Wahrscheinlich musste der Anstoß aus einer völlig anderen Ecke der Welt kommen, denn in Nordeuropa ging es mit dem Black Metal nicht so richtig weiter. Es gab eine Zeit, da hätte sich Norwegen den Black Metal als regionale Spezialität schützen lassen können wie andernorts Champagner, Cognac, Kölsch, doch in den letzten Jahren hingen die Misanthropen auch dort eher schlaff überm Zaun. Es ist daher vielleicht kein Wunder, dass knapp vor der Haftentlassung Varg Vikernes’ die neue Beseelung von Ex-Punks aus dem Nordwesten der USA kommt, die Satan mal einen guten Mann sein lassen und ihren Radikalansatz mal völlig neu definieren. Es geht um das spirituelle Element, das dem Genre abhanden ging, es geht um einen alternativen Lebensansatz (Öko-Extremismus), keinesfalls mehr um unreflektierten Hass auf die Menschheit per se. Auf dem Vorgänger „Two Hunters“ konnte die Band damit einen Überraschungserfolg landen, und wer sie live sah, war dem Sound völlig erlegen. Die Band allerdings will frei bleiben und sich nicht über atmosphärischen Schnickschnack definiert wissen, der das letzte Album komfortabel auspolsterte. In diesem Sinne betont „Black Cascade“, das dritte Album, den Metal. Ein radikaler Ruf nach einem ursprünglichen Leben ist mit Geschmacksverstärkern eben nicht vereinbar. „Black Cascade“ verlässt sich auf das psychedelische Element des Genres in Reinform und verzichtet weiter geschickt auf die Klischees.
Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 10.5/12
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