Alles klar soweit? Dann seid
ihr definitiv in der Lage, "We Are Beautiful, We Are Doomed" folgen zu können. Denn nur
zehn kurze Monate nach "Hold On Now, Youngster...", fünf Singles und zwei EPs erscheint
damit schon wieder etwas, das anscheinend auch noch zwischen den langen Touren
entstanden ist. Hexerei? Wie geht das? Die Band selbst schiebt es auf ihr kreativ
forderndes Umfeld und betont dabei, die zehn Songs seien keineswegs nachträglich zu
Ende produzierte, b-seitige Ausschussware des Vorgängers. Wirklich keine Resterampe,
Hand aufs Herz? Niemals, nicht mit Los Campesinos! Dieses Material wurde im Juni dieses
Jahres frisch eingespielt. Dafür die Ansage, dass man sich dazu entschlossen hätte,
diesem Konglomerat an Songs nur eine Rotation im Presswerk zu gönnen. Ist ja kein
zweites Album. Was das bedeutet? Wenn weg, dann weg – nachgefertigt soll diese Nummer
hier nicht mehr werden. Eine betrübliche Aussicht für Zuspätkommer, denn was hier
erklingt, klingt erneut richtig gut. Die Lust an der Belustigung umtreibt diese Songs,
immer so, als könnte man auf Seiten der Band jeden Eintrag als einen schmutzigen,
kleinen Pub-Witz outen, an dem sich jetzt die Musikjournalisten ergötzen und bis ins
letzte Klingeln analysieren. Das ist wohl die neue Leichtigkeit einer frischen
britischen Musikergeneration abseits jedweder NME-Allüren. Wer die Band aus dem
Walisischen Cardiff noch nicht kennt: Eine polyphone Quirligkeit mit zwei
Sangesstimmen, Aleksandra und Gareth, die einer überzuckerten Rhythmusabteilung
vorstehen. Eine Collage; nicht unähnlich dem, hätten die Stars mit The Go! Team MP3s
ausgetauscht und irgendwann hätte es beim Verschicken einen Zusammenbruch der Bits und
Bytes gegeben, worauf der Sound beider Bands verschmolzen wäre. Mit einer großartigen
Verspultheit, die sich bis in die Lyrics hineinzieht und auch vor den Songtiteln keinen
Halt macht: "You'll Need Those Fingers For Crossing", "Documented Minor Emotional
Breakdown #1" – kalkulierte Aphorismen und Sentenzen, die mit fragloser Leichtigkeit
nebenbei fallen gelassen werden. Und wenn das hier kein Album sein soll, dann sollen
Los Campesinos! doch bitte alsbald nachlegen. Mal sehen, wer zuletzt lacht, wenn der
Erwartungsdruck wächst.
Bewertung: 8/12
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