße, hüpft huckepack Rücken hoch, raunt und klimpert über die Schulter in beide Ohren. Hier möchte man vor lauter warmer Schönheit in Northumberland begraben werden – und zwar dringend –; dort heitert ein mit karger Gitarre begleitetes „If it wasn’t for bad luck/ We’d have no luck at all“ einigermaßen wieder auf. Mal klagen die Stimmen durcheinander, dann wieder stellen sie sich nacheinander vor die Gruppe, um tragische Geschichten von Liebe und Tod zu erzählen. Käme demnächst das Gerücht auf, dass solch berückende Musik nur hören kann, wer selbst zu den Geistern zählt, würden wir uns zur Sicherheit schnell in die Gänsehaut zwicken.

Bewertung: 9/12

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