Der feuchte Fantraum wird auf „Journal For Plague Lovers“ zumindest ein bisschen wahr. Die Texte basieren auf Edwards‘ zurückgelassenen Aufzeichnungen, das verstörende Cover stammt wie schon 1994 von Jenny Saville. Produziert hat Steve Albini, Bindeglied zu Nirvanas „In Utero“, das die Entstehung von „The Holy Bible“ damals maßgeblich beeinflusste. In jüngerer Vergangenheit sah es eher nach Zersetzung als nach Erneuerung aus: Selbst die Manics wurden älter, fetter, satter. Es ist grundsätzlich gefährlich für eine Band, wenn sie sich von der eigenen Vergangenheit einholen lässt, insbesondere, wenn ein Bandmitglied „verloren“ geht. Die Schaffensphase ist plötzlich zweigeteilt: Es gibt ein Vorher und ein Nachher, und oft reicht das Letztere nicht an das Erstere heran. Die alte Größe wird zur Obsession, zum nicht mehr erreichbaren Idealzustand, der in müden Rezitationen der Vergangenheit immer wieder aufgekocht wird. Den Manic Street Preachers hat der Exkurs in die Vergangenheit allerdings gut getan. Albini hat die Luft aus der aufgeblähten Pathosmaschine abgelassen und wieder Platz für bissige Gitarren geschaffen. Der neue alte Hunger scheint wieder da zu sein und macht „Journal For Plague Lovers“ zu einem kleinen retrospektiven Wunder.
Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.3/12
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