0 Autor: Jörg Staude

Pearl Jam - Ten (Redux)

Ten (Redux)

Schon zwei Jahre vor ihrem 20-Jährigen beginnen Pearl Jam mit den Festivitäten. Sie starten dabei wie 1991 – mit einem Paukenschlag.

"Von denen habe ich nur die eine, da sind 'Alive' drauf und 'Even Flow' und der Song mit dem Schulvideo, wie hieß der noch?" So oder ähnlich, abgeschlossen mit der Frage, ob es diese Band überhaupt noch gebe, verlaufen Gespräche zwischen Fans und Nicht-Fans. Wobei der Nicht-Fan wahrscheinlich einen Entrüstungsschwall voller Fakten, begeisterten Konzert- und Reiseberichten und das Versprechen, mal eine CD zu brennen, über sich ergehen lassen muss. Als "Ten" im August 1991 erschien, einen Monat vor "Nevermind" übrigens, interessierte die "Nachfolge-Band von Mother Love Bone" kaum jemanden. Die Plattenfirma warb verzweifelt mit dem Argument, dass man Pearl Jam live gesehen haben müsse; damals wie heute eine von vielen entschuldigenden Floskeln des Musikzirkus, mit dem einzigen Unterschied: Sie stimmte! Überall, wo PJ auftraten, hinterließen sie einen tiefen Eindruck. Als dann das Video zu "Alive" zündetete (MTV hatte noch das Monopol), fasste der Marketingplan der Band, es kam noch ein prämiertes Video, dann zog sei sich zurück. Im aktuellen Interview sagen sie, genau das habe sie gerettet. Was wäre passiert, wäre "Black" noch – wie es geplant war – als Single erschienen? Eine der wunderschönsten Trennungsballaden wäre für immer versendet worden. Seitdem fliegen Pearl Jam unter dem Radar der Öffentlichkeit; damals wollten sie es wissen. Gossards Songs, allen voran die ersten drei, die Eddie Vedder besang (ein Duplikat des Tapes mit "Alive", "Once" und "Footsteps" liegt der Luxus-Variante bei), führten den Stadion-Glamrock von MLB weiter, allerdings ohne Cheesy-Faktor. Vedder interpretiert gekonnt, ein nicht unschuldiger Sänger, der sich auf der Bühne noch finden muss, aber im Studio eine Meisterleistung abliefert. Pearl Jam klangen später nie wieder so opulent, variierten das Tempo, zeigten, dass sie eine Rockband sind, die alles kann: klassisch ("Alive"), rockig ("Even Flow"), majestätisch ("Jeremy"), wütend ("Porch", "Deep") und ja, sexy, wie in "Once" oder "Why Go". Aber es sind die ruhigen Momente, die dieses Debüt zu einem vollkommenen Stück Musikgeschichte machen: Die spitzen Schreie, wenn "Black", "Oceans", "Garden" und "Release" heute noch live angestimmt werden, sagen alles. "Ten Redux" erscheint in vier Versionen, Remixe, Bonustracks, MTV-Unplugged-Auftritt, Vinylfassungen und Notizbuch-Replikat inklusive. Wertiger geht es nicht.

Leserbewertung: 10.4/12

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